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Pilz des Monats Juni 2024 – Schiefes Schwarzkorn (Nigrograna obliqua)

Ein deutscher Name existierte bis eben nicht – und hier habe ich einfach den wissenschaftlichen Namen ins Deutsche übersetzt. Nun – kleine schwarze Pünktchen auf Holz (oder krautigen, grasigen u.a. Substraten) sind normalerweise Pilze, die nur selten vorgestellt und auch nur von wenigen Spezialisten bearbeitet werden und ich denke, dies ist hier auch Premiere für meinen „Pilz des Monats“. Dabei schaue ich mir solche Pilze durchaus bei verschiedensten Projekten an, allerdings eher erst nachdem andere Pilzgruppen abgearbeitet wurden. So muss ich auch zugeben, dass ich diese Aufsammlung kaum hätte bestimmen können ohne Björn Wergens Handbuch der Ascomyceten, wo sie durch ein wenig Blättern und Sporengrößen-Vergleich (ich maß für meine Aufsammlung Sporen von 15-20 (24)/5-6,5 (7) µm) identifiziert werden konnte. Besonders freute ich mich, dass es mir zumindest bei einem Fruchtkörper gut gelang, das schief (Artname!) ansitzende Rostrum mit Ostiolum (verlängerte Öffnung) passend zu schneiden und passabel zu photographieren (vgl. Makro-Tafel).

Nigrograna obliqua Voglmayr Jaklitsch Schiefes Schwarzkorn Viburnum Melanomma Pleosporales bitunicat Schneeball Garten biodivers Pseudothecium ascolocular bitunicat
Schiefes Schwarzkorn (Nigrograna obliqua) am 14.04.2024 im Garten Heidi Krieglsteiner in der Beethovenstr. 1 in Durlangen (Ostalbkreis n. Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, Deutschland),  502 m NN, GPS: N48° 51' 35,09'' E9° 47' 23,03'' , an berindetem, abgestorbenen Zweig an stehendem Schneeball (Viburnum rhytidophyllum) in Hausgarten, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner - das Prägnanteste an den winzigen, weitgehend eingesenkten Ascomata sind die schief ansitzenden Schnäbel (Rostrum) mit Ostiolum - das Merkmal war Grundlage für die Wahl des wissenschaftlichen Artnamens.
Nigrograna obliqua Asci bitunicat Sporen dreifach septiert braun Gehaeuse schwarz Pseudothecien ascolocular Entwicklung Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Ascus
Schiefes Schwarzkorn (Nigrograna obliqua) am 14.04.2024 im Garten Heidi Krieglsteiner in der Beethovenstr. 1 in Durlangen (Ostalbkreis n. Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, Deutschland),  502 m NN, GPS: N48° 51' 35,09'' E9° 47' 23,03'' , an berindetem, abgestorbenen Zweig an stehendem Schneeball (Viburnum rhytidophyllum) in Hausgarten, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner

 

Bitunicate Pyrenomyceten (die Doppelwandigkeit sieht man auf dem Mikrofoto mit den unreifen Asci am Besten) sind heute in der Klasse Dothideomycetes zusammengefasst, die nicht ganz, aber doch zu einem guten Stück identisch ist mit der alten Bezeichnung Loculo-Ascomycetes mit ascolokulärer Entwicklung. Im Gegensatz zur ascohymenialen Entwicklung (so bei „normalen“ Pyrenomyceten, die in der Klasse Sordariomycetes zu finden) sind junge Primordien nicht hohl, sondern mit Zellen ausgefüllt, und der Raum für die wachsenden Schläuche entsteht erst durch Kollabieren dieser Zellen (vgl. u.a. Meike Piepenbring in ihrem Lehrbuch „Mykologie“, vgl. auch File:Abb3.101 Pilze Ascomycota Dothideomycetes Pseudothecium ascoloculär Perithecium ascohymenial Hamathecium 2021 (M. Piepenbring).png - Wikimedia Commons). Die Fruchtkörper von Bitunicaten sind demnach auch keine Perithezien (denen sie durchaus sehr ähnlich sehen), sondern der Definition nach Pseudothezien.

Die Erstbeschreibung (Voglmayr & Jaklitsch 2016, Studies in Mycology 85) basiert auf mehreren Funden aus Österreich und Frankreich, auf verschiedenen Laubholz-Substraten (angegeben sind Ribes uva-crispa, Salix caprea sowie Sambucus nigra und S. racemosa – also wilde Stachelbeere, Salweide sowie Schwarzer und Roter Holunder) – Wergen gibt nur „Laubholz, z.B. Salix“ an. Schneeball (Viburnum) scheint ein neues Substrat zu sein. Dabei ist interessant festzuhalten, dass sowohl Holunder als auch Schneeball heute in F. Adoxaceae (Moschuskrautgewächse – früher zu Caprifoliaceae, Geißblattgewächse) gehören.

Es wundert nicht, dass bisher nur ein Fundpunkt (in Niedersachsen) auf pilze-deutschland kartiert wurde. Leider enthält die Arbeit von Björn Wergen keine Funddaten und der Benutzer weiß nicht, wo eine Aufsammlung herstammt. Vermutlich liegt also eher kein Erstnachweis für Baden-Württemberg vor, da Björn Wergen als Leiter der Schwarzwälder Pilzlehrschau ja viel in diesem Bundesland arbeitet.


Pilz des Monats Mai 2024 – Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis, = Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999)

Mit diesem Pilz des Monats publiziere ich erstmals seit meiner Dissertation wieder Funde aus einer Gruppe von kleinen Basidiomyceten, die nur äußerst gelegentlich von Pilzfreunden aufgesammelt werden. Wir betreten hier ein taxonomisches Minenfeld, das auch derzeit noch als weitgehend ungelöst betrachtet werden darf,  wenn auch seit meiner Publikation von 1999 einiges an Neuem zu verarbeiten ist. Zunächst: die klassische Gattung Ceratellopsis enthält eine ganze Reihe nur ganz unvollständig bekannter und unzureichend in ihrer Variabilität ausgeleuchteter Taxa, die zunächst einmal charakterisiert werden können durch sehr kleine keulenförmige Holothezien (Basidiomata mit außen liegender Fruchtschicht und ± ohne sterile Oberfläche) mit ± weißlicher Färbung und monomitischem Aufbau (die durchaus sehr ähnliche Winzige Borstenkoralle Pterulicium gracile, besser bekannt als Pterula gracilis, fällt durch Skeletthyphen aus der Definition, Clavulinopsis- oder Clavaria-Arten mit ähnlicher Farbe u.a. durch ihre doch deutlich größeren Fruchtkörper).

In meiner Dissertation (L. Krieglsteiner 1999: Pilze im Naturraum Mainfränkische Platten und ihre Einbindung in die Vegatation habe ich verschiedene Ceratellopsis-Funde bekannt gemacht, und damals waren es die wohl ersten Nachweise von Pilzen aus dieser Gattung für Deutschland.

Neben der ebenfalls wenig bekannten C. aculeata, über die ich hier nicht viel weiter schreibe, habe ich 2 Funde von winzigen weißen Keulchen auf moosiger Baumborke unter dem Namen Ceratellopsis mucedinea (Boud.) Corner vorgestellt – damals mit Hilfe des Spezialisten Klaus Siepe, mit dem ich mich auch später noch immer wieder über solche Pilze ausgetauscht habe. Wie gesagt: moosige Baumborke, und schon damals fiel mir auf, dass diese Keulchen offenbar eine Beziehung zu Laubmoosen haben. In der Zwischenzeit gelangen mir  weitere vergleichbare Funde solcher Pilze an Laubmoosen (z.B. auf der Schwäbischen Alb und in der Eifel) – ausführliche Dokumentationen (und Fotos über das Gezeigte hinaus) habe ich allerdings nicht vorliegen. Bis vor wenigen Wochen … (s.u.).

Wesentlich Neues erfährt man in der Arbeit von Olariaga & al. (2020: Phylogenetic origins and family classification of typhuloid fungi, with emphasis on Ceratellopsis, Macrotyphula and Typhula (Basidiomycota) – nämlich die Polyphylie der Gattung Ceratellopsis. Die Mehrheit der Proben gehört mit dem Gattungs-Typus C. aculeata (s.o. – auch von mir in Mainfranken gefunden) in Familie Clavariaceae der Agaricales (wie in mycobank korrekt geführt – im Index of Fungi landet man bei den Gomphaceae!), und auch Pterulicium gracile gehört in O. Agaricales (F. Pterulaceae).

Eine Ceratellopsis fällt jedoch heraus – und zwar wird diese auf Moosen gefunden und war als C. sagittiformis beschrieben worden. Für diese Art (zumindest wie dieses Patouillard`sche Taxon, von der nur ein Iconotypus vorliegt, von den Autoren interpretiert wird – sie wählen einen Lectotypus aus Estland an lebendem Pleurozium schreberi, Rotstängelmoos) wird eine neue Gattung Bryopistillaria beschrieben, und in Familie Rickenellaceae der Hymenochaetales transferiert – in dieser Gruppe stehen auch sonst Moos-Parasiten!).

Ein Vergleich zeigt: zumindest meine neue Kollektion (s.u.) gehört hierher – das zeigen u.a. die breiten Hyphen im Mark sowie die kurzen Zellen im Subhymenium – Merkmale, auf die früher nicht wirklich geachtet wurde), wie mit dem Schlüssel von Olariaga & al. leicht verifiziert werden kann. Zu C. sagittiformis schreiben die Autoren u.a.: „: The original plate of B. sagittiformis shows a fungus with a fertile apex, 2-spored basidia …“ sowie „ … we interpret B. sagittiformis as a species with obtuse fertile basidiomata at least when not extremely young, medulla hyphae 3–4 μm broad, lacking clamp connections and occurring usually, though apparently not strictly, on living mosses. .. It is possible that mosses are always present but not necessarily act directly as substrate for the basidiomata“. Das passt alles sehr gut zu all meinen bisher als C. mucedinea bestimmten Kollektionen (dieses Taxon wird von Olariaga & al. als vermutliches Synonym zu C. aculeata geführt). Ich fand neben 4-sporigen auch 2-sporige Ständer. Die Spitzen der Basidiomata sind im Großen und Ganzen fertil (wie dies auch Olariaga & al. für alle nicht absolut iuvenile Fruchtkörper konstatieren), wobei das oft schwer auszumachen ist, da reife Basidien ohnehin jung noch kaum gefunden werden können, die Form der unreifen Basidien (Basidiolen) durchaus variiert und die Zahl der gefundenen Sporen auch bei etwas älteren Keulen ziemlich gering ist. Basidien und Hyphen sind zumindest weitgehend schnallenfrei (ich fand bei den Funden in meiner Dissertation keine und auch bei meinem aktuellen Fund nicht). Und dass mein Pilzchen ein Moosbewohner ist, war mir immer aufgefallen. Auch nun – und damit zum aktuellen Fund, der Anlass für diese Darstellung und diesen Pilz des Monats war.

Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 14.04.2024  im "Heidenbühl" bei Kaisersbach-Gmeinweiler (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg; 488 m NN, GPS: N48°54'27.63" E9°40'34.98"), an Rand von unbefestigtem Waldweg über mäßig basenreichem Grund (unweit z.B. Calocybe gambosa), an kleiner Erdblöße inmitten von jungem Rasen von Kegelkopf-Lebermoos (Conocephalum conicum), auch an teils etwas angegriffenen Pflanzenteilen des Mooses, leg, det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Bryopistillaria sagittiformis 2 Ceratellopsis mucedinea Brunnen Lebermoos Marchantia polymorpha Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Mainfranken Rhoen Rhon
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 14.04.2024  im "Heidenbühl" bei Kaisersbach-Gmeinweiler (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg; 488 m NN, GPS: N48°54'27.63" E9°40'34.98"), an Rand von unbefestigtem Waldweg über mäßig basenreichem Grund (unweit z.B. Calocybe gambosa), an kleiner Erdblöße inmitten von jungem Rasen von Kegelkopf-Lebermoos (Conocephalum conicum), auch an teils etwas angegriffenen Pflanzenteilen des Mooses, leg, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - beachten Sie die Kristalle im Mark (u.M.), die breiten Hyphen des Marks (in Kongorot, u.r.), die Basidien ohnen Schnallen (o.M., o.r.) sowie die Sporenform. 
 Bryopistillaria sagittiformis 3 Ceratellopsis mucedinea aculeata Rickenellaceae Hymenochaetales Pterulicium Salix Laubmoose Bryophyta Krieglsteiner Pilzschule Moos
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 09.01.1994, Main-Auenrest n. Himmelstadt (ggü. Abzw. Stetten, MTB 6024/4), an totem Ast von stehender Mandelweide (Salix triandra) in Ufergehölz (Salicetum triandrae), an und zwischen Laubmoosen (Amblystegium serpens), leg., det., Foto (Dia-Scan) Lothar Krieglsteiner
 Bryopistiiaria sagittiformis 4 Ceratellopsis mucedinea Mainfranken Karlstadt Laubmoos Himmelstadt Wurzburg Dissertation Universitaet Regensburg Klaus Siepe Sporen
 Bryopistillaria sagittiformis 5 Krieglsteiner 1999 Naturraum Mainfrankische Platten Einbindung Vegetation Sporen Krieglsteiner Pilzschule Schwabischer Wald DGfM
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 09.01.1994, Main-Auenrest n. Himmelstadt (ggü. Abzw. Stetten, MTB 6024/4), an totem Ast von stehender Mandelweide (Salix triandra) in Ufergehölz (Salicetum triandrae), an und zwischen Laubmoosen (Amblystegium serpens), leg., det.,, Zeichnungen Lothar Krieglsteiner - obere Skizze Original, untere reingezeichnet für Publikation (aus L. Krieglsteiner 1999)
 Bryopistillaria sagittiformis 6 Ceratellopsis mucedinea Nationalpark Eifel Nordrhein Westfalen Deutschland Laubmoos Ruine Vogelsang Biodiversitaetsforschung PSV
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 11.12.2016 w. des "Neffgesbach" w. der Ruine Vogelsang ö. Schleiden-Gemünd öim Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen, MTB 5404/2, 410 m NN, GPS: N50°34'58.37" E6°26'23.93"), an indet. Laubmoos an Zweig von Prunus spinosa in Zweighaufen in Laubmischwald in Schluchtlage, leg, det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Bryopistillaria sagittiformis 7 Ceratellopsis mucedinea Heinz Sielmann Stiftung Baden Wuerttemberg Schwaebische Alb Laubmoos Krieglsteiner Olariaga Moosparasit
  Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 25.10.2022 am "Schloßberg" bei Lauterstein-Weißenstein (Gelände der Heinz-Sielmann-Stiftung, gefunden bei Auftrags-Kartierung - Schwäbische Alb, Baden-Württemberg, MTB 7225/3, 657 m NN; GPS: N48°42'15.24" E9°52'55.95"), an lebendem Laubmoos (Brachytheciaceae cf.) an morschem Laubholzstumpf in Laubmischwald über Malm-Kalk an Steilhang, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner

 

Als ich am 14. April (also vor genau 10 Tagen) an einem mir gut bekannten Waldweg im Schwäbischen Wald unterwegs war, sah ich an einer neu gestalteten Weg-Partie frisch gewachsenes Kegelkopf-Lebermoos (Conocephalum conicum). Da an diesem Moos auch andere spannende Pilze gefunden werden könnten, kniete ich mich hin und fand an einer kleinen Erdblöße innerhalb des Rasens tatsächlich Pilze, nämlich einige kleine weiße Keulchen, deren Identität mir eigentlich gleich klar war und sich mit dem Mikroskop bestätigte (von diesem Fund stammt die Tafel im Foto-Block). Erst zu Hause unter dem Bino stellte ich fest, dass auch einige der Keulchen an Unterseiten und Rändern von teils etwas angewelkten Lagern des Lebermooses zu finden waren. Interessant ist, dass meines Wissens bisher nur Funde an Laubmoosen bekannt sind (jedenfalls sind auch bei Olariaga & al. keine Funde an Lebermoosen erwähnt).

Eine gewisse Variationsbreite besteht in den Sporenmaßen. Im Zuge meiner Dissertation maß ich für C. mucedinea bei zwei Funden an moosiger Borke in Mainfranken einmal 6,8-7,2/3-3,2 µm (die geringe Spanne spricht für damals wenige gefundene Sporen) und einmal (5)5,5-6.5/(3)3,3-3,8 µm. Die Sporenform (Skizze aus meiner Diss im Foto-Block) passt gut zur aktuellen Kollektion, bei der Sporen von 5-6,5/3-3,5 (wenige Sporen bei den frisch gesammelten Keulchen) bzw. eine Woche später (einige Sporen mehr nach Lagerung in der Wohnung) von 6-8/3-3,8 µm gemessen wurden – im Vergleich dazu geben Olariaga & al. für B. sagittiformis Sporen von 4,5-6,5(8)/3-3,5(4) µm gemessen wurden – die etwas geringeren Maße (bei gut passender Sporenform) könnten auf die Messung toter Sporen im Exsikkat zurückzuführen sein (?).

Ein weiterer Punkt, der mich an der Bestimmung kaum mehr zweifeln lässt, ist die Tatsache, dass ich sowohl bei meinen alten wie bei meinen neuen Funden immer reichlich Kristalle im Fleisch der Keulchen fand (dies erwähne ich in meiner Diss und kann hier ein Foto beisteuern) – und auch in der Darstellung von Olariaga & al. sind diese Kristalle erwähnt.

So führt manchmal dann doch das Verstreichen von Zeit und das Abwarten neuer Publikationen dazu, dass sich das eine oder andere Problemfeld etwas aufklärt. Unschärfen bleiben. So zunächst zum Namen B. sagittiformis. „Sagitta“ bezeichnet auf lateinisch einen Pfeil, und ein Teil der Fruchtkörper ist auch relativ zugespitzt – andere und eher die Mehrzahl der Fruchtkörper sind aber meist stumpf.  Auch Olariaga & al. bilden nur leicht zuspitzende und auch abgerundet-stumpfe Fruchtkörper ab und sie schreiben (s.o.) ja auch, die Keulen wären „obtuse“. Dieses Merkmal scheint also auch variabel zu sein – und einer meiner Funde (bei Weißenstein, vgl. Foto-Block) hat sogar ausgesprochen rundliche und nur teils etwas zuspitzende Keulchen, dürfte aber zur gleichen Art gehören. Fragezeichen bleiben auch und besonders in der übrig bleibenden Gattung Ceratellopsis und die Frage, wie viele Arten hier vorliegen, ist ziemlich offen. Aber dazu schweige ich heute lieber ….

Addendum: weitere nicht mit Fotos bestückte, aber belegte Funde:

Schwäbische Alb:

18.10.05 – D, BadenWürttemberg, Schwäbische Alb, MTB 7127/3, 590 m NN, ö. Aalen, Beuren, NSG „Dellenhäule“, an Resten von Hylocomium splendens (und Rhytidiadelphus squarrosus) unter Wacholder in ziemlich nährstoff-angereicherter Wacholderheide (Beleg 023/2006 – liegt im Herbar in Stuttgart mit der Bestimmung Ceratellopsis mucedinea).

Rhön  (vgl. L. Krieglsteiner 2004) :

04.10.2001 – 5525/4 – Niedermoor nw. Oberweißenbrunn (Bayern), an lebenden Moosen (Climacium dendroides, Aulacomnium palustre, Sphagnum spec.,  Homalothecium nitens) in Molinietum über Muschelkalk (Beleg 1126/2001 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

03.11.2001 – 5526/3 – Weinberg w. Weisbach (Bayern), Saum mit Brachythecium pinnatum an Südhang über Muschelkalk, an lebenden Laubmoosen in der Bodenstreu (Beleg 1061/2001 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

Nach der Rhön-Publikation weitere Funde in der Rhön:

01.11.2004 – 5525/1 – bei “Heckenhöfchen” ö. Poppenhausen (Hessen), Wacholderheide, an Laubmoosen an Juniperus-Zweigen (Beleg 316/2004 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

03.11.2004 – 5327/1 – 500 – Wiesenthaler Schweiz (Thüringen), an Moosen an Unterseite von Juniperus-Ast (Beleg 317/2004 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

Rothaar-Gebirge:

28.8.1999 - 5016/3 "Kalkberg" b. Bad Laasphe (Nordrhein-Westfalen), moosiger anheftender Salix-Zweig (Beleg 010/2001 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

Viel Erinnerung an alle diese Fundehabe ich nicht mehr, und auch keine Fotos oder Notizen. Ich gehe jedoch davon aus, dass alle zu Bryopistillaria sagittiformis gehören (alle zunächst bestimmt als Ceratellopsis mucedinea). Wenn es wahr ist, können sie im Museum Stuttgart gefunden werden 😊. Die aktuelleren Funde liegen alle noch im Privatherbar Lothar Krieglsteiner (das gilt im Wesentlichen für Funde ab 2014) – wie lange, das wird sich zeigen ….

 


Pilz des Monats April 2024 – Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum)

Hin und wieder erlebt man bei Pilzkursen Überraschungen und überraschende Neufunde. Für die Region des Schwäbischer Waldes ist dies die vorgestellte Art, die ich (s.u.) aus dem Bayerischen Wald, dem Harz und aus Norwegen kenne (vor „heiligen Zeiten“ fand ich auch in der Rhön die Schwesterart M. urnula an Preiselbeere), aber im Schwäbischen Wald noch nie gesehen hatte – ich hätte irgendwie (warum nur?) gedacht, dass sie bei uns nicht vorkommt. Kursteilnehmer Tobias Traulich fand beim Kurs „Vorfrühlingspilze“ zwischen Torfmoos in einem örtlich sauren und feuchten Nadelmischwald mit Fichten und Tannen zunächst einen, dann weitere 2 Fruchtkörper ca. 2 m entfernt. Ich war gerade hingekniet, um etwas zu zeigen und die Teilnehmer waren alle in der Nähe. Weitere Fruchtkörper wurden nicht gefunden, auch nicht bei weiteren Exkursionen im Frühjahr 2024. Bis auf eine – ein einzelner älterer Fruchtkörper wuchs einige km entfernt vom Erstnachweis entfernt, bei Hönig, ebenfalls im Torfmoos unter Heidelbeeren. Katharina und vor allem ich hatten in dem durchaus torfmoos-reichen Gebiet mit Heidelbeeren durchaus intensiv gesucht. Vermutlich ist die Saison für den Heidelbeer-Fruchtbecherling für dieses Jahr zu Ende. Interessanter Weise wurde am Ort des Erstfundes bei Waldmannshofen auf der Kurs-Exkursion kurz darauf mit dem Heide-Flechtennabeling (LIchenomphalia umbellifera) ein weiterer erfreulicher Fund gemacht (ebenfalls auf Torfmoos als Unterlage). Das Vorkommen beider Arten deutet auf örtlich geringe N-Depositionen bei saurem Boden hin – ein heute selten gewordener und überall gefährdeter Zustand.

Warum überhaupt Torfmoos? Zunächst sei gesagt, dass unser Heidelbeer-Fruchtbecherchen, Monilinia baccarum (wie auch die verwandten heimischen Arten auf anderen Vaccinium-Arten wie M. urnula, s.o., oder M. oxycocci an Moosbeere – ferner gibt es eine M. vaccinii-corymbosi an kultivierten amerikanischen „Heidelbeer“-Arten), keineswegs in irgend einer Weise auf Torfmoos angewiesen ist. Die vorgestellten Funde aus Norwegen (trockene saure Böschung im borealen Fichtenwald), dem Harz (offene saure Böschung mit Buxbaumia aphylla an Weg durch Fichtenwald) sowie dem Bayerischen Wald (hoch bemooster Wegrand in Fichtenwald direkt nach der Schneschmelze (!)) zeigen kein Torfmoos auf dem Foto, sondern Begleitmoose sind (neben Buxbaumia aphylla, s.o.) niederwüchsige Polytrichum- oder Pogonatum-Arten (Norwegen, Harz) oder auch hochwüchsige Moosfilze mit dort v.a. Rhytidiadelphus loreus (Riemenstängel-Kranzmoos) und Polytrichum formosum (Schönes Widertonmoos). Auch Ingo Wagner (ASCO-SONNEBERG - Monilinia) schreibt, dass „die in der Literatur oft erwähnte Standortangabe „an nassen Stellen im Torfmoos“ durchaus keine Bedingung darstellt. Ca. 5 verschiedene Funde … beschränkten sich auf heidelbeerbewachsene Böschungen, an denen man auch Pseudoplectania nigrella (Glänzender Schwarzborstling) hätte finden können“.

Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) am 10.03.2023 im Schwäbischen Wald nw. Eschach-Waldmannshofen (MTB 7025/3 - GPS ca.: N 48° 55' 5,11''  E 9° 51' 14,52''), 460 m NN, bewaldeter Hang zum Kochertal, in feuchter Partie von örtlich saurem, teils erfreulich nährstoffarmem Nadelmischwald (Buchen-Tannenwald mit Fichten), an Heidelbeer-Früchten vom Vorjahr, vergraben in dichtem Polster von Torfmoos (Sphagnum spec.), leg. Tobias Traulich bei Seminar von Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner) Gefunden wurden 3 (2+1) Fruchtkörper. Beachten Sie die tief urnenförmigen frischen Fruchtkörper und die mumifizierte Heidelbeere.
 
 
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) am 21.03.2024 im Schwäbischen Wald  n. Ruppertshofen-Hönig ("Auerbachtal" - MTB 7024/4, 470 m NN, GPS ca.: N 48° 54' 11,26'' E 9° 48' 13,38'' ), in saurer, nährstoffarmer Partie von Nadelmischforst (Fichte, Tanne, Kiefer, Buche), 1 älterer Fruchtkörper auf mumifiuzierter Heidelbeere in dichtem Torfmoos-Rasen (nur Scheibe zu sehen), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie das im Vergleich zur frischen Aufsammlung weiter geöffnete (kaum noch urnenförmige), düsterer gefärbte Apothezium. Am Stiel ist (oberes Foto) schon Schimmelpilz-Befall zu sehen (nicht untersucht). 
 
 Monilinia baccarum 7 Bayerischer Wald Nationalpark Rhytidiadelphus loreus Pilzexpertin Katharina Krieglsteiner Pilzseminare Mikroskopierkurs Apothezium Becherling Custom
 Monilinia baccarum 8 urnenfoermiger Becher junges Apothezium heller Rand feucht Schneeschmelze Bayerischer Wald Nationalpark pilzkunde Feldmykologe PSV Katharina Custom
 Monilinia baccarum 9 saurer montaner Nadelwald Fichtenwald Torfmoos Sphagnum quellig anmoorig Gebirgslage skelrifizierte Fruchte Fruechte Mooskurs Zeigermoos Custom
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) am 02.05.2015 am "Ruckowies-Berg" ö. Zwieslerwaldhaus (Bayern, Nationalpark Bayerischer Wald unweit zu Grenze zu Tschechien), 1167 m NN, GPS nach Foto: N N49°6'5.81" E E13°16'47.06"), an vergrabenen, mumifizierten Heidelbeeren auf langen Stielen , in durch dicke, kürzlich geschmolzene Lage Schnee platt gedrücktem höherwüchstigem Mooslager mit (u.a.) Rhytidiadelphus loreus ("Riemenstängel-Kranzmoos") und Polytrichum formosum (Schönes Widertonmoos, Frauenhaarmoos), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner
 Monilinia baccarum 10 Harz Nord Deutschland Niedersachsen Sachsen Anhalt Finkeldey Buxbaumia aphylla offen liegende Frucht Heidelbeere Fruehling Fruhling Schnee Custom
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) am 12.04.2009 an der Eckertal-Sperre (Niedersachsen, Harz, s. Bad Harzburg, Foto ohne GPS-Daten.) an oberflächlich festgeklebter Heidelbeere an Böschung an Wegrand durch Fichtenwald auf saurem Urgesteinsboden, leg., det. Lothar Krieglsteiner bei Seminar mit Dieter Honstraß,, Foto Michael Finkeldey). Beachten Sie den angetrockneten Fruchtkörper in der lichten Moosflur.. Torfmoos ist an dem trockenen Standort nicht in der Nähe.
 Monilinia baccarum 11 Norwegen Skandinavien Fulufjellet Nationalpark sauer boreal Nadelwald Boeschung Cladonia Becherflechte Polytrichum vergrabene Heidelbeere Custom
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) am 13.06.2015 im Nationalpark Fulufjellet (S-Norwegen an Grenze zu Schweden, Innlandet, Ljørdalen, Skåret - 751 m NN, GPS: N61°31'11.85" E12°32'52.43") an vergrabenen Früchten von Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) vergraben in Erde an saurem Wegrand durch nordischen, sauren Fichtenwald. Die Heidelbeeren verraten den trockenen Standort - von Torfmoos keine Spur.

 

Nein – Torfmoos (Sphagnum spec.) bietet durch seine dicht rasig wachsenden, mit der Zeit lang werdenden Stämmchen ein Milieu, in dem abgefallene Heidelbeer-Früchte nach dem Abfallen über den Winter feucht liegen und so vom Pilz aufgeschlossen und konserviert werden können. Wo im Winter lange Schnee-Decken dies möglich machen, ist der Pilz im Vorteil (Funde in Norwegen und im Bayerischen Wald – dort nach Abtauen größerer Schneeblocks durch zusammengepresstes Moos wachsend gut erkennbar). Auch ist es so, dass sich der herausschauende Fruchtkörper (die Stiele sind stets im Moos eingesenkt und reichen bis zur Heidelbeere) in den optisch relativ homogenen Torfmoos-Polstern leichter entdecken lässt als anderswo. Die beiden Funde im Schwäbischen Wald gelangen beide in dichtem Wuchs von Sphagnum mit relativ kleinen Heidelbeerbüschen in noch relativ naturnah erhaltenen Bauernwäldern mit örtlich größeren Vernässungsbereichen mit Torfmoos in der Bodenschicht. ich bin schon gespannt, ob ich 2025 weitere Fundorte im Schwäbischen Wald und auf der Ostalb (dort gibt es laut pilze-deutschland Nachweise) entdecken kann.

Monilinia-Arten („Fruchtbecherlinge“) gehören zur Familie Sclerotiniaceae der Ordnung Helotiales – letztere umfasst den Löwenanteil dessen, was man unter dem Begriff „inoperculate Becherlinge“ zusammen fassen kann – solchen also, die ihre Sporen durch einen Porus aus dem Schlauch entlassen (dieser ist hier amyloid – vgl. Mikrofotos). Die Familie Sclerotiniaceae („Sklerotienbecherlings-Verwandte“) umfassen vor allem Parasiten an allerlei Pflanzen, die entweder reine Pilz-Sklerotien (wie Sclerotinia selbst mit dem Anemonen-Becherling S. tuberosa) oder „falsche“ Sklerotien unter Einschluss von Pflanzengewebe ausbilden oder auch „nur“ ihr Substrat durchwachsen und „sklerifizieren“ wie in unserem Falle bei Monlinia. Vielen bekannt dürfte auch sein, dass Fruchtbecherlinge auch Nebenfruchtformen (Anamorphen) ausbilden, die unter dem Namen Monilia bekannt sind und als Parasiten z.B.  Schimmel und Fäule auf Nutzfrüchten (z.B. Kirschen, Äpfeln u.a.) verursachen. Meine Funde von M. baccarum betreffen alle die (sexuelle) Hauptfruchtform (Teleomorphe). Für die Familie Sclerotiniaceae ist ein besonderer Typus des Apikalapparates der Schläuche charakteristisch. Der Sclerotiniaceae-Typ sieht im optischen Schnitt oben und unten etwas angeschwollen aus (andere Typen sind der weit verbreitete Calycina-Typ (oben angeschwollen) und der Hymenoscyphus-Typ (im optischen Schnitt zwei Striche ohne Anschwellungen).

Monilinia baccarum 12 Hymenium Asci Schlauche Paraphysen Sporen Heidelbeer Fruchtbecherchen grosse kleine Pilzexpertin Feldmykologe PSV Pilzschule Krieglsteiner Pilz Custom
Monilinia baccarum 14 Ascus Spitzen Apex Sporen Oltropfen Guttulen ellipsoidisch abgerundet Baden Wuerttemberg Ostalbkreis Kochertal Waldmannshofen PIlzexpertin Pilz Custom
Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) am 10.03.2023 im Schwäbischen Wald nw. Eschach-Waldmannshofen (MTB 7025/3 - GPS ca.: N 48° 55' 5,11''  E 9° 51' 14,52''), 460 m NN, bewaldeter Hang zum Kochertal, in feuchter Partie von örtlich saurem, teils erfreulich nährstoffarmem Nadelmischwald (Buchen-Tannenwald mit Fichten), an Heidelbeer-Früchten vom Vorjahr, vergraben in dichtem Polster von Torfmoos (Sphagnum spec.), leg. Tobias Traulich bei Seminar von Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner) Gefunden wurden 3 (2+1) Fruchtkörper - von dieser Aufsammlung stammen alle Mikrofotos. Alle MIkrofotos in Wasser (auch Färbungen mit Lugolscher Lösung).. Beachten Sie in der Übersicht die breit zylindrischen Schläuche (Asci). 
Monilinia baccarum 13 Asci 8 sporig 4 grosse klein guttulat Tropfen Paraphysen Hymenium Baden Wuerttemberg Waldmannshofen Kochertal Untergroningen Ostalbkreis Pilz Custom
Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) aus Waldmannshofen (Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg - Funddaten s.o.). Beachten Sie den Schlauch mit oben 4 großen und unten 4 noch nicht ganz reifen kleinen Sporen. Die Mehrzahl der Schläuche hat diese Verteilung.
Monilinia baccarum 15 Asci 8 sporig oben 4 kleine unten 4 grosse Sporen Paraphysen Hymenium Schlauchpilze Ascomyceten Mikroskopie inoperculate Becherlinge Pilz Custom
Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) aus Waldmannshofen (Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg - Funddaten s.o.).. Beachten Sie den oberen Schlauch mit oben 4 kleinen und unten 4 großen Sporen. Diese umgekehrte Verteilung tritt seltener auf, wurde aber an einigen Stellen gesehen. 
Monilinia baccarum 16 Paraphysen Apices Spitzen keulig fadig filiform clavat Schlaeuche Asci Sclerotiniaceae Sklerotienbecherlinge Fruchtbecherchen Heidelbeer Pilz Custom
Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) aus Waldmannshofen (Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg - Funddaten s.o.).- Beachten Sie die Spitzen der fast inhaltsleeren, fädigen bis schmalkeuligen Paraphysen. 
Monilinia baccarum 17 Sporen frei grosse kleine Tropfenmuster guttulat Ascomycetes Ascomycota Schlauchpilze inoperculate Becherlinge Pezizomycotina Helotiales Leotia Custom
Monilinia baccarum 18 Sporen grosse Guttulen Tropfen Sporeninhalt abgerundet ellipsoidisch Waldmannshofen Kochertal Baden Wurttemberg Wuerttemberg Stuttgart Custom
Monilinia baccarum 19 Sporen grosse kleine Sclerotinia trifoliorum Klee Sklerotienbecherling Heidelbeer Fruchtbecherchen deutscher Name lateinischer Pilz Kurs  Custom
 Monilinia baccarum 20 Sporen grosse kleine Mykologe Krieglsteiner German wikipedia Baden Wuerttemberg Deutschland Harz Norwegen Bayerischer Wald Skandinavien Heidel Custom
 Monilinia baccarum 21 Sporen grosse kleine Mykologe Wasser Praeparat Praparat Immersion Mikroskopie Pilze Ascomyceten Schlauchpilze Becherlinge inoperculate Fruchte Custom
 Monilinia baccarum 22 Sporen Wasser lebend tot Vitaltaxonomie Baral in vivo veritas Becherlinge Fruhling vernal discomycete fruit Vaccinium myrtillus Ostalbkreis Custom
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) aus Waldmannshofen (Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg - Funddaten s.o.) - beachten Sie die großen und kleinen freien Sporen. 
 Monilinia baccarum 23 Ascus Apex inoperculat Porus blau IKI euamyloid 2 Linien Apikalapparat Sclerotiniaceae Typ Jod Staerke Starke Pilz Mikroskop Untersuchung super
 Monilinia baccarum 24 Ascus Apex blau inoperculat Porus Reife Entlassung Sporen entlassen Schlauch keulig Mykologe Torfmoos Sphagnum sauer Stickstoff Duengung Dungung
 Monilinia baccarum 25 Ascus Apex Schlauchspitze Pezizomycotina Ascomycota Becherling Monilia Anamorphe Monilia Faeule Faule Obst fructigena Monilinia Pilzkurse
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) aus Waldmannshofen (Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg - Funddaten s.o.). - beachten Sie den in Baralscher Lösung (konzentrierter Lugolscher Lösung) blau verfärbten Ascus-Porus vom Sclerotiniaceae-Typ. Hier erscheint der Apikalapparat im optischen Schnitt apikal und basal erweitert. Andere Typen sind der verbreitete Calycina-Typ und der Hymenoscyphus-Typ.
 Monilinia baccarum 26 Ascus Haken pleurorhynch Schnallen Basidiomycota Standerpilze Basidie Staender Pilzgruppen Pilzkenntnis Pilzpapst Feldmykologe Pilzexpertin
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) aus Waldmannshofen (Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg - Funddaten s.o.) - Bei Becherlingen mit langen Schläuchen ist es oft nicht einfach, die Haken-Verhältnisse an der Basis passabel aufs Foto zu bekommen. Hier nur halbwegs gelungen im Lugol-Präparat.
 Monilinia baccarum 27 Exzipulum Gehause Gehaeuse haploid dikaryotisch Fruchtschicht Generationengemisch Schlauchpilze Teleomorphe Anamorphe Monilina Obst Faule Mumie Custom
 Monilinia baccarum 28 Excipulum ectale Medulla entale duenne Hyphen angeschwollen breit textura Mikroskopie Becherlinge discomycetes Krieglsteiner in vivo veritas Custom
 Monilinia baccarum 29 Excipulum Exzipulum Gehaeuse Zellen braunes Pigment pigmentiert Anatomie Becherlinge Mikroskopie Schnitt Pilzkenntnis Artenkenntnis biodivers Custom
 Monilinia baccarum 30 Exzipulum Feldmykologe Ericaceae Heidekrautgewaechse Obst Beeren Fruechte Fruchte fructicol excipulum textura prismatica Zellen Hyphen Gewebe Custom
 Heidelbeer-Fruchtbecherchen (Monilinia baccarum) aus Waldmannshofen (Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg - Funddaten s.o.). - verschiedene Ansichten des Exzipulums (Gehäuses) im Schnitt. Die oberen Bilder zeigen eine dünne Auflage auf dem ektalen Exzipulum als schmalzellige textura porrecta - weiter innen sind die Zellen breiter und entsprechen textura prismatica. Das braune Pigment ist außen am stärksten.

 

Der Heidelbeer-Fruchtbecherling (Monilinia baccarum) zeichnet sich unter den Gattungs-Genossen durch ein eigentümliches Alleinstellungs-Merkmal aus: in den Schläuchen werden 4 große und 4 kleine Sporen gebildet. Ob diese unterschiedliche Funktionen haben und/oder beide gleichartig zu Keimung und Reproduktion beitragen, ist zumindest mir nicht bekannt. Auf alle Fälle haben zwar andere Monilinia-Arten dieses Merkmal nicht (z.B. nicht M. urnula an Preiselbeeren – bei gemeinsamem Vorkommen von Heidel- und Preiselbeere gefundene Proben können schnell mikroskopisch zugeordnet werden), es taucht aber noch bei einer anderen mir bekannten sehr charakteristischen Art der Familie auf, bei dem „echten“ Sklerotienbecherling Sclerotinia trifoliorum („Klee-Sklerotienbecherling“). Diese Art hat hellere, flachere Becher, kleinere Sporen und ein anders aufgebautes Gehäuse (bei Monilinia baccarum: Exzipulum ectale textura porrecta, weiter innen prismatica – vgl. Mikrofotos).  Auch 4sporige Schläuche (S. capillipes an Erlenlaub) sind in der Verwandtschaft bekannt. Etliche Monilinia-Arten infizieren Blüten mit ihren Ascosporen und mumifizieren die aus der Befruchtung resultierenden Beerenfrüchte, aus denen im nächsten Frühjahr dann wieder die Hauptfruchtform gebildet wird.

Nun hoffe ich, etwas Klarheit ins Gewirr von Monilinia und Monilia gebracht zu haben – hüten sollte man sich vor Versprechern zu Molinia – dann ist man nämlich beim Pfeifengras angelangt 😉

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Pilz des Monats März 2024 – Schildförmige Mehlscheibe oder Bergkiefern-Mehlscheibe (Aleurocystidiellum subcruentatum, auch bekannt als Aleurodiscus scutellatus)

Rindenpilze (corticioide Pilze, resupinate Basidiomyceten mit dem Fruchtkörpertyp des Crustotheciums) haben in meiner Beschäftigung mit den Pilzen deutlich an Wichtigkeit zugenommen – und nachdem ich solche Pilze viele Jahre lang entweder ignorierte oder Funde durch Spezialisten bestimmen ließ, habe ich in den letzten Jahren doch ziemlich aufgeholt und bin heute in der Lage, nicht unbedingt alle meine Funde in diesem Bereich, aber zumindest doch viele von ihnen selbständig zu bestimmen. So auch diesen Fund von unserer diesjährigen Exkursionsreise in die Slowakei, auf der es insgesamt nicht unbedingt hervorragendes Pilzwachstum gab und so alle Pilzgruppen angeschaut wurden. Bergkiefern-Gebüsche (Latschengebüsche – die Bergkiefer Pinus mugo hat verschiedene Unterarten) sind eine Angelegenheit von Gebirgslagen in der montanen und vor allem subalpinen Stufe, wo solche Gebüsche den Übergang vom Wald zu alpinen Vegetationstypen darstellen. Bergkiefer ist somit ein interessantes Substrat – und ich habe ja bereits einen Fund auf diesem Substrat aus der Hohen Tatra hier vorgestellt (Pilzkunde.de - Dr. Lothar und Katharina Krieglsteiner – Colpoma crispum - Krause Zweige-Spaltlippe - Seite 3).

Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner

 

Dieser Rindenpilz überraschte mich unter dem Mikroskop sofort durch seine sehr großen Sporen von grob ca. 15-20 µm Länge, die reichlich im Präparat zu finden waren. Die Idee, bei der Großgattung Aleurodiscus zu schauen und die Sporen daraufhin gleich einmal mit Melzers Reagens auf Amyloidität zu prüfen, war somit naheliegend – und so war auch die Bestimmung letztlich eine Frage weniger Minuten. Die recht wenig bekannte Art dürfte im Alpenraum und anderen Hochgebirgslagen Mitteleuropas weit verbreitet sein und besiedelt neben Pinus mugo gelegentlich auch andere Nadelholz-Substrate.

Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - Sporen in KOH wirken glatt und etwas dickwandig, auffällig durch ihre "schiere Größe"
Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - nach Zugabe von Melzers Reagens sind die Sporen blau(violett) angefärbt, sind also (wie viele Russulales) deutlich amyloid, wirken aber großenteils immer noch glatt.
Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - nur wenige Sporen in mehreren Präparaten zeigen das bei Reife typische warzige Ornament, sichtbar erst in Melzers Reagens.
Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - beachten Sie den deutlichen Apiculus (Appendix) an der glatt wirkenden, amyloiden Spore. Dieser zeigt die Stelle, wo die Spore am Sterigma (des 4-sporigen Ständers, s.u.) ansaß und wo der Tropfen den Abschuss der Spore bewirkte.
Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - das Foto zeigt die inkrustierten und dickwandigen Skeletozystiden, die im Schnitt-Präparat nicht schwer zu finden sind (erstes Foto in KOH, zweites mit Melzers Reagens)
Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - das Foto zeigt die obere Hälfte einer Basidie (Ständer) mit 4 Sporen. Nicht im Foto und nicht immer leicht ins Bild zu bekommen ist die basale Schnalle. Auf sie können wir hier aber bei der Diagnose auch verzichten :-)
Aleurocystidiellum subcruentatum 11 Zeichnung Hanna Maser Karl Neff German J Krieglsteiner Berchtesgadener Alpen Latsche Sporen glatt Deutschland Bayern
Schildförmige Mehlscheibe (Bergkiefern-M. Aleurocystidiellum subcruentatum) am 29.06.2023 bei Strbske pleso in der Hohen Tatra (Slowakei), an stehendem Stämmchen von Pinus mugo in subalpinem Latschengebüsch, an 2 Stellen, GPS: N49°8'40.66" E20°2'22.59", ca. 1800 m NN, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - Scan einer Zeichnung von Dr. Hanna Maser (verstorben 2010) eines Fundes von Karl Neff aus Oberkochen (verstorben seit ?) aus den Berchtesgadener Alpen, ebenfalls an Pinus mugo (Latschenkiefer). Wie bei meinem Fund war das Auffinden des Sporen-Ornamentes nicht so einfach.

 

Einziges Problem bei der korrekten Bestimmung war die Tatsache, dass die Sporen ornamentiert sein sollten und ich zunächst ganz lange nur glatte Sporen fand, bevor schließlich in weiteren Präparaten einzelne warzig-ornamentierte entdeckt werden konnten. Der Vergleich der Analyse von Frau Dr. Maser (letztes Foto in der Tabelle unten) eines Fundes von Karl Neff (Arbeitsgemeinschaft Mykologie Ostwürttemberg) aus den Berchtesgadener Alpen zeigt aber, dass die 2010 verstorbene Grand Madame der süddeutschen Rindenpilzkunde ebenfalls mit diesem Merkmal ihre Schwierigkeiten hatte, sie schreibt „Sporen glatt, …, in einem älteren Frk. Sporen zum Teil glatt, z.T. fein warzig in Melzer“. Damit sind dann alle Zweifel beseitigt.


Pilz des Monats Februar 2024 – Orangeseidiger Klumpfuß (Cortinarius rufoallutus – neuerdings auch Thaxterogaster rufoallutus)

Thaxterogaster …. – nun ja, an solche und andere neue Namen wird man sich  in der Zukunft auch im Bereich der Schleierlinge gewöhnen müssen. Die Mega-Gattung Cortinarius wird derzeit in ihre Einzelteile zerlegt, teils gemischt mit gasteroiden Arten (secotioide und trüffel-artige Pilze), deren Namen wie im Falle von Thaxterogaster dann teils sogar als Gattungsnamen für in der Mehheit ganz normale Schleierlinge dienen dürfen. Nichts Neues insofern, da es auch in anderen Pilzgruppen ganz ähnliche Entwicklungen gegeben hat und weiterhin geben wird. Trotzdem bleibe ich im Falle von Cortinarius vorerst konservativ und nenne alle Schleierlinge vorerst weiter mit dem alten Gattungsnamen, denn noch scheint die Neuordnung nicht abgeschlossen zu sein und es schadet  meiner Meinung nach nicht, vorerst noch abzuwarten.

Die heute vorgestellte Art hätte man bis vor Kurzem noch als „normalen“ Sägeblatt-Klumpfuß (Cortinarius multiformis) oder als dessen Variante coniferarum (heute ein Synonym wie der alte Name C. allutus) bestimmen müssen, denn die aktuell maßgebliche Bearbeitung der Sektion Multiformes erfolgte erst 2014 (Brandrud & al.: Cortinarius subgenus Phlegmacium section Multiformes in Europe, Journal des J.E.C. No. 16., S. 62 – 199). Ein Klumpfuß ohne gelb-grüne oder violette Farbtöne und mit den typisch gesägten Lamellenschneiden ist in der Artengruppe multiformis schnell untergebracht.

Orangeseidiger Klumpfuß (Cortinarius rufoallutus - jetzt auch Thaxterogaster rufoalltutus) am 31.10.2021 im Leintal bei der Leinmühle s.Spraitbach (Deutschland, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch-Fränkischer Wald, MTB 7124.2, 443 m NN, GPS: N48° 51' 15,28'' E9° 45' 52,53'' ), unter Fichte (Picea abies), Weißtanne (Abies alba) und weiter weg auch Buche (Fagus sylvatica) in paenemontanem Nadelmischwald über basenreichem Knollenmergel, gesellig, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - beachten Sie die kräftige Hutfarbe, den kurzen, gedrungenen Stiel sowie die weißliche Farbe von Fleisch, Stiel und Cortina.
Orangeseidiger Klumpfuß (Cortinarius rufoallutus - jetzt auch Thaxterogaster rufoalltutus) am 31.10.2021 im Leintal bei der Leinmühle s.Spraitbach (Deutschland, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch-Fränkischer Wald, MTB 7124.2, 443 m NN, GPS: N48° 51' 15,28'' E9° 45' 52,53'' ), unter Fichte (Picea abies), Weißtanne (Abies alba) und weiter weg auch Buche (Fagus sylvatica) in paenemontanem Nadelmischwald über basenreichem Knollenmergel, gesellig, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - beachten Sie in Foto 3 die hellen Flecken auf der Huthaut, in Foto 4 die gesägten Schneiden der farbarmen Lamellen. Ersteres ist ein Artmerkmal, zweiteres ein Merkmal der Artengruppe.
Orangeseidiger Klumpfuß (Cortinarius rufoallutus - jetzt auch Thaxterogaster rufoalltutus) am 31.10.2021 im Leintal bei der Leinmühle s.Spraitbach (Deutschland, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch-Fränkischer Wald, MTB 7124.2, 443 m NN, GPS: N48° 51' 15,28'' E9° 45' 52,53'' ), unter Fichte (Picea abies), Weißtanne (Abies alba) und weiter weg auch Buche (Fagus sylvatica) in paenemontanem Nadelmischwald über basenreichem Knollenmergel, gesellig, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - Beide Fotos zeigen den gleichen Ausschnitt und focussieren auf die fein warzigen Sporen von ca. 8-9l5/5-5,5 µm Größe. Das erste Foto iversucht, auf die Sporenwand im optischen Schnitt zu focussieren - das zweite ist ein Stack mithilfe des BMS-Mikroskop-Programmes.
Orangeseidiger Klumpfuß (Cortinarius rufoallutus - jetzt auch Thaxterogaster rufoalltutus) am 31.10.2021 im Leintal bei der Leinmühle s.Spraitbach (Deutschland, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch-Fränkischer Wald, MTB 7124.2, 443 m NN, GPS: N48° 51' 15,28'' E9° 45' 52,53'' ), unter Fichte (Picea abies), Weißtanne (Abies alba) und weiter weg auch Buche (Fagus sylvatica) in paenemontanem Nadelmischwald über basenreichem Knollenmergel, gesellig, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - die Huthautschnitte (zunächst eine Übersicht in 400x-Vergrößerung, dann 1000x) zeigen das zebra-artig spiralig inkrustierende Pigment auf einigen Hyphen der Subcutis sowie in den mittleren beiden Fotos jeweils eine der zahlreichen zu beobachtenden Schnallen.

 

Als ich die oben zitierte Arbeit vor einigen Tagen heranzog, um eine Probe aus einem Nadelmischwald im Schwäbischen Wald (Baden-Württemberg) zu bestimmen, war ich durchaus skeptisch, ob die neue Bearbeitung zum Ziel führen würde, denn durchaus oft kommt man gerade in schwierigen Gattungen wie Cortinarius auch mit neuen Bearbeitungen nicht unbedingt immer sicher zum Ziel. Diese Probe ließ sich allerdings erstaunlich problemlos zuordnen. Durch die kräftigen Farben, die Ökologie im Nadelwald (nun ja – Buchen gab es auch in Fundortnähe, aber die Laubwaldarten sollen alle heller gefärbt sein …) und die Sporengröße kommt man gut zum Schlüsselpaar mit der Zielart. Und dann hat C. rufoallutus zwar die gleiche Sporengröße (übrigens ermittelte ich in seltener Eintracht genau die bei Brandrud & al. Angegebenen Werte!) wie C. mutliformis (letztere soll blasser sein und längere Stiele haben), aber es gibt ein schönes differenzierendes Merkmal, und zwar bei C. rufoallutus zebra-artig inkrustierendes Pigment in der Subcutis der Huthaut. Schnell ein Huthautschnitt und – holla, die Waldfee: tatsächlich, das Pigment ließ sich erstaunlich schnell und problemlos nachweisen. Alles passt also zusammen.

Wie selten oder häufig C. rufoallutus „bei uns“ ist, lässt sich derzeit kaum sagen, denn bisher wurde die Art sicherlich meist (auch von mir) als C. multiformis (oder früher als C. allutus) bestimmt. Brandrud & al. schreiben zur Verbreitung: „Rare but widespread in the Nordic boreal spruce forest region. Apparently very rare in the montane-subalpine regions of Cental Europe but sequenced material is documented from France (holotype) and from Italy“. Deutschland wird als Fundregion nicht erwähnt und Nachschlagen auf pilze-deutschland brachte (unter Thaxterogaster rufoallutus) zwar eine Karte, aber ohne darin enthaltene Fundpunkte. Dennoch wäre ich vorsichtig, von einem Neufund für Deutschland zu sprechen, denn erstens melden nicht alle Bearbeiter ihre Funde (ich z.B. auch nicht …), und außerdem könnte es gut sein, dass in den Herbarien (womöglich gar unter meinen eigenen älteren Aufsammlungen) Kollektionen von C. rufoallutus unter multiformis oder allutus liegen könnten. Das ist die Crux mit der Pilze-Bestimmung: man muss seine alten Fehlbestimmungen immer und immer wieder hinterfragen …. ;-(

Nun: die vorgestellte Aufsammlung betrachte ich allerdings derzeit als eindeutig C. rufoallutus (bzw. Thaxterogaster r.). Es passt einfach alles: Ökologie, makroskopische Merkmale (orange Hutfarbton, Flecken auf dem Hut, kurzer Stiel, Sporengröße und vor allem das zebra-artige inkrustierende Pigment inder Subcutis).


Pilz des Monats Januar 2024 – Scharfer Brauntäubling (Russula adulterina)

Fast 10 Jahre ist es bereits her, dass ich zum ersten und bisher einzigen Mal einen Täubling zum Pilz des Monats auswählte – damals im Juli 2014 war dies der Erlen-Täubling (Russula alnetorum).  Die lange Pause könnte daran liegen, dass Russula nicht meine Lieblingsgattung ist, wenn es um Pilz-Mikroskpie geht. Hin und wieder arbeite ich daran, das zu ändern. Einen meiner Versuche habe ich heute herausgesucht.

Der Fund gelang „zuhause“ im Schwäbischen Wald (Baden-Wrttemberg, n. Schwäbisch Gmünd)  in einem paenemontanen Nadelmischwald (potenziell Tannen-Buchenwald mit forstlich eingebrachten Fichten) über basenreichem Standort. Die bereits im August 2021 bei Tanau (Gemeinde Durlangen) gefundenen Fruchtkörper erinnerten makroskopisch stark an Formen des Braunen Ledertäublings (Russula integra) – die Zungenprobe ergab aber schnell einen deutlich scharfen Geschmack.

Mikroskopisch besonders auffällig waren für mich die stark und lang ornamentierten, großen Sporen – allein damit kam ich nach Literaturvergleich bald zu R. adulterina. Die Bestimmung wurde inzwischen auch von Felix Hampe anhand von Bildvergleich bestätigt. Dies ist nicht unnötig, denn – scharfe Dottersporer sind in der Gattung Russula nicht die einfachste Gruppe und so mancher Artname (so auch R. adulterina) wurde von unterschiedlichen Autoren unterschiedlich interpretiert. Zumindest nach der momentan in Mitteleuropa hauptsächlich genutzten Literatur (Einhellinger 1985 und Marxmüller 2014) sollte die Bestimmung korrekt sein. Die PIleozystiden waren bei meinem Fund keulig und oft mehrfach septiert. Sie sind hier in KOH mikroskopiert worden (und somit wie unter Russula-Bearbeitern üblich in totem Zustand beurteilt). Die lebend durchaus strukturiert-„körnigen“ Inhalte der Gloeozystiden werden durch das Absterben zum typischen „Glasbruch“ der Täublings-Zystiden. Die Huthaut-Haare sind oft verzweigt und teils etwas divertikuliert. Die Sporenfotos sind natürlich angefärbt, und zwar wie üblich mit Melzers Reagenz – nur in diesem Medium sind die Sporen-Ornamente der Täublinge gut zu beurteilen.

Der Fund bei Tanau hat eine wenig aussagekräftige, mehr braune Hutfarbe und kann als Blässling interpretiert werden, wie sie verschiedenste ansonsten deutlicher – im Falle von R. adulterina typischer Weise dunkler purpurbraun – gefärbte Täublinge haben können. Wie ich immer bei Kursen sage: Hut- und auch Stielfarben sind bei Täublingen zwar durchaus sehr wichtige Merkmale, aber auf der anderen Seite sehr wenig verlässlich. Das führt dazu, dass in manchen Gruppen der Gattung Bestimmungen ohne Mikroskopie nur sehr erfahrenen Kennern mit Abstrichen möglich sind, zu denen ich mich nicht zähle.

Scharfer Brauntäubling (Russula adulterina) am 30.08.2021 in der "Spitzhalde" bei Tanau (Welzheimer Wald als Teil des Schwäbisch-Fränkischen Waldes, bei Durlangen, n. Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, Baden-Württemberg) unter Tanne (Abies alba) sowie weiter weg auch Fichte (Picea abies) und Buche in paenemontanem Nadelmischwald über (kalkhaltigem) Knollenmergel (Keuper), 502 m NN, GPS: N48° 52' 28,71'' E9° 47' 36,83'' (ca. - Foto ohne GPS-Daten), leg., Katharina & Lothar Krieglsteiner,  det.., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Felix Hampe im August 2023 anhand von Fotomaterial. - Beachten Sie die unscheinbar braune Hutfarbe, wie sie als Pigmentverlust-Variante gedeutet werden kann.
Scharfer Brauntäubling (Russula adulterina) am 30.08.2021 in der "Spitzhalde" bei Tanau (Welzheimer Wald als Teil des Schwäbisch-Fränkischen Waldes, bei Durlangen, n. Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, Baden-Württemberg) unter Tanne (Abies alba) sowie weiter weg auch Fichte (Picea abies) und Buche in paenemontanem Nadelmischwald über (kalkhaltigem) Knollenmergel (Keuper), 502 m NN, GPS: N48° 52' 28,71'' E9° 47' 36,83'' (ca. - Foto ohne GPS-Daten), leg., Katharina & Lothar Krieglsteiner,  det.., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Felix Hampe im August 2023 anhand von Fotomaterial. - das Sporenpulver ist an der dunkelsten Kante der Gattung Russula, dottergelb schon mit einem Zug ins Orange (IVe). Dunkler geht es in Europa nicht.
Scharfer Brauntäubling (Russula adulterina) am 30.08.2021 in der "Spitzhalde" bei Tanau (Welzheimer Wald als Teil des Schwäbisch-Fränkischen Waldes, bei Durlangen, n. Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, Baden-Württemberg) unter Tanne (Abies alba) sowie weiter weg auch Fichte (Picea abies) und Buche in paenemontanem Nadelmischwald über (kalkhaltigem) Knollenmergel (Keuper), 502 m NN, GPS: N48° 52' 28,71'' E9° 47' 36,83'' (ca. - Foto ohne GPS-Daten), leg., Katharina & Lothar Krieglsteiner,  det.., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Felix Hampe im August 2023 anhand von Fotomaterial. - beachten Sie das kräftige, bis gut 2 µm lange Sporen-Ornament aus isolierten Stacheln. Die Sporengröße selbst maß ich mit beachtlichen ca. 9,5-12/8,5-10,5 µm. 
Scharfer Brauntäubling (Russula adulterina) am 30.08.2021 in der "Spitzhalde" bei Tanau (Welzheimer Wald als Teil des Schwäbisch-Fränkischen Waldes, bei Durlangen, n. Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, Baden-Württemberg) unter Tanne (Abies alba) sowie weiter weg auch Fichte (Picea abies) und Buche in paenemontanem Nadelmischwald über (kalkhaltigem) Knollenmergel (Keuper), 502 m NN, GPS: N48° 52' 28,71'' E9° 47' 36,83'' (ca. - Foto ohne GPS-Daten), leg., Katharina & Lothar Krieglsteiner,  det.., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Felix Hampe im August 2023 anhand von Fotomaterial. - die Mikroskopie der Huthaut zeigt zum Einen keulige, aber auch zylindrische, teils mehrfach septierte Pileozystiden (alle in totem Zustand) sowie feingliedrige, verzweigte und teils leicht divertikulierte "Haare" (wie die Grundhyphen des Täublingshutes genannt werden).

 

R. adulterina gilt als relativ seltene Art, besonders in tiefer gelegenen Regionen und stellt für den Schwäbisch-Fränkischen Wald einen interessanten Nachweis dar. Die Art scheint ist insgesamt eher montan verbreitet, gilt als Art der Gebirglagen in Nadelwald (Fichte Picea abies sowie Tanne Abies alba) auf basenreichem Standort. Ob am Fundort bei Tanau Tanne oder Fichte Mykorrhizapartner ist, kann von mir nicht geklärt werden. Ob sich das Vorkommen bei Tanau im Zuge des Klimawandels halten kann, ist ebenso offen.

 

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