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Pilz des Monats April 2016 - Blauer Rindenpilz (Terana coerulea)

Der Blaue Rindenpilz ist für mich ein alter Bekannter. Schon im Jahr 1983 schrieb mein Vater, G.J. Krieglsteiner, einen ausführlichen Aufsatz in der Zeitschrift für Mykologie über die Verbreitung der Art in Mitteleuropa. Ich weiß es noch - wir hatten die Art (die damals noch Pulcherricium coeruleum hieß - pulcher heißt übrigens auf Lateinisch schön :-) damals live in Oberösterreich gesehen, von eigenen Funden im Bereich Süddeutschland träumten wir damals nur (obwohl Literaturnachweise existieren, nördlich bis nach Niedersachsen). In den letzten Jahren hat sich das geändert - und ich stelle hier zunächst zwei relativ aktuelle Funde "aus der Gegend" vor.

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Blauer Rindenpilz (Terana coerulea) - Fund am "Rosenstein" bei Heubach (Nordrand der Schwäbischen Alb - am 11.4.2014, leg., det., fot. L. Krieglsteiner (anlässlich von Frühlingspilzkurs) - an Ast von Esche (Fraxinus excelsior)
Terana-coerulea-Stuttgart-Blauer-Rindenpilz-Cannstatt
Blauer Rindenpilz (Terana coerulea) - Kleingartenanlage in Stuttgart-Bad Cannstatt am 28.1.2016, Laubholzast (? Esche), leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Der Blaue Rindenpilz ist ein Laubholzbewohner - in Mitteleuropa ist Esche sein Lieblings-Substrat, er wächst aber auch z.B. an Buche und an allerhand anderen Laub-, sehr selten auch Nadelbäumen. Er ist ein Saprobiont - im Gegensatz zum gerne als Doppelgänger angeführten Bläulichen Filzrindenpilz (Byssocorticium atrovirens) - einem Mykorrhizapilz, der deshalb auch meist in der Bodenschicht, unter Holz, an Moosen und besonders gern auf nackter Erde angetroffen wird. Die Verwechslungsgefahr hält sich auch in Grenzen, wie ich finde ...

Liest man in der Literatur nach, dann findet man gerne die Angabe, der Blaue Rindenpilz sei in Europa weit verbreitet, aber nirgends häufig - eben gerade so gelesen im Pilzporträt 26 von Der Tintling. Allerdings gibt es durchaus Ecken in Europa, wo der Pilz äußerst häufig ist. Ich rede noch nicht von den Kanarischen Inseln, wo ich die Art schon in den 1980er-Jahren des letzten Jahrhunderts sehen konnte, an jedem zweiten Ast. Hier kann man darüber streiten, ob man das (wie politisch korrekt) zu Europa zählen will. Aber auch in Südeuropa ist der Blaue Rindenpilz regional ein ganz häufiger Pilz. Ich zeige hier noch zwei Aufnahmen von unserer letzten Fahrt. In der Algarve wurde ich wiederholt fündig - und im spanischen Nationalpark Monfrague konnte man kaum einmal 10 m weit gehen, ohne im dortigen Buschwald die tiefblauen Beläge zu finden.

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Blauer Rindenpilz (Terana coerulea) - Portugal, Algarve, Schutzgebiet "Fonte Benemola", an Laubholzast in mediterranem Gebüsch, leg., det., fot. L. Krieglsteiner am 18.2.2016
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Blauer Rindenpilz (Terana coerulea) - Spanien, Nationalpark Monfrague - in Massen an jedem zweiten Laubholzast - leg., det., fot. L. Krieglsteiner am 10.2.2016

Im Gegensatz zu Mitteleuropa, wo ich den Pilz in der Regel an Ästen in der Bodenschicht antraf, scheint es für Südeuropa charakteristisch zu sein, dass die Art an hängenden Ästen, im Luftraum anzutreffen ist - oftmals weithin sichtbar. Als ich bei einem Fund ein wenig Zeit benötigte, um den Pilz zu fotographieren (Portugal, Fonte Benemola), interessierten sich Wanderer für mein Tun. Auf den Pilz hingewiesen, bezeichneten sie sein Aussehen als "looks really artificial". Nun - das stimmt schon :-)

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