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Pilz des Monats November 2014 - Chromosera viola (J. Geesink & Bas) Vizzini & Ercole - (= Hygrocybe viola J. Geesink & Bas) - Veilchen-Ellerling

Diese wenig bekannte Art bekam ich in diesem Jahr erstmals zu Gesicht – und zwar nur in einem einzigen Fruchtkörper. Es war der eher seltene Fall, dass bei einem Neufund mit dem ersten Blick klar war, was ich da gefunden hatte – ein Pilz, wo sozusagen „der Name schon darauf stand“. Ich war bei meinem vorletzten Auftrag zur Erfassung der Pilze im Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen) unterwegs, und leicht gefrustet, da ich mehrere Stunden vorher recht unproduktiv dabei mitwirken durfte, einen Fernsehbeitrag für „Quarks und Co.“ Mitzudrehen – und dabei immer wieder die gleiche Szenerie zu spielen, wo ich einen Pilz finde und darüber erfreut und überrascht bin. Es war zwar nur Cortinarius bolaris, der Rotschuppige Raukopf, mancherorts ein Massenpilz, aber es war tatsächlich der bis dahin erste Nachweis der Art im NP Eifel, und er gelang ganz entgegen meiner Erwartung, dass bei so einem Event nichts Bemerkenswertes gefunden werden wird, tatsächlich während der Drehaufnahmen. Ich hatte also immer wieder freudige Überraschung über den „besonderen Fund“ vorzuspielen, und war froh, als ich endlich, früher als die anderen Protagonisten, wieder meine Kreise ziehen durfte. Kurzentschlossen fuhr ich in ein recht hübsches Bachtälchen im „Kermeter“, eigentlich nicht in der Erwartung, an diesem Tage noch etwas Besonderes zu finden. Und es ging auch zunächst keineswegs gigantisch los, aber immerhin waren an den Böschungen hübsche Strubbelköpfe (Strobilomyces strobilaceus) zu sehen. Ich wollte eine hübsche Gruppe fotographieren, und als ich mich dort bücke, sehe ich schon in der grünen Böschung (der Boden war überzogen von einem Dauerprotonema des Laubmooses Pogonatum spec.) etwas Violettes herausblitzen.

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Veilchen-Ellerling (Chromosera viola) - Böschung in Luzulo-Fagetum (saurer Buchenwald) im Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen), 3.9.2014, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Ich hatte schon gleich diesen irren Verdacht, aber fotographierte erst einmal den Strubbelkopf fertig und schaute erst dann – wirklich eine Meisterleistung in Üben von Geduld J. Und dann stand er tatsächlich da: der Einzelfruchtkörper von Hygrocybe viola, unter welchem Namen ich die Art bis dahin nur kannte. Also ein Saftling? Nun, in dieser Gattung war die Art schon länger als eher unpassend angesehen worden, und so hat etwa Boertmann (der dänische Saftlings-Monograph) in der zweiten Auflage den Pilz heraus genommen. Wohl dem, der noch die erste Auflage hat …. – denn sonst ist der sehr selten gefundene Pilz im Großteil der gängigen Bestimmungsbücher einfach gar nicht enthalten.

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Veilchen-Ellerling (Chromosera viola) im Nationalpark Bayerischer Wald (Nordrhein-Westfalen), 3.9.2014, leg, det., fot. L. Krieglsteiner

Nun, wie auch immer – natürlich prüfte ich den Fund auch noch mikroskopisch nach, und es gab volle Übereinstimmung, wie zu erwarten war. Im Internet fand ich auch sehr schöne Bilder der als äußerst selten geltenden Art. In Deutschland ist sie auch in Bayern (Funde von Till Lohmeyer) sowie in Nordrhein-Westfalen gar nicht weit weg von der Eifel im Bergischen Land (durch Björn Wergen) nachgewiesen. Über ihre Ökologie dürfte noch wenig bekannt sein. Inzwischen ist sie aus den Saftlingen heraus genommen worden und wurde in die kleine Gattung Chromosera überführt, zu der auch der ebenfalls sehr seltene Nadelholzbewohner Chromosera cyanophylla (bisher unter Mycena oder später unter Omphalina abgehandelt) gestellt wird – auch einmal ein Kandidat für einen Pilz des Monats, den ich 2014 ebenfalls erstmals selbst fand, nämlich im Nationalpark Plitvicer Seen. Ich bin von der Tatsache, dass beide eine Gattung bilden, noch nicht völlig überzeugt. O.k., beide haben (O. cyanophylla vor allem in den Lamellen) Violett-Töne im Fruchtkörper, aber sonst sind die Gemeinsamkeiten m.E. nicht soo gigantisch, hat doch C. cyanophylla beispielsweise schleimige Fruchtkörper incl. Lamellenschneiden (ähnlich wie bestimmte Saftlinge, aber auch Helmlinge) und wächst auf Holz. Die Originalliteratur, wo die Kombination von Hygrocybe viola in Chromosera vorgenommen wurde, konnte ich leider bisher nicht einsehen.

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