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Pilz des Monats Dezember 2014: Schwarzpurpurne Erdzunge (Thuemenidium atropurpureum)

 Erdzungen sind interessante Pilze – in verschiedener Hinsicht. Zum einen sehen sie aus wie Keulenpilze (wer kennt nicht z.B. die Herkuleskeule Clavariadelphus pistillaris oder die Wiesenkeulen der Gattung Clavulinopsis) – unter dem Mikroskop erweisen sie sich jedoch als Schlauch- und nicht als Ständerpilze. Man kann sie als gestielte Becherlinge ansehen, deren Becher konvex wurden und mit dem Stiel verwachsen sind.

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Schwarzpurpurne Erdzunge (Thuemenidium atropurpureum) auf der Schwäbischen Alb bei Söhnstetten (Baden-Württemberg, nw. Ulm) - 15.11.2014, leg., det. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner

Auch ökologisch sind Erdzungen interessant. Sie gehören zu den sogenannten „Saftlings-Gesellschaften“, treten also fast immer zusammen mit Saftlingen, Wiesenkorallen und –keulen, Samtritterlingen, Samtellerlingen, Wiesen-Rötlingen und anderen Pilzen auf, denen gemeinsam ist, dass ihre Ernährungsweise noch nicht vollständig geklärt ist. Neuere Ansätze gehen davon aus, dass es sich möglicherweise um Endophyten in grünen Pflanzen handelt. Auf alle Fälle: die Vertreter der Saftlings-Gesellschaften gehen in unserer „Kulturlandschaft“ zurück, vor allem wohl aufgrund der Überdüngung unserer Landschaft. Sie wachsen in nährstoffarmen („mageren“) Wiesen, aber auch in bestimmten Wäldern und Gebüschen z.B. mit Eschen oder Rosengewächsen (Weißdorn, Schlehe). Manche Arten sind basiphil, kommen vor allem auf Kalkböden vor, während andere mehr sauren Boden bevorzugen.

Innerhalb der Erdzungen hat sich in den letzten Jahren durch molekularbiologische Untersuchungen herausgestellt, dass die beiden Gruppen, die schon vorher mikroskopisch unterschieden werden konnten, nicht näher miteinander verwandt sind. Die Gruppe der „schwarzen Erdzungen“ (Geoglossum, Trichoglossum und Sarcoleotia im engen Sinn) wurden neuerdings in eine eigenen Ordnung gestellt, aus den eigentlichen inoperculaten Becherlingen (Ordnung Helotiales = Leotiales) heraus. Inoperculat nennt man Becherlinge, bei denen die Sporen durch einen Porus aus den Schläuchen herauskommen müssen.

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mit "Baral`scher Lösung" (Jod-Kaliumjodid) angefärbter Porus der Schläuche von Thuemenidium atropurpureum. Der Schlauchporus enthält Polysacharide, die (ähnlich Kartoffel-Stärke) mit Jodreagentien angefärbt werden können. "Das Blaue" ist ein Hohl-Zylinder, durch den alle Sporen hindurch müssen, wenn sie aus dem Schlauch "heraus wollen" :-) - Söhnstetten, Stöckelberg, s.o. (leg., det. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner)

Diese schwarzen Erdzungen haben stets lange und dünne, dunkel gefärbte Sporen mit meist 7 oder 15 Querwänden (Septen). Die gefärbten Erdzungen der Gattung Microglossum (bekannt sind z.B. grüne, bläuliche, rotbraune und auch gelbe Arten – sie sind bestimmt auch einmal einen „Pilz des Monats“ wert) haben dagegen kürzere und durchsichtig-hyaline Sporen. Ein Nebenprodukt der DNA-Untersuchungen war übrigens auch, dass sie mit dem häufigen Gallertkäppchen (Leotia lubrica) äußerst nahe verwandt sind. Und unser Pilz – die Schwarzpurpurne Erdzunge? Nun, sie hat auch hyaline, wenn auch recht längliche Sporen und ihre Verwandtschaft ist tatsächlich nicht bei den „anderen Schwarzen“, sondern bei den gefärbten Erdzungen zu sehen.

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Lebende Sporen sind stets durch eine abgerundete Form ihrer Inhalte (hier: Öltropfen) gekennzeichnet. Sterben die Sporen ab, zerfließen die Tropfen. Deshalb ist es besonders wichtig, immer lebendige Pilze zu untersuchen. Getrocknetes Herbar-Material lässt (u.a.) die Tropfen-Anordnung in den Sporen nicht mehr erkennen :-( Stöckelberg bei Söhnstetten (BAden-Württemberg) - leg., det. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner

Am 15. November 2014 war ich zusammen mit meiner Freundin Katharina am unter Pilz-Leuten recht bekannten „Stöckelberg“ bei Söhnstetten auf der Schwäbischen Alb. Diese Bergkuppe (nicht direkt erreicht durch Düngungs-Maßnahmen) ist bekannt als ein überregional bedeutsamer Wuchsort zahlreicher Saftlings-Arten (von denen auch der eine oder andere einmal ein Pilz des Monats sein könnte ..) und anderer seltener „Wiesenpilze“. Der Großteil des „Stöckelberg“-Plateaus hat eine saure Deckschicht, und so wächst in der dortigen Heide z.B. auch viel Besenheide (Calluna vulgaris). Im südöstlichen Bereich scheint diese Deckschicht aber auszudünnen und es mehren sich die Kalkzeiger unter Pflanzen und Pilzen (immerhin sind wir auf der Schwäbischen Alb).

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saure Heide ("Gentiano-Koelerietum agrostietosum" der Pflanzensoziologen) am "Stöckelberg" bei Söhnstetten (BAden-Württemberg) auf der Schwäbischen Alb - fot. L. Krieglsteiner

Erdzungen hatte ich am Stöckelberg zwar immer vermutet, aber bis dato noch nie finden können. Das war an diesem Samstag anders. Im „kalkigen Bereich“ wuchs an vielen Stellen die Schatten-Erdzunge (Geoglossum umbratile), während im sauren Bereich eine andere Erdzunge ganz üppig, an etlichen Klein-Stellen „herumstand“. Sie fiel schon durch ihre dicklichen, etwas unregelmäßig ausgebildeten Fruchtkörper auf, und schon im Gelände hatte ich den Verdacht, die seltene Schwarzpurpurne Erdzunge (Thuemenidium atropurpureum) gefunden zu haben, was dann unter dem Mikroskop bestätigt werden konnte. Diese Art ist meines Wissens in Baden-Württemberg vorher noch nicht gefunden worden!

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 "knorrig-gedrungene" Wuchsform bei der Schwarzpurpurnen Erdzunge (Thuemenidium atropurpureum) - bei Söhnstetten auf der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) am 15.11.2014 - leg., det. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner

Pilz des Monats November 2014 - Chromosera viola (J. Geesink & Bas) Vizzini & Ercole - (= Hygrocybe viola J. Geesink & Bas) - Veilchen-Ellerling

Diese wenig bekannte Art bekam ich in diesem Jahr erstmals zu Gesicht – und zwar nur in einem einzigen Fruchtkörper. Es war der eher seltene Fall, dass bei einem Neufund mit dem ersten Blick klar war, was ich da gefunden hatte – ein Pilz, wo sozusagen „der Name schon darauf stand“. Ich war bei meinem vorletzten Auftrag zur Erfassung der Pilze im Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen) unterwegs, und leicht gefrustet, da ich mehrere Stunden vorher recht unproduktiv dabei mitwirken durfte, einen Fernsehbeitrag für „Quarks und Co.“ Mitzudrehen – und dabei immer wieder die gleiche Szenerie zu spielen, wo ich einen Pilz finde und darüber erfreut und überrascht bin. Es war zwar nur Cortinarius bolaris, der Rotschuppige Raukopf, mancherorts ein Massenpilz, aber es war tatsächlich der bis dahin erste Nachweis der Art im NP Eifel, und er gelang ganz entgegen meiner Erwartung, dass bei so einem Event nichts Bemerkenswertes gefunden werden wird, tatsächlich während der Drehaufnahmen. Ich hatte also immer wieder freudige Überraschung über den „besonderen Fund“ vorzuspielen, und war froh, als ich endlich, früher als die anderen Protagonisten, wieder meine Kreise ziehen durfte. Kurzentschlossen fuhr ich in ein recht hübsches Bachtälchen im „Kermeter“, eigentlich nicht in der Erwartung, an diesem Tage noch etwas Besonderes zu finden. Und es ging auch zunächst keineswegs gigantisch los, aber immerhin waren an den Böschungen hübsche Strubbelköpfe (Strobilomyces strobilaceus) zu sehen. Ich wollte eine hübsche Gruppe fotographieren, und als ich mich dort bücke, sehe ich schon in der grünen Böschung (der Boden war überzogen von einem Dauerprotonema des Laubmooses Pogonatum spec.) etwas Violettes herausblitzen.

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Veilchen-Ellerling (Chromosera viola) - Böschung in Luzulo-Fagetum (saurer Buchenwald) im Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen), 3.9.2014, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Ich hatte schon gleich diesen irren Verdacht, aber fotographierte erst einmal den Strubbelkopf fertig und schaute erst dann – wirklich eine Meisterleistung in Üben von Geduld J. Und dann stand er tatsächlich da: der Einzelfruchtkörper von Hygrocybe viola, unter welchem Namen ich die Art bis dahin nur kannte. Also ein Saftling? Nun, in dieser Gattung war die Art schon länger als eher unpassend angesehen worden, und so hat etwa Boertmann (der dänische Saftlings-Monograph) in der zweiten Auflage den Pilz heraus genommen. Wohl dem, der noch die erste Auflage hat …. – denn sonst ist der sehr selten gefundene Pilz im Großteil der gängigen Bestimmungsbücher einfach gar nicht enthalten.

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Veilchen-Ellerling (Chromosera viola) im Nationalpark Bayerischer Wald (Nordrhein-Westfalen), 3.9.2014, leg, det., fot. L. Krieglsteiner

Nun, wie auch immer – natürlich prüfte ich den Fund auch noch mikroskopisch nach, und es gab volle Übereinstimmung, wie zu erwarten war. Im Internet fand ich auch sehr schöne Bilder der als äußerst selten geltenden Art. In Deutschland ist sie auch in Bayern (Funde von Till Lohmeyer) sowie in Nordrhein-Westfalen gar nicht weit weg von der Eifel im Bergischen Land (durch Björn Wergen) nachgewiesen. Über ihre Ökologie dürfte noch wenig bekannt sein. Inzwischen ist sie aus den Saftlingen heraus genommen worden und wurde in die kleine Gattung Chromosera überführt, zu der auch der ebenfalls sehr seltene Nadelholzbewohner Chromosera cyanophylla (bisher unter Mycena oder später unter Omphalina abgehandelt) gestellt wird – auch einmal ein Kandidat für einen Pilz des Monats, den ich 2014 ebenfalls erstmals selbst fand, nämlich im Nationalpark Plitvicer Seen. Ich bin von der Tatsache, dass beide eine Gattung bilden, noch nicht völlig überzeugt. O.k., beide haben (O. cyanophylla vor allem in den Lamellen) Violett-Töne im Fruchtkörper, aber sonst sind die Gemeinsamkeiten m.E. nicht soo gigantisch, hat doch C. cyanophylla beispielsweise schleimige Fruchtkörper incl. Lamellenschneiden (ähnlich wie bestimmte Saftlinge, aber auch Helmlinge) und wächst auf Holz. Die Originalliteratur, wo die Kombination von Hygrocybe viola in Chromosera vorgenommen wurde, konnte ich leider bisher nicht einsehen.


Pilz des Monats Oktober 2014 - Climacodon pulcherrimus (Berk. & M.A. Curtis) Nikol. – „Fuchsiger Stachelbart“ (= Creolophus pulcherrimus (Berk. & M.A. Curtis) Banker)

Diese Art begegnete mir erstmals im Jahr 2012, als ich einen mir ganz unklaren „Stachelbart“ an der Stammwunde einer älteren Korkeiche in der Nähe von Monchique in der Algarve (Portugal) fotographierte und aufsammelte. Eine Bestimmung gelang mir zunächst nicht, erst später wurde die Aufsammlung vom Nichtblätterpilze-Spezialisten H. Ostrow (Grub am Forst) identifiziert.

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 Climacodon pulcherrimus an Korkeiche (Quercus suber) bei Monchique in der Algarve (Portugal) - 11.12.2012 - Hutoberseite, leg, det., fot. L. Krieglsteiner
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Climacodon pulcherrimus ("Fuchsiger Stachelbart") an Korkeiche (Quercus suber) in der Serra Monchique (Portugal, Algarve) - Hutunterseite mit Stacheln, 11.12.2012, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Im Jülich (Kleine Kryptogamenflora: Die Nichtblätterpilze, Gallertpilze und Bauchpilze) ist die Art nicht enthalten, nur die ebenfalls sehr seltene C. septentrionalis. Nur wenige Monate später bekam ich jedoch schöne Bilder von Matthias Theiß aus einem Urwald in der Ukraine zu Gesicht bekam, er fand die Art an liegenden, dicken Buchenstämmen. Nicht wenig überrascht war ich dann diesen Sommer, als ich Anfang Juli in Kroatien fündig wurde  Auf einer Wanderung wuchs der schöne Pilz an nicht weniger als 3 Stellen, teils sehr üppig, und jeweils an liegenden Buchenstämmen.

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 erster von 3 Fundorten von Climacodon pulcherrimus im Nationalpark Plitvicer Seen in Kroatien (Medvedak), 5.7.2014, leg. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner
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Climacodon pulcherrimus, "Fuchsiger Stachelbart", im Nationalpark Plitvicer Seen in Kroatien, 5.7.2014, leg. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner - Übersichtsbild

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Climacodon pulcherrimus, "Fuchsiger Stachelbart", in Kroatien (Nationalpark Plitvicer Seen), 5.7.2014, leg. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner: Detail

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Climacodon pulcherrimus in Kroatien (Nationalpark Plitvicer Seen, Medvedak), 5.7.2014, leg. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner- junge Fruchtkörper sind recht blass gefärbt

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Climacodon pulcherrimus in Kroatien (Nationalpark Plitvicer Seen, Medvedak), 5.7.2014, leg. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner: die Fruchtkörper bräunen bei Reife nach

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an "Weißen Posterpilz" erinnernd: junge Fruchtkörper von Climacodon pulcherrimus in Kroatien (Nationalpark Plitvicer Seen), 5.7.2014, leg. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner
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Stacheln von Climacodon pulcherrimus aus Kroatien (Nationalpark Plitvicer Seen, Medvedak, an Buchenstämmen) - Detail-Aufnahme mit Digital-Mikroskop USB (5.7.2014, leg. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, det., fot. L. Krieglsteiner

Eine schnelle Recherche im Internet ergab, dass die Art auch in SW-Frankreich (http://www.mycocharentes.fr) gefunden wurde – und in Spanien (vgl. Moreno, Blanco, Olariaga & Checa 2007). Diese Autoren weisen C. pulcherrimus erstmals für Europa nach. Möglicherweise breitet sie sich im Zuge des Klimawandels nordwärts aus – und es ist möglicherweise nur eine Frage der Zeit, bis sie auch in einer warmen Region Deutschlands nachgewiesen wird.

Beschrieben wurde C. pulcherrimus von Berkeley & Curtis aus den USA (South Carolina, Santee River) als Hydnum pulcherrimum (wörtlich aus dem Lateinischen: der "schönste Stoppelpilz"). Banker (1913) nennt die Art in den USA „common“, und auch H. Ostrow (via e-mail) berichtet von einem Fund in Colorado. Kuo (http://www.mushroomexpert.com) berichtet über Funde im östlichen Nordamerika, Texas und Neu-Mexiko, wobei tropische und subtropische Areale bevorzugt seien. Auch Michigan (als Hydnum kauffmanii) wird als Fundregion genannt, ebenso Florida (bei http://mushroomobserver.org).

C. pulcherrimus ist in der Gattung Climacodon wohl schlecht aufgehoben, das schreiben schon Moreno & al. Einzigartig sind die rote KOH-Reaktion sowie mikroskopisch auffällige, multiple Schnallen.


Pilz des Monats September 2014 - Bergporling (Bondarzewia mesenterica)

Dieser große, büschelhütige Porling erinnert an der Wuchsform und vom ersten Sicht-Eindruck vor allem an den Riesenporling (Meripilus giganteus), mit dem er aber nicht näher verwandt ist. Das kann man schon erkennen, wenn man die deutlich anderen und größeren Poren ansieht, und daran, dass der Bergporling im Gegensatz zum Riesenporling nicht schwärzt.

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Poren des Bergporlings - Bayern, Nationalpark Bayerischer Wald, NSG "Mittelsteighütte",

am 10. Oktober 2007, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Mikroskopisch fallen die amyloid ornamentierten Sporen auf – eine Gemeinsamkeit mit Täublingen und Milchlingen, mit denen er tatsächlich (wie der Wurzelschwamm Heterobasidion annosum s.l.) nahe verwandt ist (heute Ordnung Russulales).

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Sporen des Bergporlings - Schwäbischer Wald bei Kaisersbach (Baden-Württemberg),

Bannwald Steinhäusle, am 2.10. 2007, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Der Bergporling ist streng an die Weißtanne (Abies alba) gefunden, an deren Stämme er an der Basis oder Wurzel ansitzt und von der er parasitisch lebt. Junge Bergporlinge gelten als essbar, solange der Pilz weich und noch nicht bitter ist. Er ist allerdings wegen seiner Seltenheit zu schonen, steht er doch auch auf der Roten Liste der Großpilze Deutschlands und Baden-Württembergs (jeweils 2: stark gefährdet). Die aktuelle Aufnahme wurde beim Seminar PSV 1 in der letzten Woche im Schwäbisch-Fränkischen Wald aufgenommen. Der Durchmesser betrug hier ca. 35 cm, also ein durchaus stattliches Exemplar.

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Bergporling (Bondarzewia mesenterica) im Schwäbischen Wald (Baden-Württemberg ö. Stuttgart) bei Gmeinweiler - 19. August 2014 beim Pilzkurs PSV 1, det., fot. L. Krieglsteiner

Weit größere Bergporlinge kann man in urwaldartigem Nadelwald finden, z.B. im Nationalpark Bayerischer Wald. Zum Größenvergleich dienen hier die Pilzforscher Peter Karasch und Regina Siemianowski, die freundlicherweise keine Einwände gegen eine Publikation ihrer Köpfe im Rahmen der Bergporlings-Thematik einzuwenden haben.

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Bergporling (Bondarzewia mesenterica) - Bayern, Nationalpark Bayerischer Wald, großer Fruchtkörper mit Größenvergleich zu Peter Karasch und Regina Sieminanowsksi (Totholz-Projekt Natinalpark Bayerischer Wald) NSG "Hans-Watzlik-Hain", am 6, Oktober 2011, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Pilz des Monats August 2014 – Königs-Fliegenpilz (Amanita regalis)

Der gewöhnliche Fliegenpilz mit seinen weißen Punkten auf dem leuchtend roten Hut ist wohl fast jedem Menschen bekannt – wenn überhaupt jemanden nur einen Pilz kennt, dann ist es in der Regel Amanita muscaria. Der Name Fliegenpilz ist dabei durchaus doppeldeutig, so kann man mit dem in Milch eingelegten Pilz Fliegen betäuben (und dann leichter totschlagen), auf der anderen Seite sorgen die Inhaltsstoffe Ibotensäure und Muscimol dafür, dass Fliegenpilz ein Bestandteil von Hexensalben und schamanischen Rauschmitteln ist, also „zum Fliegen“, etwa (mental) auf dem Hexenbesen in der Walpurgisnacht, eingesetzt wird. Hier gleich eine Warnung: der Fliegenpilz enthält auch (wenn auch nur wenig) Zell-Gift (Muscarin) und ist durchaus gefährlich – Todesfälle sind sehr selten, kommen aber vor. Aber hier geht es ja nur am Rande um den Fliegenpilz selber, sondern um dessen Abart, den Königs-Fliegenpilz (Amanita regalis), der nur „echten Pilzkennern“ bekannt sein dürfte. Er unterscheidet sich namentlich durch seine Grundfärbung, die nicht leuchtend rot, sondern braun bis braun-gelb ausfällt.

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Königs-Fliegenpilze (Amanita regalis) aus dem Harz (Niedersachsen) - "Marienteichbaude" am 3. August 2011 - Pilzkurs, det., fot. L. Krieglsteiner

Die Inhaltsstoffe sind die gleichen wie beim Echten Fliegenpilz. Auch die Ökologie ist nicht so verschieden – wie der Echte Fliegenpilz liebt der Königs-Fliegenpilz saure Böden und kommt vor allem unter Fichten (und Birken) vor. Königs-Fliegenpilze haben in Deutschland eine eigentümliche Verbreitung, sie fehlen nämlich in den meisten Regionen und sind nur im sogenannten „herzynischen Gebirgszug“ mit ihren Urgesteins-Böden (Granit, Gneis) zu finden – dort kommen sie gemeinsam mit normalen Fliegenpilzen vor.

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Königs-Fliegenpilz (Amanita regalis) im Nationalpark Bayerischen Wald - Großer Falkenstein am 2. August 2009, leg.,det., fot. L. Krieglsteiner

Der herzynische Gebirgszug beginnt im Harz und setzt sich (die vulkanische Rhön auslassend) über Thüringer Wald, Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald bis zum Bayerischen Wald fort.

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Königs-Fliegenpilze (Amanita regalis) im Nationalpark Bayerischer Wald - Großer Falkenstein am 19. Juli 2014, leg., det. Katharina Löw & L. Krieglsteiner, fot. L. Krieglsteiner

Vom Bayerischen Wald und vom Harz stammen auch die Aufnahmen hier – vom Bayerischen Wald (Juli 2014 am Fuß des „Großen Falkenstein“) die Video-Aufnahme (http://www.youtube.com/watch?v=VOI_cNGBFHU&feature=youtube_gdata). Die Video-Sequenz auf you-tube können Sie auch über die Rubrik „Videos“ (fast unten beim Scrollen auf dieser Site) aufrufen, zusammen mit im Moment noch wenigen anderen Videos von Dr. Lothar Krieglsteiner. Wenn Sie Spaß an diesen Filmchen haben, schauen Sie ab und zu dort hinein – es ist geplant, regelmäßig neue Filme hier einzupflegen J.


Pilz des Monats Juli 2014: Erlen-Täubling (Russula alnetorum)

Der Erlentäubling zählt zu den kleinsten Arten der Gattung. Er ist ökologisch durch die Bindung an verschiedene Arten der Gattung Erle (Alnus) charakterisiert, wo er an feuchten Standorten wie Bachufern und Erlensümpfen zu finden ist. Früher hat man versucht, eine Hochgebirgsform unter Grünerlen (Russula alnetorum) von einer Flachlandsform unter Schwarz- und Grauerlen (Russula pumila) zu unterscheiden, was inzwischen aufgegeben wurde.

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Erlen-Täubling (Russula alnetorum) - Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen) am 12. August 2012, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Durch die Bindung an Erle ist er an nährstoffreichere Standorte angepasst, da Erlen in ihrem Wurzelbereich symbiontische „Strahlenpilze“ (Actinomyceten – diese sind eigentlich fädig wachsende Bakterien) haben, welche ihrerseits in der Lage sind, Luft-Stickstoff zu binden. Allerdings findet man den Erlen-Täubling wie viele andere Mykorrhizapilze der Erle eher an nicht zu stark durch zusätzliche Nährstoffeinträge geprägten Standorten. Der Erlen-Täubling schmeckt mäßig bis deutlich scharf (und ist damit kein Speisepilz), einen besonderen Geruch hat er nicht. Makroskopisch ist neben dem Standort und der Kleinheit der Fruchtkörper vor allem die starke Tendenz des Stieles, gelblich und dann grau zu verfärben, charakteristisch. So ist er in der Regel auch gut makroskopisch erkennbar. Wie man zumindest eine größere Anzahl von Täublingsarten gut makroskopisch bestimmen kann, ist hauptsächliches Thema beim Täublingskurs in Ruppertshofen im August dieses Jahres.


Pilz des Monats Juni 2014: Hirschbrauner Risspilz (Inocybe cervicolor)

Der Hirschbraune Risspilz (Inocybe cervicolor) ist in verschiedener Hinsicht ein typischer, in anderer Hinsicht kein typischer Vertreter der Gattung. Fangen wir mit den rein optischen Merkmalen an, dann haben wir einen Braunsporer mit radial faserig bis schuppiger Hutbekleidung, mit ± kegeligen Hüten und mit ± braunen Farbtönen in Hut und Stiel. Eine Cortina (Schleier – spinnwebenartiges Teil-Velum) ist wie bei vielen Arten (etwa der Hälfte der Gattung) vorhanden, allerdings ist sie sehr flüchtig und schon bei etwas älteren Fruchtkörpern meist nicht mehr zu sehen.

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Hirschbrauner Risspilz (Inocybe cervicolor) - "Tanauer Wald" n. Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg, Schwäbischer Wald) 2.8.2007, leg., det., Foto L. Krieglsteiner

Gut passend zur Anwesenheit einer Cortina ist die Tatsache, dass Caulozystiden (Stiel-Zystiden) nur an der absoluten Stielspitze vorhanden sind, der Stiel ist also nur oben „bereift“ und nicht auf ganzer Länge, stielabwärts ist die Stielbedeckung längs, eingewachsen oder auch etwas abstehend faserig. Machen wir mit einem weiteren typischen Risspilz-Merkmal weiter, dem Geruch – dieser ist bei einem großen Teil der Gattung spermatisch, bei einigen anderen seifig-süßlich („birnenartig“), und noch einige weitere „exotischere“ Gerüche kommen vor. Beim Hirschbraunen Risspilz ist der Geruch wie bei wenigen anderen Arten muffig, man liest auch Bezeichnungen wie „nach altem Weinfass“. Kommen wir zum Sporenpulver und der Lamellenfarbe. Wie bei allen Risspilzen ist das Sporenpulver braun mit wenig Rot-Tönen, man spricht von Tabakbraun oder auch milchkaffeebraun – wobei letzteres eher die reife Lamellenfarbe bezeichnet, der Sporenabwurf ist durchaus ziemlich dunkel.

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Hirschbrauner Risspilz (Inocybe cervicolor) - Sporenabwurf - Foto L. Krieglsteiner

Kommen wir zu den Mikromerkmalen, also zunächst den Sporen. Wie bei ca. 2/3 der Gattung sind sie glattwandig und nicht höckerig skulpturiert.

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Hirschbrauner Risspilz (Inocybe cervicolor) - glattwandige und teils etwas bohnenförmige Sporen - Foto L. Krieglsteiner

Die Zystiden (an der Lamellenschneide – auf der Fläche fehlen sie hier!) sind nicht wie für den Großteil der Gattung typisch dickwandig mit Kristallschopf („metuloid“), sondern dünnwandig und ohne Kristalle, wie es nur für die relativ artenarmen Untergattungen Mallocybe und Inosperma der Fall ist.

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Zystiden der Lamellenschneide (Cheilozystiden) des Hirschbraunen Risspilzes (Inocybe cervicolor) - Foto L. Krieglsteiner

Die Sektion Cervicolores, zu der unsere Art gehört, ist dann durch (unterschiedlich starkes) Röten des Fruchtkörpers (bei I. cervicolor meist nur schwächer) und durch die Tendenz zu schuppig werdenden Hüten gekennzeichnet.

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Hirschbrauner Risspilz (Inocybe cervicolor) - Schwäbischer Wald, Hafental bei Hintersteinenberg (Baden-Württemberg, nw. Schwäbisch Gmünd) - 27. Mai 2012, leg., det., Foto L. Krieglsteiner

Die Hutfarbe von I. cervicolor schwankt von mehr graubraun zu gelbbraun und rotbraun, meist ist die Färbung nicht allzu intensiv. Ob Hirsche immer solche Farben haben, sei dahingestellt J. Viele Details? Nun ja, es sind noch längst nicht alle, und es gibt eben zahlreiche Risspilz-Arten, die nicht ganz leicht und ohne Mikroskop meist nicht sicher zu unterscheiden sind. Wer sich dafür interessiert, sollte am 4.-5. August im Schweizerischen Siebnen (unweit des Züricher Sees) dabei sein – dort gibt es einen Kurs über die Gattung Risspilze, wo ihre Bestimmung ausführlich geübt wird.

Ich vergaß noch zu erwähnen, dass alle Risspilze Mykorrhizapilze sind. Der Hirschbraune Risspilz ist dabei unter Laub-, häufiger noch unter Nadelbäumen zu finden, ist also wenig wählerisch. Der Hirschbraune Risspilz bevorzugt kalkhaltige Böden. Sehr oft – und das macht ihn zu einem passsenden „Pilz des Monats Juni“ ist die Art schon früh im Jahr zu finden – ausgiebige Funde sind oft schon zu diesem frühen Saison-Zeitpunkt möglich.

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Hirschbrauner Risspilz (Inocybe cervicolor) - Tanau n. Schwäbisch Gmünd (Schwäbischer Wald, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), 13.6.2013, leg., det., Foto L. Krieglsteiner

Pilz des Monats Mai 2014: Rundsporige Lorchel (Pseudorhizina sphaerospora)

Diesen schönen Pilz sah ich Ende April zum ersten Mal am Standort – dies verdanke ich meinem Freund Rudi Markones (Würzburg-Kist, www.pilzseite.de). Ich hatte tagsüber Kartierungsarbeit in festgelegten Totholz-Plots im Nationalpark zu leisten und war schon müde, aber Rudi überredete mich noch zu einer kleinen Kurzexkursion in ein sehr schönes Waldgebiet mit naturnahem Bach im Nationalparkgebiet. Der genaue Fundort wird hier aus Naturschutzgründen nicht bekannt gegeben.

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Rundsporlorchel (Pseudorhizina sphaerospora - oder gern auch Gyromitra sphaerospora) - in schöner Reihe im Nationalpark Bayerischer Wald (NSG "Mittelsteighütte) bei Zwieslerwaldhaus, 21.4.2014, leg., det. R. Markones, Foto L. Krieglsteiner

Nun ja, dort wuchsen diese schönen Lorcheln, die habituell schon sehr viel mit sehr dunklen Frühjahrslorcheln gemeinsam haben, für mich typische Gyromitra. Allein aufgrund der runden Sporen wurde aber für die Rundsporige Lorchel die Gattung Pseudorhizina geschaffen, in der sie bis heute alleine steht. Die Art ist bis heute aus Deutschland nur von wenigen nahe beieinander liegenden Fundorten im Nationalpark Bayerischer Wald bekannt. Sie wächst dort an dicken, final-faulen Stämmen von Nadelbäumen oder scheinbar „am Boden“ in der Nähe von Holz.

Ein wichtiges makroskopisches Merkmal der Art ist das Verfärben des Stieles im Alter zu rosa-violettlichen Farbtönen.

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Rundspor-Lorchel (Pseudorhizina sphaerospora) mit zum Teil rosa-lila verfärbten Stielen - Nationalpark Bayerischer Wald (NSG "Mittelsteighütte) bei Zwieslerwaldhaus, 21.4.2014, leg., det. R. Markones, Foto L. Krieglsteiner

Frühjahrslorcheln und Riesenlorcheln, nahe Verwandte der Rundspor-Lorchel, sind ja (roh) tödlich giftig durch hohen Gehalt an Gyromitrin bzw. das im Stoffwechseln und beim Kochen (Vorsicht tödliche Kochdämpfe!) entstehende MMH (Monomethyl-Hydrazin). Getrocknete und danach gut erhitzte Pilze sind allerdings essbar, auch wenn man heutzutage allgemein vom Genuss dieser Pilze abrät. Ob auch die Rundspor-Lorchel Gyromitrin enthält und falls ja, in welcher Dosierung, ist unbekannt.

Wie andere Lorcheln und Scheibenbecherlinge der Verwandtschaftsgruppe Gyromitra-Discina reift auch die Rundspor-Lorchel erst sehr spät. Ein mitgenommenes Probe-Exemplar erwies sich unter dem Mikroskop als vollkommen unreif, von Sporenbildung war noch gar nichts zu erkennen. Die Frühjahrslorchel-Verwandtschaft ist durch ihre erst sehr spät, „kurz vor dem Vergammeln“ stattfindende Sporenreifung bekannt, was oft zu Bestimmungsproblemen führen kann. Viele Arten dieser Gruppe haben nämlich bei Reife Sporen-Auflagerungen, die wie gesagt erst sehr spät gebildet werden.

Viel Spaß beim Betrachten der Bilder – Sie sehen hier eine echte Rarität. Das letzte Bild zeigt die Art sehr malerisch an einer etwas entfernten Stelle - dort wächst sie scheinbar auf dem Erdboden an einer Bachkante; die Verbindung zu (Wurzel)-Holz ist aber auch hier deutlich.

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Rundspor-Lorchel (Pseudorhizina sphaerospora) - malerisch an der Bachkante fotographiert - Nationalpark Bayerischer Wald (NSG "Mittelsteighütte) bei Zwieslerwaldhaus, 21.4.2014, leg., det. R. Markones, Foto L. Krieglsteiner

Pilz des Monats April 2014: Traniger Glöckling (Entoloma hirtipes)

Der Frühling gilt allgemein als eher arm an Lamellenpilzen – ein Statement, das sicherlich im Vergleich zum Herbst zutrifft. Dennoch gibt es auch jetzt so allerhand Spannendes zu finden. Dazu gehören einige Arten der Gattung Rötlinge (Entoloma). Arten mit kegeligen Hüten und eher schmächtigen Fruchtkörpern wurden früher als Untegattung Nolanea („Glöcklinge“) abgetrennt, eine scharfe Trennung von anderen Rötlingen ist aber kaum möglich.

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Traniger Glöckling (Entoloma hirtipes) - angetrocknete Aufsammlung aus Kroatien (Nationalpark Plitvicer Seen), leg., det., Foto L. Krieglsteiner

Eine der typischen Arten der Frühsaison (etwa Ende März bis Anfang Mai) ist der Tranige Glöckling, der sich durch einen fischig-ranzig-mehligen Geruch auszeichnet. Die Fruchtkörper sind recht hochhackig (mit im Verhältnis zum Hut langem Stiel), die Stiele faserig. Die Hüte des stark hygrophanen Pilzes sind in feuchtem Zustand dunkel graubraun oder auch mit rotbraunen Tönen versehen, trocken werden sie unscheinbar grau und die feucht starke durchscheinende Riefung des Hutrandes verschwindet. Der Tranige Glöckling bevorzugt basenreiche Böden über Kalk und Mergel, er tritt bevorzugt in Wäldern mit Buchen-Beimischung auf. In Kalk-Gebirgen ist die Art verbreitet und teilweise häufig, sonst selten. Entoloma hirtipes wird neuerdings überwiegend als giftig eingestuft.

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Traniger Glöckling (Entoloma hirtipes) - Schwäbisch-Fränkischer Wald bei Gschwend (n. Schwäbisch Gmünd, Seebach am Bergsee) - durchfeuchtete Aufsammlung - leg., det., Foto L. Krieglsteiner

Dazu kommt die Verwechslungsgefahr mit dem ähnlichen Frühlings-Giftrötling (Entoloma vernum). Dieser ist aber in der Regel kürzer gestielt, hat keinen Tran-Geruch und unterscheidet sich auch mikroskopisch (u.a. durch das Fehlen von Zystiden an der Lamellenschneide). Die Gattung Rötlinge allgemein ist durch das rosa(braune) Sporenpulver in Kombination mit angewachsenen Lamellen und mikroskopisch durch die eckigen Sporen im Zweifel gut erkennbar.


Pilz des Monats März 2014: Winter-Rußnabeling (Gamundia striatula)

Diese Art ist ein typischer Streuzersetzer in der kalten Jahreszeit – ich finde ihn immer wieder zwischen Ende Oktober und Mitte April, und zwar in der Streu von Nadelbäumen (Fichte und besonders gerne Tanne). Auf den ersten Blick könnte man das für einen banalen, 0-8-15-Trichterling halten, und es ist schwer zu vermitteln, warum man gerade diese „Trichterlinge“ mikroskopieren sollte. Das Mikroskopieren lohnt sich allerdings, denn im Gegensatz zu Arten der Gattung Clitocybe hat der Winter-Rußnabeling ornamentierte Sporen und kräftig entwickelte Zystiden – die mikroskopische Bestimmung zumindest bis zur Gattung Gamundia ist somit viel einfacher als eine makroskopische Zuordnung.

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Winter-Rußnabeliung (Gamundia striatula) - Haselbachtal bei Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg, ö. Stuttgart) am 10.4.2008, leg., det., Foto L. Krieglsteiner

Gamundia striatula (früher Fayodia pseudoclusilis) ist allerdings wohl eine Sammelart, über deren Gliederung und Ökologie in der Literatur und im Netz sehr Verschiedenes zu finden ist – auf eine ausführliche Darstellung verzichte ich hier. Auf alle Fälle gibt es mikroskopisch sehr ähnliche Formen mit mehr braunen und nicht so grauen Hüten, die (eher im „normalen“ Spätherbst) nicht im Nadelwald, sondern im nährstoffarmen Grasland wachsen, offenbar besonders oft zusammen mit Flechten der Gattung Peltigera (Schildflechten – hier eine Aufnahme von Wolfgang Schößler aus Hessen).

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Rußnabeling (Gamundia striatula s.l.) - Foto W. Schößler aus Hessen - vielleicht F. arctica (leucophylla)

Auf alle Fälle ein Pilz, der jetzt gezielt gesucht und gefunden werden kann. Vielleicht regt meine Darstellung ja zum Nachsuchen und Finden oder gar zum wissenschaftlichen Bearbeiten der wenig bekannten Pilze an.


Pilz des Monats Februar 2014: Tausendblatt (Baeospora myriadophylla)

Das Tausendblatt ist ein Pilz, der allgemein als selten gilt und der vielen teils guten Pilzkennern nicht durch eigene Funde bekannt ist. Dies hat zwei Gründe: Zum Einen ist das Tausendblatt ganz überwiegend auf Holz der Weißtanne (Abies alba) beschränkt- nur ganz ausnahmsweise kommen auch Funde an Fichte oder an Laubholz vor – und Weißtannen gibt es nicht überall. Zum Anderen ist das Tausendblatt eine Art der Wintersaison und wächst dann, wenn der „normale Pilzfreund“ zu Hause in seinem Kämmerchen sitzt und Literatur- und MIkroskopiestudien betreibt. Die Aufnahme hier ist auch erst wenige Tage alt (genau genommen aufgenommen am letzten Sonntag, also am 26.1.2014). Fundort ist eine Schlucht im Schwäbischen Wald – einer Region, wo das Tausendblatt keineswegs selten ist und regelmäßig und gezielt gesucht und gefunden werden kann.

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Tausendblatt (Baeospora myriaophylla): an Tannenstamm unweit Gschwend im Schwäbischen Wald (Baden-Württemberg, ö. Stuttgart) (Januar 2014), leg., det., Foto L. Krieglsteiner

Das Tausendblatt ist ein unverwechselbarer Pilz, zumindest so lange man einigermaßen junge Fruchtkörper zur Verfügung hat, die das typische Violett in den Lamellen zeigen. Ältere oder bei besonders nasskaltem Wetter gewachsene Pilze verlieren diesen Violett-Ton und wirken dann banal. Trotzdem hilft die Wuchsform mit den rasch verflachten Hüten und den sehr eng stehenden Lamellen (deutscher Name Tausendblatt). Das Tausendblatt ist eine von nur zwei europäischen Arten der Gattung Baeospora. Die andere Art, das Mäuseschwänzchen (Baeospora myosurus) ist als Doppelgänger der Zapfenrüblinge auf vorjährigen Koniferenzapfen ein häufiger, weit verbreiteter Pilz.


Pilz des Monats Januar 2014: Ringloser Hallimasch (Armillaria tabescens)

Der Ringlose Hallimasch (Armillaria tabescens) kommt auch in Deutschland vor, wenn auch sehr selten und nur in den wärmsten Regionen. Es handelt sich um eine überwiegend mediterran verbreitete Art, die ich bis vor wenigen Wochen noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Und ich musste immerhin das 5te Mal an die Algarve gefahren sein, bevor ich die Art zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Sie wuchs in der Serra Monchique im Gebiet des Picota, an einem alten Korkeichen-Stumpf. Ich verdanke den Standort und auch den Fund meinem Begleiter Dieter Honstraß, und ihm verdanke ich noch eine ganz andere Erkenntnis über diese Pilzart. Hallimasche mit Ring (Armillaria mellea s.l.) sind ja als Speisepilze unterschiedlich geschätzt. Neben einem würzigen Eigengeschmack, der durchaus überzeugen kann, sind aber auch häufig Magen-Darm-Beschwerden und andere „individuelle Unverträglichkeits-Reaktionen“ weit verbreitet. Jedenfalls hatte Dieter die für ihn seltsame (er lehnt es in der Regel ab, sich die Mühe zu machen, etwa Reizker, Morcheln, Pfifferlinge, Steinpilze, Trüffeln etc. wegen des kulinarischen Genusses zu sammeln, zu putzen und zuzubereiten) Idee, die Pilze zum Essen mitzunehmen. Und in der Tat: der Ringlose Hallimasch hat einen dezenten, milden, aber aromatischen, ganz individuellen Eigengeschmack, der mich und meine Partnerin durchaus überzeugen konnte. Prädikat: sehr guter Speisepilz! (bom cogumelo).

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Ringloser Hallimasch (Armillaria tabescens) an der Algarve (Portugal) - leckerer Speisepilz

 Der Ringlose Hallimasch ähnelt „normalen“ Hallimaschen durchaus. Neben dem Fehlen eines Ringes sind auch der schmächtigere Habitus und die eher feinere Hutbeschuppung charakteristisch. Wie „normale“ Hallimasche wachsen auch die Ringlosen büschelig. Mit dem Fehlen des Ringes einher geht auch die kaum ausgebildete „Hallimasch-Riefung“ an der Stielspitze. Verwechslungsgefahr für Anfänger besteht mit Schüpplingsarten, die aber ein braunes Sporenpulver aufweisen.

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Ringloser Hallimasch (Armillaria tabescens), Hutoberseite fein schuppig. Diesen und andere Pilze lernen Sie bei Pilzkursen an der Algarve (Pilzschule Schwäbischer Wald)

In Deutschland kommt der ringlose Hallimasch auch vor, wenn auch sehr selten, und sollte in warmen Regionen gesucht werden, so z.B. im Rheintal, bei Stuttgart, im Rhein-Main-Gebiet oder auch in Mainfranken.

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