Pilz des Monats Mai 2026 – Türkische Morchel (Morchella anatolica)
Schon vor Jahren war ich einmal an der Algarve (Portugal) mit diesem schönen Pilz fündig geworden – im Schutzgebiet „Fonte Benemola“ unweit von Loule wuchs ein Fruchtkörper der makroskopisch überaus typischen Art unter Schmalblättriger Esche (Fraxinus angustifolia) und Oleander in einem der wenigen gut erhaltenen Bachtäler mit alter Kulturlandschaft in der Algarve, der Fundort liegt in der von Kalkgestein geprägten Barrocal-Region. Meine damalige Vermutung wurde auf ascofrance durch Pierre-Arthur Moreau bestätigt, auch wenn ein entscheidendes Merkmal, die Längs-Streifung der Sporen in Lactophenol (Baumwollblau) damals nicht nachvollzogen werden konnte; vermutlich war der damalige Fruchtkörper noch zu jung gewesen (vgl.: Morchella spec. from Portugal - M. anatolica (???) - Forum ASCOFrance).
Damals lag ein Neufund für Portugal der mediterranen Art vor. Ferner ist M. anatolica aus der Türkei (Erstbeschreibung), verschiedenen griechischen Inseln sowie aus Zypern, aber auch aus dem benachbarten Spanien bekannt.
Nun ist Katharina ein weiterer Fund von Morchella anatolica an der Algarve gelungen, und diesmal waren es zwei Fruchtkörper. Außerden konnte diesmal auch das Merkmal der längs-gestreiften Sporen nachgewiesen werden. Lebende Sporen (in Wasser präpariert – in der Tafel links oben) zeigen dieses Merkmal nicht, dafür die für lebende Morchel-Sporen auch anderer Arten typischen Granula außerhalb der Sporen an den Polen. Diese verschwinden in Kongo-NH3 (letales Medium – vgl. rechts oben in der Tafel), und auch nach dieser Anfärbung ist keine Streifung erkennbar. Diese ist jedoch sehr auffällig in Lactophenol-Baumwollblau, wobei das Lactophenol wohl das entscheidende (ebenfalls zell-letale) Agens ist.
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| Türkische Morchel (Morchella anatolica) am 04.04.2026 im Bachtal des Rio Algibre ö. von Paderna (Portugal, Algarve, Barrocal - GPS: ) auf bemoostem Kalkstein-Brocken auf Fußweg durch Bachtal mit alter Kulturlandschaft, unter Olea europaea und Ceratonia siliqua, leg., det. Katharina (und Lothar) Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie das Wachstum auf einem Steinbrocken sowie die fast nur längs gerippten Morchel-Fruchtkörper. |
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| Türkische Morchel (Morchella anatolica) am 04.04.2026 im Bachtal des Rio Algibre ö. von Paderna (Portugal, Algarve, Barrocal - GPS: ) auf bemoostem Kalkstein-Brocken auf Fußweg durch Bachtal mit alter Kulturlandschaft, unter Olea europaea und Ceratonia siliqua, leg., det. Katharina (und Lothar) Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie das Röten der Fruchkörper an den Rippen sowie die fast glatt wirkenden Stiele. |
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| Türkische Morchel (Morchella anatolica) am 04.04.2026 im Bachtal des Rio Algibre ö. von Paderna (Portugal, Algarve, Barrocal - GPS: ) auf bemoostem Kalkstein-Brocken auf Fußweg durch Bachtal mit alter Kulturlandschaft, unter Olea europaea und Ceratonia siliqua, leg., det. Katharina (und Lothar) Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie die deutlich gerippten Sporen in Lactophenol-(Baumwollblau), das Fehlen dieser Rippen bei Betrachtung der Sporen in Wasser (links oben - dort lebend mit den Granula an den Sporen-Polen) und Kongorot-Ammoniak. |
Der Fundort ähnelt dem beim ersten Fund durchaus. Auch dieser liegt in einem der wenigen kaum beeinflussten Bachtäler der Algarve, auch er liegt über Kalkboden. Eschen oder Oleander wurde diesmal allerdings nicht in Fund-Nähe beobachtet, dafür in erster Linie Ölbäume (auch Eschen gehören zu den Ölbaumgewächsen!) und Johannisbrotbaum (Alfarroba - Ceratonia siliqua). Die genannten Bäume sind übrigens in der Algarve nicht ursprünglich heimisch und zeigen auf, dass es sich (wie beim Erstfund) nicht um reine Natur-Standorte, sondern um für die Biodiversität hochwertige alte Kulturlandschaft handelt.
Die beiden Fruchtkörper wuchsen (im Gegensatz zum ersten portugiesischen Nachweis) auf einer dünnen Auflage an einem am Rande des Fußweges liegenden Kalkstein-Brockens. Dies scheint durchaus nicht untypisch zu sein und wird bereits bei der Erstbeschreibung erwähnt, ferner findet man vergleichbare Berichte im Netz (z.B. Ascomycetes of the world | Morchella anatolica, on moss on a rock, under Laurus, Pistacia & Carpinus orientalis (Corfu). | Facebook).
Morchella anatolica gehört mit der mir bisher nicht bekannten M. rufobrunnea (sie soll eher anthropogen veränderte Standorte besiedeln) zur Sektion Rufobrunneae der Gattung Morchella, die an der Basis des Morchel-Systems steht, also besonders ursprünglich ist. Typisch ist auch ein gewisses Röten der Fruchtkörper, besonders der Rippen, bei Berührung und Altern.


