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Pilz des Monats Mai 2014: Rundsporige Lorchel (Pseudorhizina sphaerospora)

Diesen schönen Pilz sah ich Ende April zum ersten Mal am Standort – dies verdanke ich meinem Freund Rudi Markones (Würzburg-Kist, www.pilzseite.de). Ich hatte tagsüber Kartierungsarbeit in festgelegten Totholz-Plots im Nationalpark zu leisten und war schon müde, aber Rudi überredete mich noch zu einer kleinen Kurzexkursion in ein sehr schönes Waldgebiet mit naturnahem Bach im Nationalparkgebiet. Der genaue Fundort wird hier aus Naturschutzgründen nicht bekannt gegeben.

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Rundsporlorchel (Pseudorhizina sphaerospora - oder gern auch Gyromitra sphaerospora) - in schöner Reihe im Nationalpark Bayerischer Wald (NSG "Mittelsteighütte) bei Zwieslerwaldhaus, 21.4.2014, leg., det. R. Markones, Foto L. Krieglsteiner

Nun ja, dort wuchsen diese schönen Lorcheln, die habituell schon sehr viel mit sehr dunklen Frühjahrslorcheln gemeinsam haben, für mich typische Gyromitra. Allein aufgrund der runden Sporen wurde aber für die Rundsporige Lorchel die Gattung Pseudorhizina geschaffen, in der sie bis heute alleine steht. Die Art ist bis heute aus Deutschland nur von wenigen nahe beieinander liegenden Fundorten im Nationalpark Bayerischer Wald bekannt. Sie wächst dort an dicken, final-faulen Stämmen von Nadelbäumen oder scheinbar „am Boden“ in der Nähe von Holz.

Ein wichtiges makroskopisches Merkmal der Art ist das Verfärben des Stieles im Alter zu rosa-violettlichen Farbtönen.

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Rundspor-Lorchel (Pseudorhizina sphaerospora) mit zum Teil rosa-lila verfärbten Stielen - Nationalpark Bayerischer Wald (NSG "Mittelsteighütte) bei Zwieslerwaldhaus, 21.4.2014, leg., det. R. Markones, Foto L. Krieglsteiner

Frühjahrslorcheln und Riesenlorcheln, nahe Verwandte der Rundspor-Lorchel, sind ja (roh) tödlich giftig durch hohen Gehalt an Gyromitrin bzw. das im Stoffwechseln und beim Kochen (Vorsicht tödliche Kochdämpfe!) entstehende MMH (Monomethyl-Hydrazin). Getrocknete und danach gut erhitzte Pilze sind allerdings essbar, auch wenn man heutzutage allgemein vom Genuss dieser Pilze abrät. Ob auch die Rundspor-Lorchel Gyromitrin enthält und falls ja, in welcher Dosierung, ist unbekannt.

Wie andere Lorcheln und Scheibenbecherlinge der Verwandtschaftsgruppe Gyromitra-Discina reift auch die Rundspor-Lorchel erst sehr spät. Ein mitgenommenes Probe-Exemplar erwies sich unter dem Mikroskop als vollkommen unreif, von Sporenbildung war noch gar nichts zu erkennen. Die Frühjahrslorchel-Verwandtschaft ist durch ihre erst sehr spät, „kurz vor dem Vergammeln“ stattfindende Sporenreifung bekannt, was oft zu Bestimmungsproblemen führen kann. Viele Arten dieser Gruppe haben nämlich bei Reife Sporen-Auflagerungen, die wie gesagt erst sehr spät gebildet werden.

Viel Spaß beim Betrachten der Bilder – Sie sehen hier eine echte Rarität. Das letzte Bild zeigt die Art sehr malerisch an einer etwas entfernten Stelle - dort wächst sie scheinbar auf dem Erdboden an einer Bachkante; die Verbindung zu (Wurzel)-Holz ist aber auch hier deutlich.

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Rundspor-Lorchel (Pseudorhizina sphaerospora) - malerisch an der Bachkante fotographiert - Nationalpark Bayerischer Wald (NSG "Mittelsteighütte) bei Zwieslerwaldhaus, 21.4.2014, leg., det. R. Markones, Foto L. Krieglsteiner
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