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Pilz des Monats August 2016  Nackter Zwerg-Nestling (Mycocalia denudata)

Abgesehen von noch selteneren Arten der selben Gattung (die ich noch nie gefunden habe) ist diese Art mit Fruchtkörpern bis maximal 2 mm der kleinste in Mitteleuropa vorkommende Bauchpilz. Wie selten er ist, ist schwer zu sagen – in Literatur und Internet gibt es nur ziemlich wenige Nachweise. Ich selbst fand die Art dreimal – und zwei dieser Funde (aus Baden-Württemberg) kann ich hier mit einem Foto belegen (der dritte stammt aus der Bayerischen Rhön).

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Zwerg-Nestling (Mycocalia denudata) im NSG "Weiherwiesen" bei Aalen-Tauchenweiler (Baden-Württemberg

ö. Stuttgart), Hochfläche des Albuch (Schwäbische Alb), in saurem Niedermoor an Resten von Juncus effusus,

leg., det. L. Krieglsteiner, fot. F. Kasparek (nach Zusendung), gefunden am 8.10.2003

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Mycocalia-denudata-Zwerg-Nestling-Pilzschule-Schwbischer-Wald-Baden-Wuerttemberg-Rote-Liste

Zwerg-Nestling (Mycocalia denudata) bei Gründelhardt (Hohenloher Ebene sw. Schwäbisch Hall,

Baden-Württemberg), Waldweiher auf saurem Boden, an moorigem, bewaldetem, wenig beeinflusstem

Ufer, an Seggenresten etc., leg. Michael Hausser & L. Krieglsteiner, det., fot. Lothar Krieglsteiner

am 19.7.2011

Was haben alle Fundorte gemeinsam? Nun – immer handelte es sich um saure, nährstoffarme Moore, an Resten von Einkeimblättlern (Seggen oder Binsen). Es ist insofern anzunehmen, dass es sich um eine gefährdete Art handelt (obwohl die Art laut Literatur auch auf Kaninchen- und Schafmist vorkommen soll ….). Die Rote Liste der Pilze Deutschlands führt die Art als „Rarität. Potenziell gefährdet“, für Baden-Württemberg wurde sie bisher nicht klassifiziert. Kein Wunder: Die PIlzflora Baden-Württembergs (Band 2, A. Gminder & G.J. Krieglsteiner 2000) führt die Art als „nicht nachgewiesen“ – erwähnt ist sie nur, weil ein Fund im Kartierungsatlas (G.J. Krieglsteiner 1991) aufgeführt ist, der sich als Fehlbestimmung erwies (es handelte sich um den Vollgestopften Nestling Nidularia deformis).

Mycocalia-denudata-Sporen-PIlzschule-Schwaebischer-Wald-Krieglsteiner

Sporen von Mycocalia denudata - Aufsammlung bei Gründelhardt (Hohenloher Ebene bei Schwäbisch Hall),

19.7.2011, Lothar Krieglsteiner

Nidularia-deformis-Vollgestopfter-Leistling-Holz-Eifel-Nationalpark-Nordrhein-Westfalen-Rote-Liste-Deutschland

Vollgestopfter Nestling (Nidularia deformis (=N. farcta)), Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen),

Dreiborner Hochfläche, Bachtälchen, Ufer in saurem Niedermoor, an Nadelholzrest, leg., det., fot.

Lothar Krieglsteiner am 15.6.2012

Dieser hat jedoch eine bleibende, dauerhaftere Peridie aus stacheligen Hyphen, während die von Mycocalia früh schwindet und aus glatten Hyphen besteht – im Schnitt ist der Vollgestopfte Nestling auch größer (bis 2 cm hoch und 1,5 cm breit, oft aber auch deutlich kleiner). Außerdem wächst die Art meist (aber nicht immer) an Holz, ihre Peridie ist eher bräunlich gefärbt und die jungen Peridiolen weißlich.

„Bauchpilz“ – nun ja … - früher waren die „Gastromycetidae“ als eine Verwandtschaftsgruppe gedacht worden, zu der verschiedene Ordnungen, u.a. die Nestpilze (Nidulariales), zu denen auch die größeren Teuerlinge gestellt wurden, gezählt wurden. Heute gibt es diese Ordnung nicht mehr, und auch nicht die anderen Ordnungen der Bauchpilze, denn es stellte sich heraus, dass die Wuchsform der Pilze mit ihrer Vewandtschaft nicht viel zu tun hat. Bei den Pflanzen stehen auch nicht alle Bäume in einer Familie allen Kräutern gegenüber; in den Rosengewächsen z.B. gibt es Bäume (Elsbeere, Apfel- und Birnbaum u.a.), Sträucher (Weißdorn, Rose u.a.), Stauden (Mädesüß u.a.), etliche Kräuter und auch Polsterpflanzen im Gebirge. Und so gehören die Nestlinge (im Übrigen auch die Weichboviste!) heute in die Familie Agaricaceae. Ja, in die Champignon-Familie, zusammen mit Champignons und den mannigfaltigen Gattungen der Schirmlinge. Daran müssen sich viele sicherlich erst einmal gewöhnen ….

Pilz des Monats Juli 2016 - Graugestreifter Nabeling (Chrysomphalina strombodes)

.... Nachtrag am 24.7.2016: Wie aus molekularbiologischen Untersuchungen klar wurde, muss der Pilz in einer anderen Gattung stehen, denn er ist näher mit Wasserfüßen (Hydropus, Marasmiaceae - hier steht übrigens auch Clitocybula und Megacollybia, s.u.) als mit der Gattung Chrysomphalina (Hygrophoraceae) verwandt. Der korrekte Name ist deshalb (jetzt wieder)

Gerronema strombodes 

Dieser eher unauffällige Pilz erinnert durch seinen gestreiften, grauen Hut ein wenig an den natürlich viel größeren Breitblättrigen Holzrübling (Megacollybia platyphylla alias Clitocybula platyphylla) sowie auch an den ähnlich großen Fransigen Faserrübling (auch Holztrichterling: Clitocybula lacerata), weicht aber von beiden schon durch die deutlich herablaufenden Lamellen ab, weswegen die Art ja auch klassisch als Nabeling (Omphalina im weiten Sinne, auch Gerronema) klassifiziert wurde. Dass Nabelinge heute in sehr verschiedenen Gattungen stehen, die nicht unbedingt alle nahe miteinander verwandt sind (z.B. die Heftelnabelinge Rickenella nicht einmal mit anderen Blätterpilzen), ist ein anderes Kapitel, das ich hier nur ganz am Rande aufschlage.

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Graugestreifter Nabeling (Chrysomphalina strombodes) - reichliche Kollektion bei Gschwend-Rotenhar (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg), leg., det., fot. K. & L. Krieglsteiner am 26.6.2016
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Graugestreifter Nabeling (Chrysomphalina strombodes) bei Gschwend-Rotenhar am 26.6.2016, leg., det., fot. K. & L. Krieglsteiner - ältere, typisch grau gestreifte Fruchtkörper an Nadelholzstumpf
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Graugestreifter Nabeling (Chrysomphalina strombodes) - bei Mittelbronn im Schwäbisch-Fränkischen Wald anlässlich von Pilzkurs von Pilzschule Schwäbischer Wald, fot. L. Krieglsteiner am 24.8.2015 - Fruchtkörper einzeln und büschelig

Die Goldnabelinge (Chrysomphalina) umfassen bei uns drei Arten, die alle an morschen Nadelholzstümpfen zu finden sind, alle vorzugsweise in Gebirgslagen. Die häufigsten von ihnen ist der Olivgelbe Holznabeling (C. grossula), der im Schwäbischen Wald verbreitet ist, die seltenste der Goldblatt-Nabeling (C. chrysophylla). Der Graugestreifte Nabeling ist ebenfalls ziemlich selten, im Schwäbisch-Fränkischen Wald allerdings schon an einigen Stellen gefunden worden. Die Fundorte waren dabei stets luftfeuchte, eher kalte Schattlagen in meist eng eingeschnittenen Bachschluchten. Der typisch gestreifte Hut ist erst bei etwas älteren Fruchtkörpern nach Streckung der Huthaut augenfällig - junge Pilze wirken ziemlich glatt.

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Graugestreifter Nabeling (Chrysomphalina strombodes) - bei Althütte im Schwäbisch-Fränkischen Wald nö. Stuttgart, leg., det.. fot. L. Krieglsteiner am 6.9.2012 - junge Fruchtkörper
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Chrysomphalina strombodes in Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Gschwend-Rotenhar - leg., det., fot. K. & L. Krieglsteiner am 26.6.2016 - junge Fruchtkörper mit nahezu glatten Hüten

Die wenig bekannte Art verrät zunächst nicht unbedingt ihre Zugehörigkeit zu den Goldnabelingen – junge und oft auch ältere Fruchtkörper zeichnen sich durch graue bis graubraune Hüte sowie relativ rein weiße Lamellen aus. Gelbtöne werden erst bei reifen Pilzen und nicht zuverlässig entwickelt – vor allem angetrocknete, ältere Fruchtkörper zeigen allerdings häufiger gelbe Lamellenfarben, wodurch der alternative deutsche und lateinische Name Gelbblättriger Holznabeling (Gerronema xanhophyllum) zustande gekommen ist.

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Graugestreifter bzw. Gelbblättriger Nabeling (Chrysomphalina strombodes, Syn. C. xanthophyllum) im Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Gschwend (Seebachtal am Bergsee), Kollektion während Pilzkurs von Pilzschule Schwäbischer Wald, fot. L. Krieglsteiner (Studio)

Auffällig sind auch die recht deutlich anastomosierenden (mit Querverbindungen versehenen) Lamellen.

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anastomosierende Lamellen bei Graugestreiftem Nabeling (Chrysomphalina strombodes) - Kollektion bei Gschwend-Rotenhar im Schwäbisch-Fränkischen Wald, leg., det., fot. K. & L. Krieglsteiner am 26.6.2016

Die Art wächst einzeln, aber auch in kleinen Büscheln an Nadelholz der Finalphase, das auch im Boden vergraben sein kann und dann ein Wachstum auf Erde vortäuscht.


Pilz des Monats Juni 2016 - Sumpf-Ackerling (Agrocybe elatella, vormals Agrocybe paludosa)

Heute gibt es nur einen kurzen Text und nur zwei Bilder einer Aufsammlung, die wir am Sonntag, den 15. Mai 2016 beim Kurs „Essbare Wildkräuter“ gemacht haben. Ort der Aufsammlung: das Leintal beim „Tennhöfle“ unweit Alfdorf (Baden-Württemberg, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd).

Zunächst brachte ein Teilnehmer einen Pilz an, den er von der Wiese auflies – offenbar hatte ihn jemand umgetreten. Beim genaueren Nachsehen waren etliche (vielleicht 25) Fruchtkörper zu finden und wir machten alle unsere Fotos. Der Standort ist eine bachnahe, feuchte Fettwiese mit mäßigem Nährstoffeintrag (mäßig eutrophiert). Vermutlich würden manche jüngere Leute sogar von einer Magerwiese sprechen, aber ich bin alt genug, um wirkliche Magerwiesen noch zu kennen – hier hat sich in den letzten Jahrzehnten ein gewaltiger Begriffswandel vollzogen.

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Sumpf-Ackerling-Agrocybe-paludosa-elatella-praecox-Voreilender-Baden-Wuerttemberg-Stuttgart-Sumpfwiese-Stickstoff-eutrophiert-Pilz-PIlzkurs-Pilzseminar
Sumpf-Ackerling (Agrocybe elatella versus A. paludosa) - Aufsammlung vom 14.5.2016 im NSG "Leinwiesen" bei Tennhöfle (Alfdorf, Baden-Württemberg nö. Stuttgart) - etliche Fruchtkörper in feuchter, mäßig gedüngter Fettwiese - leg. Andreas Schmalholz (Wildkräuterkurs), det., fot. Lothar Krieglsteiner

Sie (die Wiese) ist Naturschutzgebiet (wo anders kann man nicht mehr hingehen, um Leuten mehr als 10 Blumen auf kleinem Raum zu zeigen ….) und wird (welch ein Anachronismus) immer noch mit Stallmist (immerhin nicht mit Gülle) gedüngt. Offenbar kein Todesurteil zumindest für den Ackerling. Was anspruchsvollere Pflanzen und Pilze betrifft – nun ja ….

Der Sumpf-Ackerling wird nicht so häufig gefunden und steht auch auf der Roten Liste (Deutschland wie Baden-Württemberg). Er ist der „kleinere Bruder“ des Voreilenden Ackerlings (Agrocybe praecox), der in Laubstreu und auf Holzresten (oft auch auf Rindenmulch) fruktifiziert. Letzterer kann nicht unbedingt als gefährdet bezeichnet werden. Beide Arten haben etliche Merkmale gemeinsam – der Sumpf-Ackerling ist vor allem viel kleiner und schmächtiger. Typisch für den ganzen Komplex sind die tabakbraunen Sporen, der flüchtige Ring und die hymeniforme Huthaut. Chinesisch? Nun ja: darunter versteht man Zellen, die wie bei einer Fruchtschicht aufrecht stehen und somit die Rundungen im Schnitt oben zeigen. Makroskopisch führt das meist zu einem nicht faserigen, sondern glimmerig-matten Erscheinungsbild (so z.B. auch bei Samtritterlingen und Sammethäubchen J). Den Voreilenden Ackerling kann man essen – vermutlich dürfte also auch der Sumpfackerling essbar sein. Wir haben allerdings auf eine Zubereitung verzichtet.

Pilz des Monats Mai 2016 - März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus)

Der März-Schneckling (früher fälschlich oft auch März-Ellerling genannt) ist in vielerlei Hinsicht ein sehr interessanter Pilz – und so weiß ich gar nicht recht, wie ich anfangen soll, ihn vorzustellen. Vielleicht so: es handelt sich um eine zumindest in den meisten Regionen sehr seltene oder zumindest ziemlich selten gefundene Pilzart. Das Problem ist: so genau kann man das gar nicht sagen, denn der Märzschneckling ist ein Künstler des Versteckens. Zum einen werden die Fruchtkörper oft schon unter Schnee gebildet und erst bei der Schmelze kommen sie zum Vorschein – sofern der Schnee denn rechtzeitig schmilzt. Genauso oft sind Gruppen und Nester von Fruchtkörpern unter dicken Laubschichten versteckt und man braucht Glück, dass der eine oder andere Fruchtkörper-Teil herausschaut. Dann muss man ihn aber auch erst sehen – wenn Sie die Bilder in dieser Darstellung ansehen, dann glauben Sie gerne, dass er leicht übersehen werden kann. Die aktuellen Funde waren allerdings allesamt weder unter Schnee (lange weg) noch unter Laub versteckt und insofern relativ leicht zu finden. Ich bin auch kein besonders guter Märzschnecklings-Finder – lange habe ich keine eigenen Funde mehr gemacht und in den letzten 10 Jahren (in etwa so lange fotographiere ich mit einer Digicam) habe ich keine brauchbaren Fotos der Art machen können – einfach, weil ich sie nicht fand. In den letzten 3-4 Jahren habe ich mir aber vorgenommen, die Art gezielt im Schwäbisch-Fränkischen Wald (wo sie durch etliche Alt-Funde nachgewiesen ist – zuletzt fand sie 2013 Beate Siegel bei Murrhardt und zeigte mir auch den Fundort; leider gab es noch 1 Frk. zu sehen ) zu suchen – bis Ende März 2016 vergebens. Nun hat es allerdings geklappt :-)

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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) bei Tanne unweit Rotenhar (Schwäbischer Wald bei Gschwend, n. Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg) am 27.3.2016, leg., det., fot. Katharina & Lothar Krieglsteiner
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) unweit Rotenhar (Schwäbischer Wald bei Gschwend, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), ca. 100 m entfernt vom Ort des ersten Fotos, an Böschung unter Tanne (Fichte, Buche) am 27.3.2016, leg., det., fot. Katharina & Lothar Krieglsteiner
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) am "Bergsee" bei Gschwend-Wildgarten (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg), Bachkante über Bunte Mergel zu Stubensandstein, leg., det. fot. Katharina & Lothar Krieglsteiner am 28.3.2016
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) am "Bergsee" bei Gschwend-Wildgarten (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg), Bachkante über Bunte Mergel zu Stubensandstein, leg., det. fot. Katharina & Lothar Krieglsteiner am 28.3.2016
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) im "Edenbachtal" (Bach zur Wieslauf) w. Welzheim (Schwäbischer Wald ö. Stuttgart), in Bachtal mit Tannen, leg., det., fot. Katharina & Lothar Krieglsteiner am 4.4.2016 - die Moose Peitschenmoos (Bazzania trilobata) und Widertonmoos (Polytrichum formosum) kennzeichnen den zumindest oberflächlich etwas saureren Standort

 Ich wusste zunächst auch nicht so recht, wo genau ich suchen soll, denn die ökologischen Angaben in der Literatur sind äußerst widersprüchlich. Zum einen der Mykorrhizapartner – ja, es handelt sich wie alle Schnecklinge um einen Mykorrhizapilz, auch wenn die Erscheinungszeit für einen solchen sehr untypisch ist. In der Literatur wird vor allem Weißtanne (Abies alba) angegeben, aber auch Funde nur unter Fichte, Kiefer und Buche sind bekannt. Allerdings entspricht das Verbreitungsbild des März-Schnecklings vor allem in Süd-Deutschland (vgl. z.B. Kartierungsatlas von G.J. Krieglsteiner) mit wenigen Ausreißern ziemlich genau der Verbreitung der Weißtanne. Auch der Schwäbisch-Fränkische Wald ist ja natürliches Tannengebiet – und ich kann nur sagen, dass alle aktuellen Funde (es waren einige Klein-Stellen in insgesamt 4 Waldgebieten) bei Weißtanne gelangen (natürlich standen meist auch Fichten und Buchen mit dabei   Reinbestände der Weißtanne kommen hier nicht vor). Dann der Boden – in der Literatur findet man so gut wie alles von sauren bis zu Kalkböden. Bei meinen Funden 2016 stelle ich fest, dass alle in Waldbereichen gelangen, wo ein Übergang (Gradient) von sauren zu kalkhaltigen Schichten zu verzeichnen war – wenn ich es richtig deute (Geologie ist auch nicht mein Spezialgebiet), dann war es stets das Übergangsfeld zwischen darüber liegendem Stubensandstein (Km4 – sauer) zur Schicht Bunte Mergel (Km3 – basenreich). In der Tat wies die Begleitvegetation (abgesehen von einem Fund, s.u.) auf einen gewissen Basengehalt hin. Außerdem kann festgestellt werden, dass die Mehrzahl der Funde (bis auf einen) in direkter Nähe von Bachufern lag.

Zur Frühjahrszeit gibt es keine Pilzart, mit der der Märzschneckling verwechselt werden könnte – sehr selten (von mir noch nie so gesehen) kommt die Art auch im Spätherbst zur Fruchtkörperbildung. Dann droht Verwechslungsgefahr mit anderen Schnecklingen, so vor allem mit dem Rußbraunen Schneckling (Hygrophorus camarophyllus), der vor allem durch stärker herablaufende, entferntere Lamellen und mehr Brauntöne im Hut zu unterscheiden ist. Auch der Rußbraune Schneckling ist im Schwäbisch-Fränkischen Wald bekannt, aber lange Jahre nicht mehr gefunden worden.

März-Schnecklinge haben dunkel graue bis oft nahezu schwarze Hüte, die jung einen weiß-mehlige Bereifung aufweisen. Die Lamellen sind jung rein weiß, im Alter verfärben sie aber auch ins Graue, was mit dem Sporenpulver nichts zu tun hat - wie alle Schnecklinge ist auch Hygrophorus marzuolus ein Weißsporer.

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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) bei Rotenhar (Funddaten s.o.): Sporenpulver weiß! - Foto L. Krieglsteiner
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März-Schneckling bei Rotenhar (Funddaten s.o.): Sporenpulver weiß! (Detail) - Foto L. Krieglsteiner
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März-Schneckling bei Welzheim (Baden-Württemberg ö. Stuttgart - Funddaten s.o.): Fleisch (nahezu) weiß - Studio-Foto L. Krieglsteiner
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) bei Rotenhar (Funddaten s.o.): Hutoberfläche weiß mehlig bereift - Foto L. Krieglsteiner
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) bei Rotenhar (Funddaten s.o.): Stiel vor allem an der Spitze weiß mehlig bereift - Foto L. Krieglsteiner

 Wie der Hut ist auch der weißlich-grauschwarze Stiel jung vor allem an der Spitze dicht mehlig-bereift. Das Fleisch des Märzschnecklings ist rein weiß oder ganz leicht grau angefärbt. Dass es sich um einen Schneckling handelt, verrät nicht nur die Dicke derselben, sondern auch deren wachsartige Konsistenz und die Tendenz zur „Tropfung“ – es sieht aus wie das Wachs, das an Kerzen herunterläuft. Diese (nicht bei jedem Fruchtkörper und erst recht nicht bei jeder Lamelle erkennbare) Tropfung geht oft nahtlos in Anastomosen über, wenn dieselben Strukturen nicht an, sondern zwischen den Lamellen ausgebildet sind.

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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) im Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Rotenhar (Baden-Württemberg - Funddaten s.o.): Lamellen dick und wachsartig - Foto L. Krieglsteiner
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) im Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Rotenhar (Baden-Württemberg - Funddaten s.o.): Lamellen getropft (wie Kerzenwachs "zerfließend") - Foto L. Krieglsteiner
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) im Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Rotenhar (Baden-Württemberg - Funddaten s.o.): Lamellen dick und wachsartig, dazu deutlich getropft (wie Kerzenwachs herablaufend) - Foto L. Krieglsteiner
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März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) im Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Rotenhar (Baden-Württemberg - Funddaten s.o.): Lamellen dick und wachsartig, dazu getropft und deutlich anastomosierend (in den Zwischenräumen durch Adern verbunden) - Foto L. Krieglsteiner

Der März-Schneckling ist wie manch anderen Art der Gattung entgegen manchem Vorurteil nicht nur ein essbarer, sondern ein schmackhafter und durchaus empfehlenswerter Speisepilz. Katharina und ich haben es uns nicht nehmen lassen, eine kleine Probe gemeinsam zuzubereiten und zu verkosten (wie immer in solchen Versuchs-Fällen nur mit etwas Salz gewürzt und in Olivenöl angebraten). Wir entnahmen wie gesagt nur eine kleine Probe, obwohl es zahlreiche Fruchtkörper zu ernten gegeben hätte. Warum? Nun – der Märzschneckling gehört zu den gesetztlich geschützten Pilzarten und darf nicht gesammelt werden. Ob das sinnvoll ist oder eher nicht (wie ich finde), möchte ich hier nur kurz andiskutieren, da ich mich hieruber schon häufiger (auch auf dieser Site) geäußert habe. Gefährdet sind Pilze in aller Regel nicht durch die Entnahme von Fruchtkörpern, sondern durch Zerstörung und Veränderung ihrer Lebensräume (in sehr vielen Fällen durch Immissionen vor allem von Nährelementen, vor allem Stickstoff). Inwieweit dies beim Märzschneckling der Fall ist, kann ich noch nicht ganz abschließend beurteilen – die eher nährstoffarme Begleitflora bei meinen aktuellen Funden spricht aber genau dafür.

10 Jahre oder länger kein eigener Fund und dann gleich in 4 Wäldern an ca. doppelt so vielen „Kleinstellen“ innerhalb einer Woche – wie kann das sein? Nun – zum einen hatte der Märzschneckling 2016 im Schwäbischen Wald (und anderswo) offensichtlich ein gutes Jahr. Zum anderen erleichtert sicherlich der Klimawandel das Auffinden der Fruchtkörper, die heute viel seltener als früher unter Schnee anzutreffen sind. Bei den aktuellen Funden war an Schnee überhaupt nicht zu denken. Wenn dann kein Laub über den Pilzen liegt, können sie auch ganz gut entdeckt werden. Trotzdem: auch schon die Jahre zuvor war wenig Schnee im Frühling vorhanden und dennoch gelangen mir keine Funde. Erfolgsgarant war sicher auch die Tatsache, dass ich nach dem Erstfund weitere ökologisch vergleichbare Standorte aufsuchte (s.o.). Jedenfalls bin ich gespannt, ob auch in den kommenden Jahren im Schwäbisch-Fränkischen Wald Märzschnecklinge gefunden werden können. Für dieses Jahr dürfte es vorbei sein. Insofern könnte man sagen: ein ganz schlechter Pilz des Monats Mai! Aber historisch gesehen ist dies keineswegs so: Funde bis weit in den Mai hinein waren in der Vergangenheit (und sind dies noch in höheren Gebirgslagen) Normalität, vor allem nach schneereichen, langen Wintern. Ob es wohl bald mal wieder einen solchen geben wird?