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Pilz des Monats Mai 2013:

Ochsenröhrling (Boletus torosus - neuerdings (2015) Imperator torosus)

Es wird Mai – und damit beginnt auch die Zeit der Röhrlinge. Vermutlich nicht unbedingt und erst recht nicht für jeden mit dem Ochsenröhrling – insofern wäre sicherlich der Flockenstielige Hexenröhrling (Boletus erythropus) ein eigentlich passenderer Pilz des Monats Mai. Ich möchte aber schon ab und zu auch seltenere Pilze zeigen, und so fiel meine Wahl auf den Ochsenröhrling.

Ein Pilz, den ich nur zweimal in meinem Leben sah, und beide Funde stelle ich hier vor. Die jungen Fruchtkörper wurden Mitte Juli 2009 im Wienerwald gefunden, in einem Mischwald mit Buchen und Tannen. Wie mir mitgeteilt wurde, war dies auch für diese Region ein ganz bemerkenswerter Fund, der dort keineswegs sehr regelmäßig auftaucht. Kurz danach zeigte mir Hans Valda (Wiener Neustadt) einen Standort, wo der Ochsenröhrling zusammen mit dem Weinroten Purpurröhrling (Boletus rubrosanguineus) vorkommt – letzteren sahen wir auch, während der Ochsenröhrling fehlte. So weit so gut.

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Ochsenröhrling (Boletus torosus) - junge Exemplare aus dem Wienerwald (Österreich)

Ein Jahr später – es war das legendäre Pilzjahr 2010 – beging ich wie fast jedes Jahr mehrmals meinen Hauswald nördlich von Schwäbisch Gmünd, den ich von meiner Kindheit an kenne und den auch mein Vater und mit ihm etliche Mykologen regelmäßig begingen – man kann sagen, der Wald ist seit etwa 1970 regelmäßig und teils intensiv begangen worden. Man sollte meinen, dass dort die meisten Pilzarten, gerade solche mit großen Fruchtkörpern, bekannt sein müssten. Nun ja – weit gefehlt. Die erste große Überraschung am 19. August: an einer eigentlich immer begangenen Stelle wuchs ein Fruchtkörper von Boletus rubrosanguineus – dort noch nie gefunden! Und dann am 25. August, also eine Woche später, an einer wenig begangenen Stelle – Boletus torosus: 1 großer und ausgewachsener, schwerer Fruchtkörper, wie er im Buche steht. Typisch noch am Hutrand die grünlichen Farben, in der Hutmitte eher weinrot-bräunlich überfärbt. Dazu die knall-gelben Poren und das kräftige, an Hexenröhrlinge erinnernde Blauen.

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Ochsnröhrling (Boletus torosus - jetzt Imperator torosus) vom Erstfund 2010 bei Tanau - die coprinhaltige Art hat ein starkes Blauen am ganzen Fruchtkörper, der Pilz wirkt schwer in der Hand.

Seit 2010 sind die Pilze bisher gleich zweimal wieder aufgetaucht, nämlich 2012 und 2013 (Nachtrag am 15.1.2016).

Ach ja – bleibt noch zu erwähnen, dass der Ochsenröhrling Coprin enthält, also zusammen mit Alkohol zu einer Acetaldehyd-Vergiftung führen kann. Auch vom Netzstieligen Hexenröhrling (Boletus luridus) wurde das schon behauptet, diese Art enthält allerdings nachweislich kein Coprin und wird auch von den meisten Personen – mit oder ohne Alkohol – vertragen. Unverträglichkeits-Reaktionen gibt es natürlich bei allen Pilzen, auch bei (netz-, flocken- oder glattstieligen) Hexenröhrlingen.

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