Anm.: Auf dieser Site habe ich nun verschiedene Texte gespeichert, die bisher auf der Startseite gepostet wurden. Man hat mich darauf hingewiesen, dass dies Leute von der Pilzkunde abschrecken würde. Das kann stimmen.

Ich möchte aber nicht verstummen und mundtot werden - und mich weiterhin klar gegen die extrem überhöhte Stickstoffbelastung unserer Natur-Reste durch Gülle und Kunstdünger äußern. Täte ich dies nicht, oder nicht auf meiner Website, dann könnte ich morgens nicht mehr in den Spiegel sehen. Insofern bitte ich um Entschuldigung, dass ich Sie hiermit belästige. Und ich verspreche Ihnen: ich werde es weiterhin tun :-)

 

https://www.tagesschau.de/inland/seehofer-braunbaer-101.html - aus aktuellem Anlass am 1.4.2018

Natürlich nur ein Aprilscherz ist der obige Link - schade! Nicht, dass ich meine, dass der Braunbär unbedingt in D wieder angesiedelt werden sollte. Dies würde nicht gehen - zu dicht ist D bevölkert und die Vorbehalte und Ängste in der Bevölkerung, die bei Wolf und Luchs schon enorm sind, wären riesig. Nein - wer einen Braunbär außerhalb eines entwürdigenden Geheges sehen möchte, der muss nach wie vor z.B. nach Kroatien, Rumänien oder Nordschweden fahren.

Ein anderer Satz aus dem Scherz-Artikel ist es, den ich eigentlich gar nicht witzig finde: "Heimat brauche auch eine starke indigene Flora und Fauna, meint Seehofer.". Ja - in der Tat wäre die Rettung der Arnika oder des Flachbärlapps vor dem Aussterben - und mit ihnen von Hunderten, ja Tausenden von Pflanzen (und Pilzen) etwas für einen Heimatminister. Wenn schon Umwelt- und Landwirtschaftsminister hier sich nicht zuständig sehen. Das Gleiche gilt für die Insektenwelt.

Also, Herr Seehofer, setzen Sie sich für unsere Heimat ein, für unsere heimischen Pflanzen und Tiere. Kämpfen Sie gegen schädliche Lobbys wie Bauernverband u.a., kämpfen Sie für eine Abschaffung des unsäglichen Bestandsschutz der Nutzung in Naturschutzgebieten (oder anders gesagt: tun Sie das Gegenteil dessen, was Sie schon lange tun). Viele dieser Gebiete sind das Papier oder das Blech der Schilder längst nicht mehr wert, auf dem sie stehen. Ja - dies wäre wirklich eine Aufbabe für einen Heimatminister.

Leute, die sich über den Islam und über zu viele Flüchtlinge beklagen, haben wir wirklich genug. Dafür, Wasser auf deren Mühlen zu schütten, brauchen wir Sie sicher nicht, Herr Seehofer!

am Seitenende finden Sie ein paar Bemerkungen zum Wesen der Pilze, zum Pilz-Schutz und zur verheerenden Rolle der Eutrophierung auf unsere Natur

DGfM und Glle 2 638x478
wer sagt`s denn: heute auf Facebook ein Post der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zur Dünge-Problematik (4.1.2017) - Darstellung von Rita Lüder

 Lesen Sie hierzu bitte https://www.dgfm-ev.de/wissenswertes/pilze-und-guelleduengung

Wenn Sie selbst dazu aktiv werden wollen, empfehle ich:

https://www.campact.de/Duengeverordnung

 

Bemerkungen zum Wesen der Pilze, zum Pilz-Schutz und

zur verheerenden Rolle der Eutrophierung auf unsere Natur

Pilze sind keine Pflanzen - sie bilden ein eigenständiges Reich neben Pflanzen und Tieren (und vielfältigen "Protisten", Einzellern einschließlich der interessanten "Schleimpilze"). Was wir ernten, sind die Fruchtkörper der Pilze - der eigentliche Pilz lebt im Boden oder im "Substrat" (Holz, Laub- und Nadelstreu, Pflanzenreste u.a.). Unsere Vorstellung von Pilzen ist von den Fruchtkörpern, die wir sammeln und essen, geprägt. Die Fruchtkörper der Pilze stellen aber nur eine zur Fortpflanzung entwickelte Sonderstruktur dar. Ansonsten ist der Pilz (das "Myzel") eigentlich ein loses, möglichst viel Oberfläche berührendes Netzwerk aus miteinander verbundenen, aber nach allen Richtungen wachsenden Pilz-Fasern darstellt. Dies liegt daran, dass Pilze (bei den Sapromyzeten, den "Leichenzehrern") eine außerkörperliche Verdauung haben - was bei uns im Magen stattfindet, passiert bei Pilzen außerhalb. Die Pilze scheiden Wirkstoffe (Enzyme) aus, die das Material außerhalb des Pilzkörpers (der Gesamtheit der Zellen, der "Hyphen" - das Myzel) aufschließen können. Die große Oberfläche der Pilzfäden im Verhältnis zum Körper-Innenraum mit selektiver Durchlässigkeit der Zellwand dient der Aufnahme der gebildeten Spaltprodukte. Dies ermöglicht dem Pilz so nach Durchwachsen des Substrats dessen Aufschluss - die Ernährung des Lebewesens Pilz. Andere Pilze ernähren sich (zusätzlich) anders, indem sie enge Verbindungen mit lebenden Pflanzen (vor allem auch Bäumen) eingehen. Pilzfäden dringen in die Baumwurzeln (bei den meisten Pilzen nur zwischen, nicht ins Innere der Zellen) ein und liefern dem Baum viel Wasser und darin gelöste Salze und Mineralien, für die Pflanzen oft überlebenswichtig. Was hat der Pilz davon? Nun, er wird ernährt - durch den Baum, der für ihn "billigen" Kohlenstoff (das Haupt-Element auch unserer Nahrung aus Kohlenhydraten, Fetten und auch Proteinen) an den Pilz abgibt, in Form des vom Baum durch Photosynthese gebildeten Zuckers. Solche "Symbiose" (oder besser Verflechtung) gibt es in der Natur immer wieder - auch bei den sprichwörtlichen Flechten, die ja nichts als Pilze sind, die zu ihrer Ernährung Algen in ihr Körper-Inneres aufgenommen haben und dafür (um ihrer lebenswichtigen Alge Schutz vor Austrocknung zu bereiten) verdichtete, verhärtete Strukturen zu bilden (wie sie auch z.B. mehrjährige Fruchtkörper von "Baumpilzen" sind). Haben Sie alles verstanden? Vielleicht nicht - und vielleicht habe ich mich zu kompliziert ausgedrückt. Auf dem Kurs können Sie nachfragen - und ich bemühe mich sehr darum, Sie bei Ihrer Kenntnis "abzuholen", wie man heute so zu sagen pflegt :-)

Pilze sammeln ist ein schönes Hobby - Pilze essen sowieso. Pilze bestimmen und ihre Vielfalt kennen lernen lohnt sich nicht nur aus kulinarischen Gründen, sondern auch, weil sie ein besonders schöner Teil unserer wunderbaren Natur (mancher würde auch sagen Schöpfung) ist, auf vielfältige Weise mit den anderen Lebewesen im Ökosystem verbunden und interagierend. Der Wald als Internet der Bäume und Pilze ist ein Bild, das natürlich nicht wörtlich, aber im übertragenen Sinne durchaus passend "gemalt" werden kann. Die Beschäftigung mit Pilzen, Pflanzen, Tieren macht sehr viel Freude und bietet jederzeit Spannung und Unterhaltung.

Leider sieht man aber auch mit steigender Kenntnis immer besser, dass die Welt bei uns nicht in Ordnung ist. Die Artenvielfalt - ob bei Pilzen, Pflanzen oder Tieren (vor allem Insekten) - ist auf dem Rückzug. Ein wesentlicher Faktor ist die Eutrophierung ganz Deutschlands und auch sonst weiter Landstriche der Welt - überall dort, wo immer intensiver landwirtschaftliche (oder intensiv-forstwirtschaftliche) Nutzung statt findet. Nährstoffarme Standorte sind auf dem Rückzug. Gülle, Kunstdünger und die Abfälle des "Benzin vom Acker" überfluten unsere Äcker und Wiesen (direkt gedüngt) und sickern auch weit vom Rande und den Waldwegen her in die Wälder selbst ein. Nur die Kernbereiche größerer Waldgebiete sind (im Osten Baden-Württembergs) oft noch einigermaßen nährstoffarm (sofern nicht Waldkalkungen dem entgegen wirken) - und zum Teil Kuppenlagen, die bewaldet sind (im Schwäbisch-Fränkischen Wald heute selten). Auf Wiesen sieht die Lage deutlich verheerender aus - nährstoffarme Grasplätze sind nur noch in wenigen Regionen Deutschlands in größerem Umfang vorhanden. Allgemein ist es Usus geworden, die massenhaft anfallende Gülle noch auf dem letzten Stückchen Waldwiese auszubringen, auch zu ganz unpassenden Zeiten (Regenwetter). Offenbar ist es alternativlos, dass wir unsere Artenvielfalt umbringen. Ein Skandal ist ferner das Naturschutzgesetz, das in Naturschutzgebieten den "Bestandsschutz der Nutzung" enthält. Wo z.B. vor Unterschutz-Stellung Landwirtschaft war, darf weiterhin (konventionelle) Landwirtschat betrieben werden. Dies ist heute ein Treppenwitz - so manche Naturschutzgebiete verdienen ihren Namen kaum noch, sie ertrinken in den Stickstoff-Fluten zu Brennnessel-Meeren. Die Dünge-Problematik (dazu kommen natürlich N-Immissionen aus Verkehr und Industrie) ist nicht der einzige Faktor, aber aus nicht nur meiner Sicht derzeit gravierendste beim galoppierenden Verlust der heimischen Biodiversität (wie Sie wissen ein weltweites Problem ...). Ein Umdenken sollte hier dringend statt finden.

Dazu in geradezu grotesker Gegensätzlichkeit stehen die Verordnungen zum "Schutz" von Pilzen im Gesetz, das es verbietet, die Fruchtkörper bestimmter als bedroht angesehener Pilzarten zu sammeln. In NSG ergibt sich so die groteske Situation, dass Fruchtkörper nicht entnommen werden dürfen (was den Pilz-Myzelien wenig schadet), aber Dünger ausgebracht werden darf, was zum Verlust aller nährstoff-fliehenden Organismen führt, an Ort und Stelle sowie in unterschiedlich weiter Umgebung. Die Spitze des Eisbergs ist die Situation im Nachbarland Österreich, speziell in Kärnten, wo ein neues "Naturschutz"-Gesetz das Ganze auf die Spitze treibt. Der Pilzesammler und vor allem der freiberufliche Pilzkundler läuft Gefahr, in die Illegalität getrieben zu werden, indem dort ganze Pilz-Gattungen unter "Naturschutz" gestellt wurden. Darunter sind solche wie (nur die krassesten Beispiele) die Helmlinge (Mycena), die Faserlinge (Psathyrella) und die Risspilze (Inocybe) - alles Gattungen, die sehr viele, darunter etliche häufige und teils massenhaft auftretende Arten enthalten. Noch grotesker Weise fehlen gerade die gefährdesten Pilze wie die Fleisch- und Korkstachelinge (Sarcodon, Hydnellum u.a.) in der "Schutz"-Liste. Es wird Zeit, dass die wahren Ursachen des Pilze-Rückganges in Angriff genommen werden und nicht abgelenkt wird mit einem Sündenbock des Pilze-Sammlers. Pilze sammeln und essen ist, wenn es mit Augenmaß gemacht wird, keine Gefährdungs-Ursache von Belang, im Gegensatz zur übermäßigen Stickstoff-Kontaminierung durch konventionelle, aber auch "biologische" Landwirtschaft (ein Label, das zwar eine weniger schädliche, aber dennoch keineswegs nachhaltige Bewirtschaftung bezeichnet).

Pilze-Pflanzen-Natur

Pilzschule Schwäbischer Wald - http://www.pilzschule-schwaebischer-wald.de/

Pilzkurse - Pilzseminare - Pilzführungen - Mooskurse - Pflanzenkurse - Pilzausstellungen etc.

 

 

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