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Pilz des Monats Mai 2015 - Schlehen-Rötling (Entoloma sepium)

Rötlinge der Früh-Saison sind nicht immer einfach zu bestimmen. Dies gilt natürlich auch für viele Rötlinge im spätereren Verlauf des Jahres – und einige von diesen wachsen auch schon ab April. Es gibt mehrere Vertreter der Untergattung Entoloma – also fleischige Pilze mit glattem Hut – die im Frühjahr wachsen, in etwa zur Morchelzeit. Zwei dieser Arten sind vorzugsweise unter Gebüsch von Rosengewächsen zu finden, unter Schlehen, Pflaumen, Quitten, Apfelbäumen (u.a.). Sie wachsen auf basenreichem Boden (oft Kalk) und riechen mehr oder weniger mehlartig. Diese beiden Arten sind im Übrigen essbar, auch wenn ihr Genuss nur fortgeschrittenen Pilzkennern vorbehalten sein sollte. Denn die Verwechslung mit giftigen Arten – aus dieser und anderen Gattungen – darf doch nicht ganz unterschätzt werden. Hierauf gehe ich jetzt aber nicht näher ein. Ich möchte nur kurz vorstellen, wie man den Schlehenrötling vom ähnlichen Schildrötling (Entoloma clypeatum) unterscheiden kann. Zunächst: der Schlehenrötling ist meist sehr blass gefärbt – nahezu weiß bis blass cremebräunlich, nur selten findet man etwas dunklere Formen.

Entoloma-sepium-Zaunrötling-Habitus-Remstal-Schlehe-Pflaume-Garten
Schlehen-Rötling (Entoloma sepium) - Baden-Württemberg, ö. Stuttgart (w. Schwäbisch Gmünd), Lorch-Waldhausen, unter Pflaume (Prunus domestica), 11.5.2013, leg., det., fot. L. Krieglsteiner

Umgekehrt ist der Schild-Rötling meist recht deutlich graubraun gefärbt, auch recht dunkel – es gibt aber auch sehr blasse, nahezu cremeweißliche Formen. Was macht man also im Zweifelsfall? Auch das Mikroskop hilft nur wenig weiter – beide Arten ähneln sich auch mikroskopisch. Es hilft allerdings die Chemie, nämlich verschiedene Verfärbungen. Zunächst ohne Zusatz – oder nennen wir es eine Reaktion auf den Fraß von Fliegenlarven („Maden“). Dort färbt sich nämlich der Schlehen-Rötling rosarötlich, während beim Schildrötling nichts Nennenswertes zu beobachten ist. Der Schildrötling bleibt auch bei zwei (weiteren) chemischen Reaktionen negativ: im Fleisch mit Anilin und mit Guajak – während der Schlehenrötling (Entoloma sepium) hier „Farbe zeigt“. Er färbt mit Anilin rot und mit Guajak blau. Chemisch also ist die Unterscheidung beider Arten unproblematisch.

Entoloma-sepium-Zaunrötling-Fraßgänge-Remstal-Schlehe-Pflaume-Garten
"Maden"-Fraßgänge beim Schlehen-Rötling (Entoloma sepium) - Verfärbung nach rosa(lich) - Baden-Württemberg, ö. Stuttgart, Lorch-Waldhausen, 11.5.2013, leg., det., fot. L. Krieglsteiner
Entoloma-sepium-Zaunrötling-Anilin-Remstal-Schlehe-Pflaume-Garten
"Verfärbung mit Anilin beim Schlehen-Rötling (Entoloma sepium) - Verfärbung nach rot - Lorch-Waldhausen, 11.5.2013, Standort-Fake auf Balkon von Lothar Krieglsteiner (Schwäbisch Gmünd-Bettringen)
Entoloma-sepium-Zaunrötling-Guajak-Remstal-Schlehe-Pflaume-Garten
Verfärbung mit Guajak beim Schlehen-Rötling (Entoloma sepium) - Verfärbung nach blau - Lorch-Waldhausen ö. Stuttgart, 11.5.2013 (Standort-Fake auf Balkon von Lothar Krieglsteiner (Schwäbisch Gmünd-Bettringen)

Es gibt im Frühling noch eine Menge weiterer Rötlingsarten – ich spreche hier einige weitere nur kurz an: unter Ulmen (selten Ahorn) findet man die Arten E. saundersii und E. aprile, die auch in Untergattung Entoloma gehören. Zu Nolanea, den kegelig-gebuckelten Rötlingen („Glöcklingen“) gehören E. hirtipes (Traniger Glöckling, Pilz des Monats April 2014) und der Frühlings-Giftrötling (Entoloma vernum). Wie bereits erwähnt, wachsen auch zahlreiche Arten der spätereren Saison oft schon im Frühling – um nur zwei zu nennen, z.B. der Scherben-Rötling (E. cetratum – z.B. letzte Woche gefunden!, 19.4.15) und der Kreuzsporige Rötling (E. conferendum).

Weniger bekannt sind einige sehr seltene Arten, die in Sektion Erophila (Untergattung Inocephalus, „Filz-Rötlinge“) zusammengefasst werden. Es handelt sich – ähnlich den Vertretern der Untergattung Entoloma – um Arten mit Ritterlings-Habitus, also relativ fleischige Pilze mit ausgebuchteten Lamellen, die zugegebenermaßen allerdings relativ klein sind. Im Gegensatz zu letzteren sind die Hüte (und Stiele) aber nicht glatt.

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