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Pilz des Monats April 2026 – Dextrinoidsporiger Weichporling (Sarcoporia polyspora)

Die insgesamt recht seltene Art fand ich letztes Jahr erstmals – und anfangs lief ich mit meinen Bestimmungsversuchen in die Irre. Erst die Idee, die Aufsammlung einmal mit Jod-Reagenz (in diesem Falle Melzers Reagenz) zu prüfen, brachte die rasche und einfache Auflösung. Vorher hatte ich es in der Gattung Postia (Braunfäule-Saftporlinge) versucht und war mit etwas Bauchweh auf Postia wakefieldiae, eine eher noch seltenere, mir ebenfalls bis dato unbekannte Art, gekommen.

Sarcoporia polyspora ist also durch ihre stark dextrinoiden Sporen gut bestimmbar. Diese sind im lebenden Zustand mit Tröpfchen gefüllt, die in KOH rasch zerfließen und in Melzers Reagenz nicht mehr zu sehen sind. Makroskopisch erinnert die Art stark an einen Saftporling der Gattung Postia, etwa an P. leucomallella (jetzt auch als Fuscopostia abgetrennt), die ebenfalls an Nadelholz wie Kiefer zu finden ist. Die wenig bekannte Art ist in der Literatur auch unter dem Namen Parmastomyces mollissimus sowie Tyromyces kravtzevianus zu finden, im Netz finden sich deutsche Namen wie Weicher Gelwachsporling oder Zartrandiger Weichporling.

Sarcoporia poylspora Parmastomyces mullissimus Pinus Bayern Franken Harrlach Flechten Kiefernwald Braunfaule Pilzschule Schwabischer Wald Postia wakefieldiae
Sarcoporia polyspora Parmastomyces mollissimus Zartrandiger Weichporling Weicher Gelwachsporling Bayern Mittelfranken Mittelfrankisches Becken Sporen Tropfen
Dextrinoidsporiger Weichporling (auch Zartrandiger Weichporling, Weicher Gelwachsporling u.a. - Sarcoporia polyspora, auch bekannt als Parmastomyces mollissimus) am 14.10.2025 südlich von Harrlach (Deutschland, Bayern, Mittelfranken, Mittelfränkisches Becken, Landkreis Roth, 379 m NN, MTB 6733/1, GPS: N49°16'26.53" E11°11'14.85"), an liegendem, entrindetem, ca. 25 cm dickem Stamm von Waldkiefer (Pinus sylvestris) am Boden in nährstoffarmem Nadelmischwald (potenziell und aktuell noch örtlich gut ausgebildeter Flechten-Kiefernwald (Cladonio-Pinetum), leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner (det. nach Tipp von Frank Dämmrich).  - Achten Sie bei der Makro-Tafel auf die zunächst weißen, dann braun verfärbenden Hutoberseiten, die mittelgroßen Poren sowie das von Flechten der Gattung Cladonia bewachsene, schon auseinanderfallende Substrat - bei der Mikro-Darstellung auf die zylindrischen Sporen mit Tropfen, die Hyphen mit weiten, löcherigen Schnallen (des monomitischen Hyphensystems) sowie vor allem auf die Dextrinoidität der Sporen (untere Fotos). Die oberen Fotos zeigen das Absterben der Sporen in KOH (Zusammen-Fließen der Tropfen).

 

Eine besonders ausführliche Darstellung findet sich von Pablo Schäfer in pilzforum.eu: Parmastomyces mollissimus = Zartrandiger Weichporling - Aphyllophorales s.l. - Pilzforum.eu

Pablo schreibt dort, dass er die Art in der Oberrheinebene schon öfter fand und sie für typisch für wärmere Lagen hält („mag offenbar keine kalten Winter“), häufiger im Flachland als in den Hügelländern des Odenwaldes und Pfälzer Waldes. Mein Fund stammt aus dem leicht kontinental getönten Mittelfränkischen Becken. Die Winter sind dort (vgl. Klimawandel) allerdings auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Pablo schreibt auch, dass unser Pilz an „optimalmorschen liegenden Stämmen“ meist von Kiefer zu finden ist. Mein befallener Stamm war eher Finalphase (schon am Auseinander-Bröckeln), Kiefer ist aber auch bei meinem Fund das Substrat. Ryvarden & Melo (2017: Poroid fungi of Europe) nennen Fichte und Kiefer als Substrat und bezeichnen die Art für Europa als selten – in Nordamerika soll der Pilz häufiger sein und auch an Laubholz-Substraten zu finden sein. Die Karte auf www.pilze-deutschland.de zeigt nach heutigem Stand 11 Einträge, 2 davon im Süden Bayerns. Für Franken scheint somit ein Erstnachweis vorzuliegen.

Mein Fundort ist ein nährstoffarmer Flechten-Kiefernwald – eine vom Aussterben bedrohte Vegetations-Einheit. Wir besuchen diesen Standort ab und zu, um u.a. bedrohte Mykorrhizapilze (Stachelinge, Ritterlinge, Milchlinge u.a.) und Saprobionten nährstoffarmer Standorte zu suchen.

Die Fundortangaben bei Pablo Schäfer sind weitreichend und umfassen auch anthropogene und gestörte Standorte. Der vorgestellte Fund ist insofern also nicht repräsentativ.

Wie die ähnlichen Saftporlings-Arten der Großgattung Postia (s.o.) ist Sarcoporia polyspora ein Braunfäule-Erreger und gehört wie diese in die Ordnung Polyporales. Nachdem ich diese Art nun kennen gelernt habe, bin ich gespannt, ob ich sie öfter finden werde.