Pilz des Monats August 2022 – Wolliger Korkstacheling (Hydnellum mirabile)

Gestern sind wir von unserer Exkursionsfahrt nach Skandinavien (Schweden und dann Norwegen) zurück gekehrt – und eine der sich nun stapelnden Aufgaben ist es, den „Pilz des Monats“ zu erstellen. Deshalb gibt es heute einen eher kleinen Beitrag und ich stelle einen tollen Einzelfund vor, von einer Art, die ich bisher durch eigenen Funde nur von etwas älteren Aufsammlungen aus Portugal (Algarve) kannte (die ich heute nicht in den Beitrag einschließe).

In der Nähe von Snåsa (Norwegen, Trøndelag) machten wir eine Tour auf eine teilweise unter Schutz stehende Halbinsel, die auf beiden Seiten mit einem Wanderweg erschlossen ist.  Es war leider die einzige Exkursion, bei der wir Kiorkstachelinge finden konnten – dafür aber verschiedene Arten (neben H. mirabile noch H. peckii und Phellodon cf. confluens und P. tomentosus). Es handelte sich um einen nährstoffarmen Kiefernwald mit Beersträuchern und auch z.T. Bodenflechten (Cladonia stellaris u.a.), ein typisches Habitat für Korkstachelinge, wie es leider auch in Norwegen zumindest in Tallagen immer seltener wird (Norwegen hat in den letzten Jahren bezüglich Intenisv-Landwirtschaft und Düngung stark „aufgeholt“). Der Boden erschien auf den ersten Blick sauer, allerdings zeigten verschiedene Pflanzen (z.B. Wintergrün-Arten) einen gewissen Basenanteil des Bodens an. Häufig hat man in niederschlagsreichen, kalten Regionen eine stärkere Humusbildung, die eine unterschiedlich dicke, saure Auflage auch über basenreichem Ausgangsgestein schafft, welche aber von Pflanzen und Pilzen mit tiefer reichendem Wurzel- bzw. Myzelsystem durchdrungen wird.  Bei uns in Deutschland sind dickere Humusauflagen immer seltener – Nährstoffeinträge und Temperaturerhöhungen lassen den Abbau der Baumstreu beschleunigen.

Hydnellum mirabile 1 Wolliger Korkstacheling Norwegen Trondelag Snasa Flechten Kiefernwald Naehrstoffeintraege Cladonia stellaris Moose Kalk sauer Krieglsteiner
Hydnellum mirabile 2 Wolliger Korkstacheling Thelephoraceae Mykorrhiza Fleisch scharf KOH Reaktion schwach ohne Schnallen selten Pilzschule Schwaebischer Wald
Hydnellum mirabile 3 Wolliger Korkstacheling Hutoberseite strohgelb rotbraun Faerbender Braunporling Phaeolus schweinitzii Norwegen Skandinavien Pilzexpertin
Hydnellum mirabile 4 Wolliger Korkstacheling PSV Feldmykologe Pilzexpertin Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Norwegen Trondelag
Hydnellum mirabile 5 Wolliger Korkstacheling Fleisch blass gezont Geschmack scharf Hydnum acre Naehrstoffeintraege Duengung Humus basenreich sauer Feldmykologe
Hydnellum mirabile 6 Wolliger Korkstacheling Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzexperte Pilzfuehrung Pilzseminar Pilzfreunde Feldmykologe
Hydnellum mirabile 7 Stacheln Zuwachszone blass strohgelb Geschmack scharf PSV Feldmykologe Pilzexpertin Katharina Krieglsteiner Norwegen Snasa Trondelag selten
Hydnellum mirabile 8 Humusauflage Basenanteil Flechten Cladonia Myzelsystem Schnallen Geschmack scharf Feldmykologe Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
Wolliger Korkstacheling (Hydnellum mirabile) am 10.07.2022 auf der Halbinsel Alnestangen im See Snåsavatnet (Norwegen, Trøndelag, w. Snåsa, GPS: N64°12'19.10" E12°9'18.58", ca. 24 m NN) in moosiger Partie von nährstoffarmem Kiefernwald über basenhaltigem Gestein, bedeckt durch dicke Humusauflage, gesellig und frisch fruchtend, in etwa 3 m Abstand zu Phellodon cf. confluens, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner

H. mirabile ist durch mehrere Merkmale gut kenntlich. Zum einen die starke Filzigkeit vor allem der Hut-Oberseite, die mit junge strohgelber, dann rotbrauner Färbung aufwartet und im Farbspiel ein wenig an den Färbenden Braunporling (Phaeolus schwenitzii) erinnert. Dazu das helle zonierte Fleisch, das mit KOH kaum Verfärbungen erfährt. Und nicht zuletzt noch der deutlich scharfe Geschmack, der schon zur Benennung als Hydnum acre Quel. 1878 (heute ein Synonym) führte. Eine mikroskopische Untersuichung, die das Fehlen von Schnallen und die passende Sporengröße verifiziert, erübrigt sich fast, wenn man nur die Identifikation im Blick hat.

Korkstachelinge sind nicht immer leicht zu bestimmen, vor allem, wenn man nur ältere oder auch nur junge Fruchtkörper zur Verfügung hat. Die Probe aus Snåsa war hier eine wohltuende Ausnahme 😊.


Pilz des Monats Juli 2022 – Glatter Sumpf-Nabeling (Arrhenia oniscus)

Derzeit auf Exkursionsfahrt in Skandinavien gibt es trotz momentan (noch – es hat vorgestern geregnet) geringen Pilz-Aufkommens die Möglichkeit, die eine oder andere in Deutschland sehr selten gewordene Pilzart zu studieren, so die hier vorgestellte. Sie ist eine von drei Nabelings-Arten, die (mit welcher exakten Biologie auch immer) ausschließlich in Torfmoos-Rasen in Moor-Standorten gefunden werden können. Ihr Hut ist im Gegensatz zu den beiden anderen Arten nicht schuppig, sondern nur unter der Lupe gut erkennbar eingewachsen faserig bis uneben (eine gewisse Berg- und Tal-Landschaft mit radialer Struktur). Die wohl seltene A. philonotis hat helle Schüppchen, die häufigere A. gerardiana (früher A. sphagnicola) dunkle Schüppchen auf hellem Grund – diese Art haben wir in den letzten Tagen ebenfalls (zweimal) finden können.

(bitte etwas nach unten scrollen ...)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arrhenia oniscus Glatter Moor Nabeling Omphalina philonotis gerardiana sphagnicola Sphagnum Moore Norwegen Nationalpark Lomsdal Visten Krieglsteiner
Arrhenia oniscus Glaltter Moor Nabelng Skandinavien Norwegen Sphagnum Moore Nationalpark Lomsdal Vsten Pilzschule Schwbischer Wald Krieglsteiner Feldmykolog
Arrhenia oniscus fusconigra Lichenomphalia umbellifera Norwegen Feldmykologe Nationalpark Lomsdal Visten Hochmoor Sphagnum Krieglsteiner Pilzexperte Pilzkurs
Glattter Moor-Nabeling (Arrhenia oniscus) am 28.06.2022 südwestlich von Trofors (Gamle Stavasdalen) im Nationalpark Lomsdal-Visten (Norwegen), in Moos-Mischrasen von vor allem Sphagnum spec. und Aulacomnium palustre, 2 Frk., leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie die für die Art helle Färbung sowie den glatten, allenfalls faserig-faltig-runzelig skulpturierten Hut.

 

Letzte Sicherheit bei noch vorhandenen Zweifeln bei der Zuordnung bieten Sporenform- und -größe. A. oniscus ist durch relativ kleine (unter 10 µm große), breit ellispoidische (fast rundliche) Sporen charakterisiert, während die von A. philonotis ähnlich geformt, aber deutlich größer sind, und die von A. gerardiana schmaler tränenförmig.

Arrhenia oniscus Sporen Kongorot breit ellipsoidisch Norwegen Nationalpark Lomsdal Visten Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
Glattter Moor-Nabeling (Arrhenia oniscus) am 28.06.2022 südwestlich von Trofors (Gamle Stavasdalen) im Nationalpark Lomsdal-Visten (Norwegen), in Moos-Mischrasen von vor allem Sphagnum spec. und Aulacomnium palustre, 2 Frk., leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie die breit ellipsoidischen, relativ kleinen Sporen (Aufnahme in Kongorot).

 

Allerdings – und nur selten passt ja eine Bestimmung ganz hundertprozentig zur Literatur – sollen de Hüte von A. oniscus dunkel graubraun bis fast schwärzlich sein, was man so zur obigen Aufsammlung kaum sagen kann. Die Sporenform- und -größe in Kombination mit der Skulptur der Hut-Oberfläche lässt aber keine andere Einordnung zu.

Schägt man im Index of Fungi nach, dann wird A. oniscus dort als Synonym zu Lchenomphala umbellifera, dem Heide-Flechten-Naeling geführt (eine „hier“ in Skandinavien sehr häufige Art), was auf den vorgestellten Pilz kaum zutreffen kann. „Nur“ Varietät fusconigra (ein sehr dunkler Pilz) ist als eigene Art anerkannt. Rätsel über Rätsel …

Leider ist es inzwischen sehr schwer geworden, solche Pilze in Deutschland zu studieren, da nährstoffarme Moore hier Mangelware sind. Wollen wir hoffen, dass dies in Skandinavien noch länger anders bleibt.


Pilz des Monats Juni 2022 – Braunborstiger Scheibchentintling (Parasola auricoma)

Tintlinge sind eine Gattung, die man gerne mal ignoriert. Eine der Ausreden ist ja oft, dass man die Pilzchen sowieso nicht heile heim bekommt, da sie in einigen Stunden sowieso zu Tinte zerlaufen sind. Abgesehen davon, dass dies keineswegs für alle Arten zutrifft, macht man dabei einen Fehler, denn Tintlinge gehören zu den mikroskopisch durchaus spannenden und attraktiven Pilzgruppen. Trotzdem ist es auch bei mir so, dass ich Tintlinge meist nur dann aufsammle, wenn sonst nicht allzu viel an Pilzfunden geboten ist. So haben wir auch bei unserer diesjährigen Portugal-Exkursion einige Tintlinge mikroskopiert – die Mehrzahl davon nicht im Freiland gefunden, sondern auf mitgenommenen Proben von Tierkot (Schaf, Kaninchen) „gezogen“. Dies war nötig, denn im Freiland war aufgrund der sehr trockenen Witterung nicht allzu viel zu holen. Von diesen Proben könnte ich hier auch die eine oder andere vorzeigen – aber ich tue dies mit einer anderen Art, die mir zufällig diese Woche über den Weg lief – bei der Gartenarbeit. Es handelt sich um eine Art, die ich früher häufiger fand, aber schon einige Jahre nicht mehr (bewusst …) zu Gesicht bekam. Makroskopisch ist sie allerdings kaum von ähnlichen Scheibchentintlingen der Gattung Parasola zu unterscheiden – einer Gattung, für die (eigentlich ..) das Fehlen von Haaren (und auch korrekter Weise von Velum) typisch ist, was man unter einer guten Lupe (Bino) schnell kontrollieren kann.

Parasola auricoma 1 Braunborstiger Scheibchentintling Naturgarten Kompostbeet Skalpschnitt naehrstoffreich Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner
Parasola auricoma 2 Spraitbach Schwaebisch Fraenkischer Wald Gmuend Ostalbkreis Baden Wuerttemberg Pilzkurse Krieglsteiner Cheilozystiden Lamellen Garten PilzCoach Feldmykologe
Parasola auricoma 3 Detail Hut Garten Krieglsteiner PIlzexpertin Mikroskopierkurs Dunkelsporer Pilzkurse Pilzfuehrung Pilzwanderung qualifiziert
Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Auch unter dem Bino erkannte ich auf dem Hut keine Behaarung. 

Oder mit einem Skalpschnitt – und ich muss zugeben, dass ich erst unter dem Mikroskop die braunen Borsten auf der Hut-Deckschicht entdecken konnte, die zwar durchaus relativ lang, aber auch sehr sehr dünn sind.

P. auricoma ist wie schon geschrieben nur mikroskopisch sicher bestimmbar und da durch die Borsten bereits hinreichend charakterisiert – die relativ großen Sporen mit Keimporus passen aber auch gut zur Art, ebenso die Cheilozystiden und weitere Mikromerkmale.

Parasola auricoma 4 Sporen Keimporus glatt Basidien viersporig Tetrade Spraitbach Krieglsteiner Mikroskopierkurs Lamelle Fruchtschicht Naturgarten
Parasola auricoma 5 Coprinus auricomus Sporen Keimporus hell dunkel reif unreif PIlzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe PSV PilzCoach
Parasola auricoma 6 Sporen glatt Keimporus Sporenwand Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzexpertin PilzCoach Krieglsteiner Feldmykologe
Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie bei den relativ großen, ellipsoidischen, glatten, bei Reife sehr dunklen Sporen den deutlichen Keimporus. Im ersten Foto ist unten auch eine (unreife, helle) Sporentetrade zu sehen - ein Hinweis auf 4sporige Ständer.
 Parasola auricoma 7 Lamellenschneide Cheilozystiden glatt Sporen dunkel schwarz pigmentiert Pilzexpertin Katharina Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe PSV
 Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Das Foto zeigt die glatten, hyalinen Cheilozystiden der Lamellen-Schneide. Makroskopisch wirkt sich diese als weißliche Lamellenschneide bei ansonsten rasch dunkel werdenden Lamellen aus (Sporenreifung nur auf der Fläche).
 Parasola auricoma 8 Hutdeckschicht Pileipellis blasige Zellen Skalpschnitt Mikroskopierkurs Krieglsteiner Feldmykologe PSV Pilzseminare Pilzfuehrung Baden Wuerttemberg
 Parasola auricoma 9 Hutdeckschicht Skalpschnitt gequetscht Pilzschule Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg Deutschland Seminare Pilzkunde Fuehrungen Kurse Natur
 Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Die Fotos zeigen die blasigen Zellen der Hutdeckschicht in einem Skalpschnitt. Dieser gelingt hier durch die plissierte  (faltige) Hut-Oberfläche besonders gut (erstes Foto ungequetscht - zweites Foto gequetscht)
Parasola auricoma 10 Hutdeckschicht Borsten Setae braune Haare Pileipellis Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Pilzexpertin PSV Feldmykologin PilzCoach Schwaebisch Gmuend
 Parasola auricoma 11 Hutdeckschicht Borsten Setae Haare Naturgarten Krieglsteiner Spraitbach Artenvielfalt Biodiversitaet Pilzexperte Pilzschule Liebe Natur Pilze Pilzkurse Pilzexkursionen
 Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. - Hier nun das entscheidende Merkmal der Art - die braunen borstigen Haare auf der Hutdeckschicht. Diese kommen in der Gattung sonst nur noch bei P. conopilus vor. Der "Huthaar-Mürbling" unterscheidet sich jedoch deutlich durch die nicht-plissierten Hüte - deshalb stand er früher nicht wie P. auricoma in Coprinus, sondern in Psathyrella.

 

Die Art ist keineswegs selten, aber gesicherte Bestimmungen sind trotzdem nicht so häufig. Als nährstoffreiche Art scheint sie sich im unserem „Kompost-Feld“ wohl zu fühlen. P. auricoma ist übrigens nicht die erste Parasola in unserem Garten – auch der ebenfalls häufige Breitsporige Scheibchentintling (Parasola leiocephala) hat sich hier schon gezeigt. Mal sehen, ob es mit den Jahren noch mehr Arten werden 😊


Pilz des Monats Mai 2022 - Pustelblattbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum)

Dieser klassische Brandpilz (früher als Ustilago pustulata bekannt – und etliche mit ihm verwandte Brände) gehört, wie man heute durch die DNA-Sequenzierungen weiß, in die weitere Verwandtschaft der Rostpilze (Unterabteilung Pucciniomycota der Ständerpilze) und nicht wie die „echten“ Brände (einschließlich der Nscktbasidien) zur UO Ustilaginomycotina. Er ist also mehr ein Rost- als ein echter Brandpilz – die Vertreter der O. Microbotryales nenne ich deshalb seit einiger Zeit „Rostbrände“. 

Umso erstaunlicher, dass es sich offenbar um eine zurückgehende und gegenüber Umwelteinflüssen (v.a. Pestizide) empfindliche Art zu handeln scheint. Ich fand sie bisher nur an gut gegenüber Pestizid- und Nährstoffeinträgen gepufferten Standorten, so im Schwrzwald, in der Hoch-Rhön (dort zusammen mit dem noch selteneren Blattrand-Brand Microbotryum marginale), sowie nun zum zweiten Mal im Ostalbkreis (schon 2014 auf der Schwäbischen Alb bei Tauchenweiler (saures Niedermoor in Waldlichtung auf der Hochfläche), und nun bei Kirchenkirnberg in einem abgelegenen Bachtal im Schwäbischen Wald (genauere Daten unten bei den Fotos), jeweils auf seinem ausschließlichen Wirt Wiesen-Knöterich (Bistorta officinalis, bisher Polygonum bistorta). Dieser geht auch zurück, ist aber auch stellenweise in nitrophilem Feuchtgrünland noch anzutreffen.

Microbotryum pustulatum 1 Ostalbkreis Pustelbrand Wiesenknoeterich Glattenzainbach Kirchenkirnberg parasitische Pilze Baden Wuerttemberg
Microbotryum pustulatum 2 Ustilago Brandpilz Rostbrand Wiesenknoeterich Polygonum bistorta officinalis Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
Microbotryum pustulatum 3 Seminar Parasitische Pilze Pilzschule Schwaebischer Wald Ostalbkreis Baden Wuerttemberg Deutschland Krieglsteiner pilzkunde Gschwend
Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 18.04.2022 im Tal des Glattenzainbach bei Kirchenkirnberg (Gschwend, Ostalbkreis) an lebenden, frisch ausgetriebenen Blättern von Bistorta officinalis in Feuchtgrünland, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner). Das enge Bachtal ist großenteils bewaldet und die Grünlandflächen sind sowohl beschattet als auch abgeschirmt gegen direkte Einträge aus Landwirtschaft, Verkehr oder gar Industrie. Die rosa, später aufbrechenden Pusteln sind jung noch innen hell, dann bald von der schließlich stäubenden schwarzen Sporenmasse angefüllt.
 Microbotryum pustulatum 4 Sporen Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Kireglsteiner Schlangenknoeterich Polygonum bistorta officinalis Rote Liste
 Microbotryum pustulatum 5 Sporen Ustilago Pucciniomycota Microbotryales Mikroskopierkurs Schlangenknoeterich Krieglsteiner Feldmykologe PilzCoach pilzexpertin
 Microbotryum pustulatum 6 Sporenornament Mikroskoperkurs gefaehrdete Pilze Feuchtgruenland nitrophil Duengung Artenvielfalt Biodiversitaet Rueckgang Pestizide
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 18.04.2022 im Tal des Glattenzainbach bei Kirchenkirnberg (Gschwend, Ostalbkreis) an lebenden, frisch ausgetriebenen Blättern von Bistorta officinalis in Feuchtgrünland, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner). Die runden Sporen sind fein ornamentiert, was am Besten bei der Focussierung auf die Oberfläche (letztes Bild) zu erkennen ist. Beim Focussieren aus Schärfe der Sporenumrandung (erstes Foto) sind die fllachen Ornamente kam erkennbar. So etwas lernt man bei einem Mikroskopierkurs (bald wieder von 16.-19. Mai 2022 bei Pilzschule Schwäbischer Wald).
 Microbotryum pustulatum 7 Aalaen Tauchenwweiler Weiherwiesen Ostalbkreis Glattenzainbach Bistorta officinalis Wiesenknoeterich Niedermoor Waldlichtung Brandpilz
 Microbotryum pustulatum 8 Ustilago pustulata Pustel offen schwarze Sporenmasse Mikroskopiertkurs Sporenornament Krieglsteiner Pilzschule Pilzkurse Pilzseminare
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 19.04.2014 im NSG "Weiherwiesen" bei Aalen-Tauchenweiler, an Schlangenknöterich (Bistorta officinalis, vormals Polygonum bistorta). Das saure Niedermoor auf der Hochfläche der östlichen Schwäbischen Alb liegt in einer größeren Waldlichtung, in denen Weiher mit nährstoffarmem Röhricht, saure, nährstoffarmes Feuchtgründland und ebensolche Magerwiesen liegen. Nährstoff- und andere Schadstoffeinträge waren zumindest bis zum Fundzeitpunkt auf ein geringes Maß beschränkt.
 Microbotryum pustulatum 9 Rhoen Schwarzes Moor Bayern Unterfranken Hochmoor Pustel gefaehrdete Pilze Pestizide Duenger Intensivgruenland Krieglsteiner
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 23.05.2010 im NSG Schwarzes Moor (Hoch-Rhön, Bayern) an Blättern von Bistorta officinalis am Rand von Bohlenweg durch feuchte, saure und nährstoffarme Niedermoor-Rasen an Hochmoor-Rand leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner.. Am gleichen Fundort hatte ich die Art schon früherr gefunden (vgl. meine Dissertation Krieglsteiner 2004). Dies gilt genauso für Microbotryum marginale (s.u.)
 Microbotryum pustulatum 10 Schwarzwald Hornberg Offenbachtal Schwarzwaelder Pilzlehrschau Paetzold Wiesenknoeterich Polygonum bistorta officinalis Krieglsteiner
 Microbotryum pustulatum 11 Herbarbeleg Schwarzwald Hornberg Pilzlehrschau Pilzschule Krieglsteiner Pilzkunde hochklassig Feldmykologe DGfM PilzCoach PSV
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 9.5.2006 im "Offenbachtal" bei Hornberg im Schwarzwald, leg., det., Herbar und Foto Lothar Krieglsteiner. Das Bachtal hat keine oberhalb gelegene Landwirtschaft und zumindest örtlich waren die Fundumstände zum Fundzeitpunkt nährstoffarm. 

 In der seither nicht überarbeiteten Roten Liste der phytoparasitischen Kleinpilze Deutschlands (Foitzik 1996) wird die Art nicht geführt. Heute sollte M. pustulatum (und erst Recht M. marginale) in einer Roten Liste enthalten sein, ein Vorkommen dieser Art(en) ist ein naturschutzfachliches Argument. Im heute allgegenwärtigen Einheits-Grünland mit reichlich Nitrat und Pestiziden sinkt auch die Artenvielfalt der parasitischen Pilze wie die so gut wie jeder anderen Organismengruppe.

 Micobotryum marginale Blattrandbrand Wiesenknoeterich Lange Rhoen NSG Schwarzes Moor Hochrhoen naturschutzfachliches Argument
 Microbotryum marginale Ustilago marginalis Rhoen Krieglsteiner Biosphaerenreservat Vegetation Hochmoor Niedermoor oligotroph naehrstoffarm Krieglsteiner
 Blattrrandbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum marginale) am 23.05.2010 im NSG Schwarzes Moor (Hoch-Rhön, Bayern) an Blättern von Bistorta officinalis am Rand von Bohlenweg durch feuchte, saure und nährstoffarme Niedermoor-Rasen an Hochmoor-Rand leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Diese Art kenne ich nur von diesem Standort, wo ich sie schon im Rahmen meiner Dissertation fand (Krieglsteiner 2004). Ihr Auftreten ist ein natuirschutzufachliches Argument hohen Grades.

 Die Pflanzenparasiten werden von Pilz-Leuten oft hintangestellt oder für wenig interessant angesehen – zu Unrecht, wie ich finde. Machen Sie sich selbst ein Bild 😉


Pilz des Monats April 2022 – Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea, auch Rhodofomes roseus)

Heute stelle ich einen leicht kenntlichen, wenn auch ziemlich seltenen Porling dar, der in Deutchland nur weit gestreut vorkommt und der etwas häufiger nur im Alpenraum sowie in den Höheren Lagen des Bayerischen Waldes gefunden wurde. Es handelt sich also um eine nordisch-montan verbreitete Art der kalten Lagen; sie kommt vorwiegend auf Fichtenholz (Picea abies) vor, vorzugsweise im natürlichen Areal der Fichte.

Der Rosenrote Baumschwamm ist ein sehr hübscher Pilz und zumindest in frischem Zustand kaum verwechselbar. Von oben erinnert er etwas an den nahe verwandten, aber um Dimensionen häufigeren Rotrandigen Baumschwamm (F. pinicola), der aber nicht nur größer wird, leuchtendere Hutfarben aufweist, sondern dem auch das besonders typische Merkmal von F. rosea, nämlich die lila-rosa Färbung der frischen Röhrenschicht und in etwas minderem Maße der frischen Trama fehlt. Letztere verliert die Farbe allerdings recht rasch zu einem auch für F. pinicola typischen Holzbräunlich. Wie bei F. pinicola findet man an jungen Pilzen öfter Guttationstropfen.

Im Schwäbischen Wald, wo wir die Vielzahl unserer Kurse geben, ist die Art noch nie gefunden worden – und vermutlich kommt sie dort auch nicht vor, obwohl dort durchaus viele Gebirgspilze wachsen. Aber F. rosea ist recht auffällig und wir suchen sie dort schon ein halbes Jahrhundert. Schon einer meiner ersten Pilzlehrer, der legendäre Dr. Hans Haas (verstorben 2003), forderte meinen Vater und mich dazu auf, die Art „bei uns“ zu suchen. Dies taten wir schon damals gründlich, aber immer erfolglos. Aber man kann ja nie wissen.

Fomitopsis rosea Kaernten Oesterreich Turia Wald Fichte Picea abies Rosenroter Baumschwamm seltener Porling
Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im "Turia-Wald" (Österreich, Kärnten) am 20.10.2015, an Fichtenstumpf (Picea abies) in montanem Nadelmischwald, leg, det. Matthaeus Koncilja & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Oesterreich Weissensee Kaernten Gailtaler Alpen Fichtenstamm Picea abies Hermine Lotz Winter Lothar Kfrieglsteiner Fomitopsis officinalis Laerchen
 Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) nördlich des Weißensee (Österreich, Kärnten) am 04.08.2009, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), leg., det. Hermine Lotz-Winter & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner. Nicht weit entfernt wurde auf dieser Exkursion auch der seltene Lärchen-Baumschwamm (F. officinalis) gefunden!
 Fomitopsis rosea Norwegen Nationalpark Fulufjaellet Fichte Picea abies Rhodofomes Rosenroter Baumschwamm Krieglsteiner Pilzseminare Schwaebischer Wald
 Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Nationalpark Fulufjället (Norwegen) am 15.06.2015, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), ältere und mehrschichtige Fruchtkörper. Das attraktive Rosa-Lila ist fast verschwunden - leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Rumaenien Karpaten Zarnesti Koenigstein Picea abies Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Lothar Trama Guttationstropfen montan Porling
 Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) am Hang zum "Königstein" bei Zarnesti (Rumänien, Karpaten) an liegendem Nadelholzstamm (Fichte oder Tanne), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie die wunderschönen Guttationstropfen, die ja auch der nahe Verwandte Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) bildet sowie die bei dem abgerissenen Exemplar eher holzfarbene Trama. In ganz frischem Zustand soll auch die Trama eine (deutlichere) rosa Färbung haben.
 Fomitopsis rosea Frankreich Nationalpark Mercantour Roubion Fichte Picea abies Pilzschule Schwaebischer Wald Pilz des Monats Lothar Krieglsteiner Rosenroter Baumschwamm
 Fomitopsis rosea Frankreich Mercantour Rosenroter Baumschwamm Rotrandiger pinicola Seminare Feldmykologe Picea abies Fichte Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner

Fomitopsis rosea Frankreich Nationalpark Mercantour Roubion Poren rosa Rosenroter Baumschwamm Pilz des Monats Feldmykologe Seminare Pilzschule Schwaebischer Wald

  Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) bei Roubion am Rand des Nationalpark Mercantour (Frankreich, Seealpen) am 24.06.2017, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Boubin Kubany Tschechien Fichte Picea abies Krieglsteiner Rhodoformes roseus Feldmykologe Pilzschule Schwaebischer Wald
  Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Urwald-Naturschutzgebiet Boubin (Kubany) w. Prachatice (Tschechien, Böhmerwald) an Fichtenstumpf (Picea abies) am 27.10.2015, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Tschechien Urwald Krieglsteiner Fichte Picea abies Pilzschule Schwaebischer Wald Guttationstropfen Trama Poren rosa lila
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Nationalpark Tschechien Lothar Krieglsteiner Pilzkurse Pilzseminare Pilzfuehrungen Feldmykologe Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Nationalpark Tschechien Fichte Picea abies Feldmykologe Kartierung Biomonitoring Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzkurs
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Rosenroter Baumschwamm Lothar Krieglsteiner Tschechien Nationalpark Pilzkurs Pilzseminare Tagesfuehrung Hans Haas Mykologe
  Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Urwald-Naturschutzgebiet Zofinsky prales sw. Nové Hrady (Süd-Tschechien nahe der österreichischen Grenze) am 8. und 9.9.2015 im Rahmen eines Biomonitoring-Projektes an liegenden Baumstämmen, mehrfach an liegendem Nadelholz, Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Bayerischer Wald Nationalpark Rachel Spiegelau BioHolz Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Kartierung Biomonitoring Fichte Picea abies rosenrot
Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Nationalpark Bayerischer Wald unweit Spiegelau am 10.10.2017 im Rahmen einer Biomonitoring-Untersuchung im Rahmen des Projektes BioHolz, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), leg., det., Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

 

Vielleicht finden gerade Sie den Pilz als Erster in unserer Region, vielleicht bei einem unserer nächsten Seminare? Behandelt wird die Art beim Kurs „Feldmykologe 2“ von 15.-18. August – denn dort gehört sie zum Kreis der 500 zu kennenden Arten (300 neue nach 200 vom Feldmykologen 1). Ich habe vor wenigen Tagen eine hübsche powerpoint-Folie zu F. rosea erstellt, die mich dazu ermuntert hat, den Pilz auch als Pilz des Monats für eine breitere Leserschaft vorzustellen 😉


 

Pilz des Monats März 2022: Violettspitziger Räsling (Clitopilus ardosiacus – besser bekannt als Rhodocybe ardosiaca, Violettstieliger Tellerling)

Das Aufbestimmen von Exsikkaten in der Wintersaison ist ein Luxus, den sich ein freiberufler Pilzkundler erlauben kann, wenn er im Winter einige Zeit keine Pilzkurse hält. Natürlich muss die neue Kurs-Saison vorbereitet werden, aber ein wenig Muße muss ja schließlich sein. Die Bestimmung der Exsikkate ist dabei durchaus auch mühsame Arbeit, und oft denkt man sich, es wäre besser gewesen, die Pilze frisch zu untersuchen (was meist sehr viel schneller geht), wozu in der Regel während der Saison die Zeit fehlt. Nur selten kommt man bei Exsikkaten zu einem ganz schnellen Erfolgserlebnis. Es gibt aber Ausnahmen – und eine davon möchte ich hier vorstellen.

Als ich am 26.8.2021 bei einem Pilzkurs in der Schweiz auf einer Exkursion am Anstieg zu den Alpen südlich des Züricher Sees 3 Fruchtkörper eines kleinen Lamellenpilzes aufsammelte, dachte ich an einen vielleicht ganz interessanten Rötling. Mir fiel ein deutlicher Mehlgeruch auf, nicht aber so sehr die Tatsache, dass die Stielspitze einen auf dem gemachten Foto recht gut wahrnehmbaren Lilaton aufwies. Und wenn schon – schließlich gibt es etliche Rötlinge mit Blau- und Violett-Tönen irgendwo im Fruchtkörper.

Rhodocybe ardosiaca Clitopilus ardosiacus Violettspitziger Tellerling Raeslinug Schweiz Zuericher See Alpen Anstieg Raritaet Pilzschule Schwaebischer Wald
Violettspitziger Räsling (Clitopilus ardosiacus, auch Rhodocybe ardosiaca) am 26.08.2021 im Bereich "Mummelgschwänd" s. Galgenen am Fuß der Alpen südlich des Züricher Sees (GPS: N47°9'16.72" E8°52'53.98"), ca. 820 m NN, an schwer zugänglichem steilem Bachufer an Gebirgsbach über Kalk, bei Grauerle, Bergahorn u.a. an direkter Bachkante zwischen Moosen, 3 Frk., leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner

Und als ich den Beleg vornahm, dachte ich schon an mühsame Untersuchungen der Basidien nach Schnallen sowie an die Feststellung eines intrazellulären oder doch eher inkrustierenden Pigmentes in der Huthaut. Nun ja – zunächst einmal die Lamellen-Merkmale feststellen war die erste Devise. Ein Präparat mit Lamellenschneide in KOH angesetzt – und schon war die Überraschung da. Die ganze Lamelle (Schneide und Fläche) zeigte schon bei kleiner Vergrößerung überall gelbe oder fast orangefarbene Verfärbungen – ein Bild, das ich so ähnlich von einem anderen, durchaus anders aussehenden Pilz schon kannte, nämlich vom Rissigen Tellerling (Rhodocybe caelata, mittlerweile ebenfalls gültig zu Clitopilus caelatus umbenannt). Dieser kam allerdings nicht in Frage, und so stellte ich bei der Recherche fest, dass über ganz Europa schon einige weitere Arten mit solchen laugen-reagierenden Pseudozystiden (die man auch als Chryso-Pseudozystiden bezeichnen könnte) beschrieben wurden, von denen sich eine als Volltreffer erwies.

Rhodocybe ardosiaca 3 Clitopilus ardosiacus Violettstieliger Tellerling Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Schweiz Alpen Bachufer Kalk Zuericher See Sporen skulpturier

Violettspitziger Räsling (Clitopilus ardosiacus, auch Rhodocybe ardosiaca) am 26.08.2021 im Bereich "Mummelgschwänd" s. Galgenen am Fuß der Alpen südlich des Züricher Sees (GPS: N47°9'16.72" E8°52'53.98"), ca. 820 m NN, an schwer zugänglichem steilem Bachufer an Gebirgsbach über Kalk, bei Grauerle, Bergahorn u.a. an direkter Bachkante zwischen Moosen, 3 Frk., leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Funddaten für alle Fotos im Folgenden

Die Sporen passen zu den in der Literatur angegebenen Maßen gut. Für Tellerlinge und Räslinge sind ähnlich Rötlingen skulpturierte Sporen charakteristisch. Klassische Räslinge wie etwa der Mehl-Räsling (C. prunulus s.l.) haben dabei längs-gerippte Sporen, während Tellerlingen unterbrochen gerippte bis warzige Sporen zugesprochen wurden. Die DNA zog die Grenzlinie dann aber anders, und so muss "unser Pilz" zu Clitopilus.

 Rhodocybe ardosiaca 2 Clitopilus Violettspitziger Raesling Tellerliung Chrysozystiden Pseudozystiden Lamellenschneide flche KOH gelb Zuericher See Schweiz Krieglsteiner
 Dieses Bild - aufgenommen bei 100facher Vergrößerung verriet lange vor der Sichtung der ersten Sporen, dass ein Rötling nicht in Frage kam. Mir war bisher mit solcher Lamellen-Struktur (mit KOH gelb verfärbende Pseudozystiden an Lamellenschneide und an der ganzen Lamellen-Fläche) nur vom nicht so seltenen Rissigen Tellerling (Clitopilus caelatus) bekannt - mit dem "unser Pilz" recht nahe verwandt ist. Pseudozystiden entspricngen nicht in der Deckschicht des Hymeniums wie das echte Zystiden tun, sonst könnte man auch von Cheilo- und Pleuro-Chrysozystiden sprechen.
 Rhodocybe ardosiaca 4 Violettspitziger Raesling Tellerling Chryso Cheilozystiden Pseudozystiden KOH Krieglsteiner Mikroskopierkurs Schweiz Alpenraum Pilzschule Schwaebischer
 Rhodocybe ardosiaca 5 Chryso Cheilozysttiden KOH Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Violettstieliger Tellerling Mehlgeruch Lamellen herablaufend Pilzkurs Schweiz
 Cheilo-Pseudozystiden des Violettspitzigen Tellerlings: die meisten sind keulig geformt, manche auch etwas unregelmäßig. 
 Rhodocybe ardosiaca 6 Clitopilus ardosiacus Violettspitziger Tellerling Pilzkurs Schweiz Alpen Zuericher See Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Mikroskop Feldmykologe
 Rhodocybe ardosiaca 7 Violettspitziger Tellerling Pleuro Chrysozystiden Pseudozystiden Mikroskopierkurs Feldmykologe Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Schweiz
 noch lebende (und deshalb vollständig von der gelben Saft enthaltenden Vakuole ausgefüllte) Pleuro-Chryso-Pseudozystiden in KOH von Clitopilus ardosiacus aus der Schweiz - die meisten sind relativ banal keulig, manche auch etwas knorrig ausgebildet.
 Rhodocybe ardosiaca 8 Violettspitziger Tellerling Chryso Pleuro Pseudozystiden Mikroskopie Feldmykologie amorpher Inhalt tot Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Schweiz
 tote Pseudozystiden - lässt man das Präparat mit dem letalen Medium KOH eine Weile stehen, so kommt es zur Plasmolyse der Vakuole von der Zellwand und zur Bildung amorpher Strukturen im toten Zell-Inneren. Taxonomisch sind solche Phänomene ohne Bedeutung.

 

Rhodocybe ardosiaca wurde aus der Schweiz beschrieben, von einem ganz ähnlichen Habitat wie beim hier gezeigten Fund. Ferner sind auch Funde aus Bach-Auenwäldern aus Österreich und Bayern bekannt, sowie ein Nachweis von einem Kalk-Trockenrasen in Südbaden. Soweit die schnelle Recherche. Besonders die Darstellung bei www.pilze-insa.de/pilzgalerie/bilddaten/Rhodocybe_ardosiaca_1.htm passte gut, nach diesem publiziere ich hiermit als Zweiter ein Farbfoto der wohl doch recht seltenen Art.

Der Lilaspitzige (ich bevorzuge das gegenüber dem bisher benutzten „Lilastieliger“, denn der Lilaton wurde zumindest von mir nur an der Stielspitze bemerkt) Tellerling bzw. nunmehr Räsling scheint nach den bisherigen Funden Kalkböden zu benötigen und besonders in Bach-Auenwäldern aufzutreten. Für mich war dies ein sehr schöner Neufund.


„Pilz“ des Monats Februar 2022 – Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum)

Heute stelle ich einmal eine Art vor, die eigentlich in einer Rubrik „Pilz des Monats“ nichts zu suchen hätte. Warum? Nun, ganz einfach: „Schleimpilze“ sind keine Pilze (wie man früher aufgrund ihrer teils bauchpilz-, teils schimmelpilz-ähnlichen reifen Strukturen einmal meinte), sondern Verwandte von Amöben (sozusagen „Urtiere“)  – wie es ja ihre „unreifen“ beweglichen Riesenzellen durchaus andeuten. Auch mit den Tieren besteht allerdings (für die ganze Amöben) keine nahe Verwandtschaft. Trotzdem bearbeiten von jeher vor allem Pilzkundler (wie ich) die Myxomyceten (wie die Mycetozoa immer noch gerne genannt werden). Der alte Streit „Tier oder Pilz“ ist heute längst entschieden.

Nun – die Plasmodien bekommen Pilzfreunde nur ausnahmsweise zu Gesicht, denn diese fliehen das Licht und bevorzugen zum Wachstum feuchte, dunkle Plätze, wo sie auf Nahrungssuche gehen (Bakterien, Pilzsporen, Pilz- und andere organische Reste). Dies sind z.B. Holzspalten,  die Laubschicht oder auch höhere Moos-Rasen wie im Falle der vorgestellten Art. Zur Fruchtkörper-Bildung kommen die Myxos dann heraus (plötzlich sind sie dem Licht zugewandt) und suchen sich den hellsten und vor allem trockensten Platz der Umgebung. Sehr schön zeigt dies z.B. Foto 11, wo das Plasmodium einen Heidelbeer-Strauch hinaufgeklettert ist. Warum plötzlich an den trockensten Platz? Nun – schließlich müssen die Myxos nun Sporen bilden, die sich u.a. über die Luft verbreiten sollen. Dazu muss das nasse Plasmodium viel Wasser loswerden.

Fuligo muscorum 1 Welzheimer Wald Gmeinweiler Schoenes Widertonmoos Polytrichum formosum Plasmodium beim Klettern hoechste trockenste Stelle Myxo Kurs Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 2 Gmeinweiler Plasmodium kommt heraus Myxo Kurs Krieglsteiner saure Streu Nadelwald Torfmoos Sphagnum Mooskurs Pilzschule Schwaebischer Wald
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 04.09.2012 bei Kaisersbach-Gmeinweiler (Schwäbischer Wald, Rems-Murr-Kreis n. Welzheim, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), "Heidenbühl" (480 m NN, MTB 7024.3), auf lebenden Moosen (F 1: Schönes Widertonmoos Polytrichum formosum, F 2 ebenso und Torfmoos Sphagnum spec.) nach Entwicklung in der Bodenstreu in saurem, feuchten Nadelmischwald, Plasmodien beim Herauskommen aus der Streu- und Moosschicht, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 3 Alfdorf Schotthof Plasmodium orange Torfmoos Sphagnum saure feuchte Nadelwaelder Myxo Kurs Krieglsteiner unreif Schleimpilz Aethalien Feldmykologe
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 21.09.2013 bei Alfdorf-Schotthof (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 480 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.), Plasmodium beim Herauskommen aus dem feuchten Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 4 Gschwend Rotenhar Peitschenmoos Bazzania trilobata Plasmodium fruchtend Mooskurs Myxo Kurs Schleimpilz saure Streu Krieglsteiner
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 13.09.2007 bei Gschwend-Rotenhar (beim "Weiterweg", Ostalbkreis Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7024.4, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Peitschenmoos (Bazzania trilobata), Plasmodium geht über zur Fruchtkörrper-Bildung nach kurzem Weg auf dem feuchten Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 5 Plasmodium Burgholz Schwaebischer Wald saurer Nadelwald Streuschicht Myxo Kurs Schleimpilz Pilzschule Pilzkurse Krieglsteiner
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 28.09.2013 bei Alfdorf-Burgholz, "Fockenberg" (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.),;beginnende Fruchtkörper-Bildung auf feuchtem Moos in der Nadelstreu in saurem Nadelmischwald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 6 Nationalpark Eifel Plasmodium Buchenwald sauer Streu Myxo Kurs Biodiversitaet Nordrhein Westfalen Feldmykologe auffaellig unscheinbar
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 03.09.2014, Nordrhein-Westfalen, Nationalpark Eifel, Kermeter-N, Tal des "Büdenbach" w. Hasenfeld (MTB 5304.4, 335 m NN), Plasmodium bei der Fruchtkörper-Bildung in saurem Buchenwald, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 7 Moos Lohbluete Alfdorf Hintersteinenberg Hafental Riemenstaengel Kranzmoos Runzelpeter Rhytidiadelphus loreus unreife Aethalien Zweige Myxo Kurs
 Fuligo muscorum 8 Hafental Torfmoos Sphagnum saurer Nadelwald Streuschicht Myxo Kurs Schleimpilz Aethalium Krieglsteiner Feldmykologe Pilzkurs
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 21.09.2013 bei Alfdorf-Hintersteinenberg, "Hafental" (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen (v.a. Riemenstängel-Kranzmoos Rhytidiadelphus loreus, beigemengt u.a. auch Torfmoos (Sphagnum spec.),;beginnende Fruchtkörper-Bildung auf feuchtem Moos in der Nadelstreu in saurem Nadelmischwald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 9 Moos Lohbluete Regensburg Bernhardswald Vorderer Bayerischer Wald saurer Nadelwald unreife Aethalien Pilzkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 25.10.2021 s. Altenthann (ö., Lkr. Regensburg, Vorderer Bayerischer Wald, Bayern, MTB 6939.2, 480 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.), unreife Aethalien auf feuchtem Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 10 Bayerischer Wald Spiegelau Gugloed Torfmoos Sphagnum unreife Aethalien Myxo Kurs Schleimpilz saures Milieu Krieglsteiner
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 07.09.2021 bei Guglöd (Lkr Freyung-Grafenau, Bayerischer Wald ö. Spiegelau, Bayern, MTB 7046.4, 890 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.), unreife Aethalien auf dem feuchten Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 11 Moos Lohbluete geklettert Heidelbeere Vaccinium myrtillus saure Streuschicht Nadelwald Pilzschule Myxo Kurs Krieglsteiner Tanau
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 21.09.2013 (s.o.!) bei Alfdorf-Schotthof (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 480 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, an Stämmchen von Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) als höchste und trockenste Erhebung über der feuchten Moos-Schicht, unreife Aehtalien, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 12 Moos Lohbluete Muschelmoos Plagiochila asplenioides reife Aethalien saure Nadelstreu Krieglsteiner Myxo Kurs Schleimpilz
 Fuligo muscorum 13 Adelmannsfelden Schwaebischer Wald Muschelmoos Schlafmoos Hypnum cupressiforme Aethalien frisch reif Myxo Kurs Krieglsteiner Pilzkurs
 Fuligo muscorum 14 Adelmannsfelden Vorderwald Schwaebischer Wald Aethalien reif Plagiochila asplenioides Myxo Kurs Krieglsteiner Muschelmoos Lebermoos
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 22.09.2021 bei Adelmannsfelden-Vorderwald (Ostalbkreis, Schwäbischer Wald w. Ellwangen, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7025.2, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen (Mischrasen mit Muschelmoos Plagiochila asplenioides u.a.), Plasmodium beim Herauskommen aus dem feuchten Moos, frisch reife, noch feuchte und glänzende Aethalien, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 15 Nordrhein Westfalen Nationalpark Eifel Krieglsteiner Pilzschule Schwanenhals Sternmoos Artenvielfalt Feldmykologe Aethalien Mnium hornum
Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 10.08.2012, Nordrhein-Westfalen, Nationalpark Eifel, Wahlerscheid, "Fuhrtsbachtal" (MTB 5403.4 , 550 m NN), reife, angetrocknete und daher ganz unscheinbare Aethalien auf Moosrasen (Mnium hornum) in saurem, jungem Karpatenbirken-Bruch, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 16 Peter Schirmer Nordhessen Sababurg Dia Scan Schleimpilz Myxo Kurs Aethalien Moos Lohbluete Krieglsteiner Pilzschule
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) - Dia-Scan eines Fotos von Peter Schirmer, vermutlich aus Nordhessen (z.B. Urwald Sababurg - Funddaten aber unsicher) - reife und unscheinbar graue Aethalien
 Fuligo muscorum 17 Moos Lohbluete Schwaebisch Fraenkischer Wald Gschwend Rotenhar Sporen Krieglsteiner Pilzschule Myxo Kurs
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 17.10.2007 bei Gschwend-Rotenhar (beim "Weiterweg", Ostalbkreis Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7024.4, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt runde, fein warzige, im Durchlicht purpurbraune Sporen sowie rundliche Kalk-Körperchen. Die meisten Myxos sind nur reif gut bestimmbar, wenn die genannten und weitere Strukturen nachprüfbar sind.

 

Viele Pilzkenner kennen die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica) und ihre weißliche Variante (F. septica var. candida). Dass es weitere Lohblüte-Arten gibt, wissen aber nur wenige Pilzkundler, die sich intensiver mit Myxos beschäftigen. Die Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum – „muscorum“ heißt übrigens „der Moose“) ist im Gelände im unreifen Zustand viel leichter zu finden als die reifen Aethalien, denn erstere sind aufflällig schmutzig orangegelb bis orangebräunlich gefärbt und kontrastieren stark vor allem gegen die Moosrasen, auf denen sie häufig fruchten (weniger gegenüber Buchenlaub wie in Foto 6). Die reifen Aethalien sind viel weniger auffällig, im Gegenteil sogar sehr unscheinbar und sie werden deutlich seltener gefunden. Dummerweise benötigt man (wenn man nicht viel Erfahrung hat) gerade sie für einen akkuraten Bestimmungsgang zur Art. Dass unreife Myxos sehr auffällig sind und reife oft schwer zu finden ist übrigens ein Phänomen, das nicht auf die Moos-Lohblüte beschränkt ist, sondern eher typisch für sehr viele Myxo-Arten. Woran das liegt? Schwer zu sagen, denn es ist kaum anzunehmen, dass die unreifen Stadien gefunden werden wollen, um gefressen zu werden. Im Gegenteil: sie möchten eigentlich in Ruhe ausreifen können.

Die Moos-Lohblüte hat also schmutzig orangefarbene unreife Stadien (Plasmodium bis zu unreife Aethalien) und in ganz jungem Zustand hübsch orangebraun leuchtende Fruchtkörper (Bild 13). Es dauert aber nicht lange bis zum völligen Austrocknen, und dann sind die „Pilzchen“ nur noch irgendwie ganz unscheinbar grünlich grau bräunlich gefärbt und im Gelände je nach Unterlage nur noch schwer zu entdecken. Nun kann man die Proben auch mikroskopieren und die wesentlichen Merkmale (hier z.B. rundliche Kalk-Strukturen und ebenso runde, fein warzige Sporen) untersuchen. Die reifen Strukturen braucht man also (meist) zur Bestimmung – und nur diese lohnen sich für ein „Herbarium“ aufzuheben.

P.S. Falls ich jemanden begeistert haben sollte: es gibt 2022 wieder einen Myxo-Kurs in Pilzschule Schwäbischer Wald. Fuligo muscorum ist da gut möglich.

26.-29.05.2022 (Do-So): Seminar Schleimpilze (Myxomyceten - mit MikroskoSystem, Merkmale, Ökologie, Bestimmung u.a. - Mikroskope stehen zur Verfügung und können mitgebracht werden. Ruppertshofen, Erlenhalle am Gästehaus Grüner Pfad (Erlenstraße 11). € 250.-- (Seminar von Lothar Krieglsteiner)


Pilz des Monats Januar 2022 – Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans)

Wie schon der Pilz des Monats Dezember stammt auch dieser Pilz aus Ligurien (Italien). Während des Seminars mediterrane Pilze im vergangenen November zeigte mir Gastgeber Peter Karasch (von ihm stammt auch eines der gezeigten Fotos, s.u.) einen kleinen Kahlkopf, den er im Laufe der letzten Wochen immer wieder in seinem Garten (Suie bei Varese Ligure) an eingebrachtem Pferdemist beobachtet hatte und bat mich um Bestimmungshilfe. Während der Seminare ist es aber meist so, dass nicht allzuviel Muße bleibt für die Mikroskopie interessanter Pilze – und so war es auch in Ligurien. Zwar schaffte ich es einmal, eine Viertelstunde dafür freizuschaufeln, aber ich kam zu nicht viel mehr als zur Messung der Sporen (ich vermaß sie gleich und später noch einmal mit zusammen  (12,5)—13-14,5 (15,5)/7-8 (8,5) µm und beobachtete deren deutlichen großen Keimporus) und war dabei, eine Lamellenschneide für die Begutachtung der Cheilozystiden zu präparieren, scheiterte aber in der kurzen Zeit an diesem Unterfangen, da sich diese als äußerst klebrig und gelatinös erwies. Da ich ohnehin etwas krank und nach der langen Saison überarbeitet war, gab ich in diesem Moment vorläufig auf  (nicht ohne einen vagen Moment der Erinnerung an dieses Merkmal in meinem Hinterkopf zu verspüren) und verschob die akkuratere Untersuchung in den Winter.  Die Sporenmaße hatten auf einen flüchtigen Blick schlecht zu den ansonsten bekannten nicht-blauenden mist-bewohnenden Kahlköpfen aus der Gattung Deconica (z.B. D. merdaria, D. merdicola, P. coprophila, P. subcoprophila) gepasst und als einzigen Kahlkopf mit vergleichbaren Sporenmaßen fand ich auf die Schnelle Psilocybe fimetaria, eine mir unbekannte Art, die aber als „echte“ Psilocybe mit den entsprechenden Indol-Verbindungen blaue Verfärbungen zeigen sollte; solche hatte ich nicht beobachtet. Ferner ist für P. fimetaria ein üopiges Velum Bestimmungsmerkmale, und die (frisch gewachsenen) ligurischen Pilze zeigten nur spärliche bis kaum nennenswerte Velum-Spuren.

Psilocybe liniformans Kleblamellen Kahlkopf Deconica merdaria merdicola coprophila subcoprophila Cheilozystiden Lamellenschneide gelatinoes Krieglsteiner
Psilocybe liniformans Kleblamellen Kahlkopf fimetaria Deconica Italien Ligurien Psilocybin Psilocin Blauen Seminar mediterrane Pilze Krieglsteiner Karasch
Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner
Psilocybe liniformans fimetaria Karasch Ligurien Seminar mediterrane Pilze Braunsporer Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Italien
Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans), November 2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Foto Peter Karasch

 

Umso überrachter war ich dann am Exsikkat, als ich problemlos eine Lamellenschneide mit Zystiden präparieren konnte, und dabei reichlich Cheilozystiden mit langem (manchmal auch zwei) abgesetztem „Schnabel“ beobachten konnte – eine Form, wie sie für (einige) Arten der Gattung Psilocybe (u.a. besonders für P. fimetaria und P. Liniformans, nicht aber für Deconica-Arten charakteristisch ist. In die engere Wahl auch mit dem Standort auf Mist kamen dann nur noch P. fimetaria (s.o.), auf die die Sporenmaße exakt passen, und P. liniformans, die eigentlich etwas breiter werdende Sporen ((12-)13-14,5(-16,5)/7-10 µm nach Noordeloos 2011: Strophariaceae s.l. in Fungi Europaei 13) haben sollte. Zu P. liniformans passt aber das Merkmal der gelatinösen Lamellenschneide sehr gut, die bei P. fimetaria nicht so ausgebildet sein soll, und so habe ich kaum Zweifel an der Zuordnung, zumal für P. liniformans auch das fehlende bis spärliche Velum gut passt. Beim ersten Druck auf das zunächst ungequetschte (so mache ich das immer, um die Zystiden zunächst in situ zu beobachten) Lamellen löste sich die Schneide fast linien-förmig vom Rest der Lamelle ab („lini-formans“! – das heißt „eine Linie bildend“).

Psilocybe liniformans Sporen Keimporus braun Mikroskopierkurs Seminar mediterrane Pilze Pilzschule Pilzkurse Ausbildung DGfM Feldmykologe PsV Krieglsteiner
 Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt große Sporen mit großem Keimporus (Maße s.o.). Die Maße passen besser zu P. fimetaria (Lamellenschneide nicht gelatinös, Velum üppig) als zu P. liniformans, die eigentlich zumindest zum Teil etwas breitere Sporen haben sollte. ....
Psilocybe liniformans Kleblamellen Kahlkopf Lamellenschneide Kongorot gelatinoes abloesbar Pilzschule Schwaebischer Wald Seminar Mediterrane Pilze
 Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt ein in Kongorot angefärbtes Stück Lamelle. Nach etwas Druck auf das Deckglas hat sich die Schneide nahezu in Form einer Linie abgelöst ("lini-formans").
 Psilocybe liniformans Lamellenschneide steril Cheilozystiden gelatinoes Psilocybin Psilocin Kahlkopf Pferdenust Italien Ligurien Varese Ligure Krieglsteiner
 Psilocybe liniformans fimetaria Cheilozystiden aufgesetzte Spitze abloesbar Kongorot Pferdemist Blauen Italien Ligurien PIlzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
 Psilocybe liniformans Cheilozystiden aufgesetzte Spitze Kongorot Krieglsteiner Lothar Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Italien Ligurien Suie
 Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Lamellenschneide und Cheilozystiden in Kongorot angefärbt. Die Form ist sehr charakteristisch - bauchig mit aufgesetzter Spitze, zum Teil auch mit 2 Spitzen (2. Foto oben!).

 

Peter Karasch, dem ich von meinen Ergebnissen berichtete, schrieb mir, er hätte die Pilze über Wochen beobachtet und dabei keine Blaufärbungen an den (kleinen – selten über 1 cm großen) Fruchtkörpern beobachtet. Allerdings könnte man der Meinung sein, dass seine schöne Aufnahme (s.o.) geringfügige Blau-Spuren zeigt. Auch andere Psilocybe-Arten blauen nicht immer sehr deutlich, bzw. der Grad des Blauens (letztlich die Oxidation des vorhandenen Psilocins) ist auch bei anderen Arten teils variabel. Auf alle Fäle zeigt der Fund, dass es sich immer wieder lohnt, kleine Dunkelsporer zu mikroskopieren. Für mich handelt es sich jedenfalls um eine Erstbegegnung mit dieser Pilzart.


Pilz des Monats Dezember 2022: Mazedonisches Stummelfüßchen (Crepidotus macedonicus)

Heute möchte ich einen Pilz zeigen, der von unserem Kurs „mediterrane Pilze“ in Ligurien (Italien) stammt – gefunden auf einer gemeinsamen Seminar-Exkursion von unserem Freund und vielfachen Kursteilnehmer Rolf Fuhrmann (Winnenden und Landau).

Zunächst brachte Rolf nur einen Fruchtkörper mit – ein ca. 7 cm großer, seitlich angewachsener Lamellenpilz mit einem deutlichen Orangeton in den Lamellen, bei genauerem Ansehen mit deutlich rostbräunlichem Sporenpulver-Anklang.

Also konnte es nur ein Stummelfüßchen (Crepidotus) sein, aber eine so große Art mit dieser Merkmals-Kombination war mir bis dahin nicht bekannt geworden. 

 

 

 

 

Crepidotus macedonicus Stummelfuesschen Lamellen orange Esskastanie Eiche Italien Ligurien Pilzkurs dunkelsporige Lamellenpilze Krieglsteiner
Crepidotus macedonicus Mazedonisches Stummelfuesschen Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe Krieglsteiner Dunkelsporer Saprobiont Laubholz Eiche Kastanie
Crepidotus macedonicus Mazedonisches Stummelfuesschen Italien Ligurien Varese Ligure Pilzkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner
Mazedonisches Stummelfüßchen (Crepidotus macedonicus) am 8.11.2021 (obere zwei Bilder) sowie am 9.11.21, Italien, Ligurien, oberhalb Suie, Richtung Porciorasco unweit Varese Ligure, 551 m NN (GPS: N44°22'14.13" E9°37'26.40") an liegendem Stammstück vermutlich von Esskastanie (Castanea vesca - möglicherweise auch Zerreiche Quercus cerris) in submediterranem Laubmischwald, mehrere Fruchtkörper, leg. Rolf Fuhrmann im Rahmen von Seminar "Mediterrane Pilze", det., Fotos Lothar Krieglsteiner

 

Unter dem Mikroskop dann die Bestätigung – klar ein Crepidotus mit breit ellipsoidischen, recht deutlich warzigen Sporen (was im Foto leider nicht so gut heraus kommt – mit der Größe von schnell gemessenen 5-6,5/4,5-5 µm)  und mit einem sterilen Band der Lamellen-Schneide aus Cheilozystiden, die durch ihre Form (teilweise verzweigt-knorrig) gut in die Gattung passen. Mit dem schnell herunter geladenen Schlüssel von Hausknecht & Krisai-Greilhuber (2010) landete ich dann ohne Umschweife bei C. macedonicus (dabei die Merkmale sehr große Fruchtkörper und orange Lamellen-Farbton verwendend) – und ein schnelles Nachgoogeln erbrachte zwar nicht viele, aber ein paar durchaus zum Fund passende Fotos. Endgültige Bestätigung und Ausräumen des letzten Zweifels dann zu Hause – Consiglio & Letti (2008) bilden die Mikromerkmale, insbesondere die Cheilozystiden, sehr passend ab, und so verschwanden die letzten Zweifel.

Crepidotus macedonicus Sporen ellipsoidisch warzig Braunsporer Eiche Kastanie Castanea Italien Ligurien Krieglsteiner Karasch Fuhrmann Pilzschule
Crepidotus macedonicus Cheilozystiden geteilt knorrig Stummelfuesschen sterile Lamellenschneide Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
Crepidotus macedonicus Italien Ligurien Varese Ligure Karasch Krieglsteiner Fuhrmann Cheilozystiden Mikroskopierkurs Pilzschule Pilzkurse Schwaebischer Wald
Mazedonisches Stummelfüßchen (Crepidotus macedonicus) am 8.11.2021,Italien, Ligurien, oberhalb Suie, Richtung Porciorasco unweit Varese Ligure, 551 m NN (GPS: N44°22'14.13" E9°37'26.40") an liegendem Stammstück vermutlich von Esskastanie (Castanea vesca - möglicherweise auch Zerreiche Quercus cerris) in submediterranem Laubmischwald, mehrere Fruchtkörper, leg. Rolf Fuhrmann im Rahmen von Seminar "Mediterrane Pilze", det., Fotos Lothar Krieglsteiner

 

Wie ich schon schrieb, wurde mir zunächst nur ein Fruchtkörper zugetragen, den ich auf einem Stein auslegte und photographierte. Ich hoffte aber noch auf eine Standortsbesichtigung – und Rolf wusste gottseidank noch genau, wo er den Pilz gefunden hatte – allerdings kamen wir erst am Nachmittag des folgenden Tages zur Nachsuche. Es handelte sich sehr wahrscheinlich um einen mittelalten Esskastanien-Stamm (Castanea vesca), möglicherweise auch um Eiche (Quercus cf. cerris), was aber fast auf das Gleiche hinaus läuft, da es eigentlich kaum Pilze gibt, die Eiche und Kastanie als Substrat (oder als Mykorrhizapartner) unterscheiden können. Bei Consiglio & Setti sind Eichen-Arten (Q. cerris und Q. rubra) als Substrate angegeben. Vermutlich handelt es sich um eine mediterran-montan verbreitete Art, die neben Mazedonien (Typus durch Pilat 1949) auch in Frankreich nachgewiesen ist (so bei Consiglio & Setti) – beim schnellen Nachgoogeln finde ich noch eine Publikation über einen Nachweis in der Slowakei. Die Art dürfte eher selten sein. Natürlich werden Stummelfüßchen nicht immer aufgesammelt und zur Art bestimmt – die für die Gattung sehr großen Fruchtkörper von C. macedonicus sind jedoch etwas Besonderes. Ich bin gespannt, wann die Art zum ersten Mal in Deutschland gefunden wird – dort gibt es ja auch recht warme Ecken und der Klimawandel schreitet ja bekanntlich voran. Insofern wäre auch zu überlegen, ob der deutschen Name "Mazedonisches Stummelfüßchen" nicht z.B. durch "Orangeblättriges S." ersetzt werden könnte.


Pilz des Monats November 2021 – Lila Milchling (Lactarius lilacinus)

Beim Milchlings-Kurs am Anfang dieser Woche (25.-26. Oktober) in Sulzbach am Taunus gab es leider nicht allzu viele Milchlinge zu finden – dafür aber einen ganz besonderen. Ich war selbst durchaus überrascht, die Art dort am Rand des Taunus anzutreffen, denn der Fundort war ein eher saures Habitat. Denn typischer Weise (so sagten mir es jedenfalls meine bisherigen nicht allzu vielen Funde dieser Art – der letzte Fund aus der Rhön liegt immerhin schon 11 Jahre zurück, s.u., und war bisher mein einziger mit selbst gemachten Fotos) wächst die Art eher an basenreichen (meist deutlich kalkhaltigen) Standorten. Der Lila Milchling ist ein strikter Mykorrhizapilz der Erle – ich kenne ihn bisher nur unter Schwarzerle (Alnus glutinosa) und ein insgesamt schon durch seine Färbung leicht kenntlicher Pilz. Nur eine andere Art, der Schüppchen-Milchling (Lactarius spinosulus – auch er wäre sicher einmal einen Pilz des Monats wert) kann durchaus ähnlich aussehen, unterscheidet sich aber vor allem durch die Bewimperung (feine Zotten) des Hutrandes besonders junger Fruchtkörper und das Wachstum ausschließlich unter Birke auf sauren Böden.

Lactarius lilacinus Lila Milchling Bayern Rhoen Seebachtal Bach Eschenwald Erlen Alnus glutinosa Muschelkalk Krieglsteiner
Lila Milchling (Lactarius lilacinus) am 22.09.2010 in der Rhön bei Gefäll, "Seebachtal" (Bayern), an nassem Bachufer über örtlich vortretendem Muschelkalk (sonst Buntsandtstein) in Bach-Eschenwald mit Erlen, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
Lactarius lilacinus Hessen Taunus Kronberg Verein PIlzfreunde Sulzbach Milchlingskurs PIlzschule Schwaebischer Wald
Lactarius lilacinus Lila Milchling Detail Hut flaumig bewimpert spinosulus Schueppchen Milchling Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
Lactarius lilacinus Lila Milchling Verein Pilzfreunde Sulzbach Krieglsteiner Alnus glutinosa Erle Mnium hornum Schwanenhals Sternmoos Krieglsteiner
Lila Milchling (Lactarius lilacinus) am 26.10.2021 am "Hühnerbergbach" n. Kronberg (Hessen, Taunus), leg. Marion Bertram & Lothar Krieglsteiner anlässlich Milchlingskurs beim Verein für Pilzfreunde Sulzbach am Taunus, det., Foto Lothar Krieglsteiner (letztes Foto zwischen Schwanenhals-Sternmoos Mnium hornum)

 L. spinosulus ist auch meist zumindest etwas zoniert, während dieses Merkmal bei L. lilacinus zumindest in der Tendenz schwächer ausgeprägt ist. Dazu noch die Mikroskopie: deutlich netzige Sporen und stumpfe Hymenial-Zystiden bei L. lilacinus – eher gestreifte („zebrierte“) Sporen und zugespitzte Zystiden bei L. spinosulus sowie die Sporenpulver-Farbe (weiß bei L. lilacinus – gelb bei L. spinosulus – leider gelang mir allerdings kein Abwurf).

Lactarius lilacinus Lila Miclhling Sporen netzig zebriert spinosulus Schueppchen Melzers Reagens Ornament amyloid Krieglsteiner Pilzschule
Sporen des Lila Milchling (Lactarius lilacinus) in Melzers Reagens - am 26.10.2021 am "Hühnerbergbach" n. Kronberg (Hessen, Taunus), leg. Marion Bertram & Lothar Krieglsteiner anlässlich Milchlingskurs beim Verein für Pilzfreunde Sulzbach am Taunus, det., Foto Lothar Krieglsteiner - Die Sporen des Lila Milchlings sind deutlich netzig ornamentiert, im Gegensatz zum ähnlichen Schüppchen-M. (L. spinosulus) mit gestreift-"zebrierten" Sporen.
Lactarius lilacinus Makrozystide Lamellen stumpf Melzers Reagens Verein Pilzfreunde Sulzbach Taunus Krieglsteiner Pilzschule Mikroskopierkurs Feldmykologe
Hymenial-Zystide des Lila Milchling (Lactarius lilacinus) in Melzers Reagens - am 26.10.2021 am "Hühnerbergbach" n. Kronberg (Hessen, Taunus), leg. Marion Bertram & Lothar Krieglsteiner anlässlich Milchlingskurs beim Verein für Pilzfreunde Sulzbach am Taunus, det., Foto Lothar Krieglsteiner - Die Zystiden von L. lilacinus sind an der Spitze stumpf, im Gegensatz zu denen des ähnlichen Schüppchen-Milchlings (L. spinosulus - dort deutlich zugespitzt).

 

 


Pilz des Monats Oktober 2021 – Ungarisches Seitenfüßchen (Pleuromyces hungaricus)

Als ich am 17. Oktober 2010 (also vor mehr als 10 Jahren) während einer Exkursion mit Klaus Mandery und Justus Vogt im Truppenübungsplatz von Ebern (Unterfranken nö. Schweinfurt, Naturraum Mainfränkische Platten, Laubmischwald mit Buchen über Muschelkalk) mit den genannten Herren zusammen einen mir vollkommen unbekannten, seitlich gestielten braunsporigen Lamellenpilz fand (der habituell fast an den weißsporigen Bitteren Zwerknäueling Panellus stypticus erinnerte), war ich zunächst ratlos, fühlte mich aber (entfernt) an eine in meiner Dissertation aufgeführte ebenfalls nicht vollständig geklärte Kollektion aus der Gattung Melanotus (die dort geführten Arten werden heute meist als seitlich gestielte Formen der Gattung Deconica betrachtet) oder an irgendein bräunliches Stummelfüßchen (Crepidotus) erinnert. Die mikroskopische Untersuchung (mehr weiter unten) ergab schon damals, dass die Proben nicht überein stimmten und auch bei den Stummelfüßchen oder in anderen möglichen Gattungen fand ich keine passende Art, und so blieb schließlich damals nur übrig, die Probe als unbestimmbar, als möglicherweise neu Art, abzulegen im Hinterkopf zu behalten und irgendwann weiter zu verfolgen.

Pleuromyces hungaricus 1 Bayern Unterfranken Ebern Truppenuebungsplatz Buche Fagus sylvatica Stummelfuesschen unbekannt Krieglsteiner PIlzschule
Pleuromyces hungaricus 2 Ungarisches Stummelfuesschen Bayern Unterfranken Ebern Truppenuebungsplatz Buche Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner
Pleuromyces hungaricus 3 Unterfranken Ebern Bayern Pilzkurse Mikroskopierkurs PIlzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Erstnachweis Deutschland
Pleuromyces hungaricus 4 Bayern Unterfranken Ebern Erstnachweis Deutschland unbeschriebene Art
Pleuromyces hungaricus 5 Bayern Unterfranken Ebern Truppenuebungsplatz Mainfraenkische Platten Muschelkalk Krieglsteiner Pilzschule Feldmykologe
Pleuromyces hungaricus 6 Ungarisches Seitenfuesschen Erstnachweis Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Buche Fagus sylvatica Stamm
Pleuromyces hungaricus 7 Justus Vogt Ebern Klaus Mandery Lothar Krieglsteiner Erstnachweis Deutschland mikroskopische Bestimmung Pilzschule Schwaebischer Wald
Ungarisches Seitenfüßchen (Pleuromyces hungaricus) am 17. Oktober 2010 im Truppenübungsplatz bei Ebern (Bayern, Unterfranken) an berindetem, liegendem Stamm von Buche (Fagus sylvatica) in Laubmischwald über Muschelkalk, leg. Lothar Krieglsteiner (zusammen mit Justus Vogt und Klaus Mandery), det. Pablo Alvarado (anhand DNA-Analyse), Fotos Lothar Krieglsteiner (Bilder 1-6) sowie Justus Vogt (7. Bild)

 

Im Frühjahr 2021 hatte ich etwas überraschend mehr Zeit als vorherzusehen war, weil wir aufgrund des Lockdowns (oder wie immer man das Berufsverbot für Kursgeber und andere sonst nennen möchte) keine Seminare geben konnten. Wie schon im Text zum Pilz des Monats Juni (Fumanellis Tellerling Rhodocybe fumanellii) erwähnt, sandte ich einige liegengebliebene unklare Proben (darunter die hier vorgestellte) nach Spanien zu Pablo Alvarado zur molekularen Analyse. Das für mich überraschende Ergebnis war: Pleuromyces hungaricus mit einer Übereinstimmung von 99,89 Prozent, was man als gesicherte Bestimmung werten kann. Gattung und Art waren erst 2018 beschrieben worden (vgl. Fungal Planet description sheets: 716ÂŒ784). Nun war auch klar, warum eine im Februar 2017 von meiner Frau Katharina durchgeführte Analyse (an der Universität Frankfurt im Rahmen eines Seminars im Zuge ihrer Ausbildung zum Fachberater für Mykologie) nicht zu einem Bestimmungsergebnis führen konnte – die Art war zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht beschrieben.

Pleuromyces hungaricus Baum Katharina Krieglsteiner Fachberater Universitaet Frankfurt unbeschriebene Art Pilzschule Schwaebischer Wald
DNA-Baum der dargestellten Probe vom Februar 2017 (Katharina Krieglsteiner anlässlich eines Seminars an der Universität Frankfurt). Zum damaligen Zeitpunkt lagen noch keine übereinstimmenden Proben in den DNA-Datenbanken vor (sprich: die Art war noch unbeschrieben).

Auch die Typus-Aufsammlung aus Ungarn stammt von einem dicken, liegenden Buchenstamm und erinnert stark an die Fundsituation in Ebern. Die in der Typus-Beschreibung abgebildeten Pilze wirken vielleicht etwas überständig aus und erinnern nur begrenzt an die hier gezeigten Fotos (vergleichen Sie selbst). 

Auch die gegebenen mikroskopischen Daten differieren durchaus: 

Pleuromyces hungaricus Zeichnung Skizze mikroskopische Merkmale Sporen Cheilozystiden Ebern Unterfranken Truppenuebungsplatz Krieglsteiner Lothar
erste mikroskopische Dokumentation unmittelbar nach dem Fund (Skizze Lothar Krieglsteiner) zu: Ungarisches Seitenfüßchen (Pleuromyces hungaricus) am 17. Oktober 2010 im Truppenübungsplatz bei Ebern (Bayern, Unterfranken) an berindetem, liegendem Stamm von Buche (Fagus sylvatica) in Laubmischwald über Muschelkalk, leg. Lothar Krieglsteiner (zusammen mit Justus Vogt und Klaus Mandery), det. Pablo Alvarado (anhand DNA-Analyse).

Die Form der Cheilozystiden stimmt gut überein, allerdings habe ich nicht völlig glatte, sondern fein geschummerte Sporen beobachtet (nur unbeholfen skizziert in einer damals schnell angefertigten Dokumentation, s.o.) und sie auch größer vermessen als es in der Originalbeschreibung geschrieben steht (7-9/4,5-5,5 gegenüber dort nur 6,5-7,5/4-5). Ich sollte darauf hin meinen Beleg noch einmal nachuntersuchen (was ich auf den Winter verschoben habe) und auch eine bessere, akkurate Zeichnung anfertigen (zumindest für den Fall einer Publikation in einer Zeitschrift), aber es sieht so aus, als ob die nun von 2 Funden bekannte Art variabler ist als es aus der Originalbeschreibung hervorgeht (was ja auch kein Wunder ist). Dranbleiben und Wiederfinden lautet die Devise!

Heute (27.4.22) habe ich den Fund endlich nachuntersucht. Die Zystiden hatte ich gut gezeichnet sie entsprechen auch gut der Darstellung in der Erstbeschreibung. Die Sporen sind im Gegensatz zu meiner Erst-Untersuchung doch wohl schön glatt - allerdings meine ich bei einigen Sporen eine gewisse sehr unregelmäßige Skulptur (eher nicht Ornamentation) zu erkennen, die Sporen erscheinen z.T. fast etwas eckig. Ihre Form ist sowieso recht variabel, teils fast rhombisch (wie auch in der Typus-Beschreibung), teils aber auch fast bohnenförmig. Ihre Größe maß ich diesmal kleiner, besser zur Typusbeschreibung passend, mit 6-7,5 (8,5)/4-5 (5,5) µm. Offensichtlich hatte ich damals einige besonders große Sporen überbewertet. Es schade nie, Funde später noch einmal - mit mehr Erfahrung dann - zu untersuchen :-)

Noch eine Anmerkung: zum Schluss machte ich noch einen Huthaut-Schnitt: ich fand braun inkrustierte, teilweise verzweigte und aufrecht stehende (wenn auch "verbackene" und nur auf Druck sich lösende) Zellen - eine Cutis würde ich sie nicht nennen Eine solche beschreiben jedoch die Erst-Autoren für P. hungaricus, während ihren Angaben nach der von ihnen nicht untersuchte Phaeomyces dubiosus E. Horak ("not available") eine "pileipellis with branching and erected terminal hyphae" aufweist, außerdem entfernt(er)e Lamellen. Vielleicht sind ja beide Taxa doch synonym - und die Huthaut (von der in der Originalbeschreibung keine Fotos gegeben werden) eben doch variabler, vielleicht auch altersabhängig "verkahlend". Man beantwortet eine Frage - und weitere tun sich auf. Möglicherweise ist Pleuromyces hungaricus "nur" ein Synonym von Phaeomyces dubiosus. Auf alle Fälle eine Besonderheit!


Pilz des Monats September 2021 – Getropfter Saftporling (Postia guttulata)

Heute stelle ich einen der häufigsten Porlinge des Schwäbischen Waldes und anderer Regionen in Deutschland vor, zumindest an Nadelholz, an dem die Art (nahezu?) ausschließlich vorkommt, bei uns vorzugsweise an Stümpfen von Fichte, anderswo an Kiefer. Wie alle Arten der Gattung Postia  (und im Gegensatz zu Saftporlingen z.B. der Gattung Tyromyces) löst der Getropfte Saftporling eine Braunfäule aus, was den befallenen Stümpfen (sie befinden sich in der späten Optimal- und Finalphase) oft auch anzusehen ist (Anm.: Braunfäule-Pilze bauen das Lignin nicht ab, was zu einer Würfelbruch-Fäule führt, bei der das Holz die vom Lignin stammende braune Färbung behält bzw. anreichert). Anlass für diesen Pilz des Monats ist die Tatsache, dass mich Kursteilnehmer Thomas Holl dazu veranlasste, den Kartierungsstand der Art für Baden-Württemberg anzusehen – und ich mit etwas Unglauben zur Kenntnis nahm, dass die Art in der breiten Öffentlichkeit der Pilzkundler zumindest in Baden-Württemberg offenbar noch unbekannter ist, als ich angenommen hatte – am Besten schauen Sie hier nach: Verbreitung Postia guttulata (Peck) Jülich 1982 (pilze-deutschland.de)).

Postia guttulata 1 Oligoporus Sporngiporus Getropfter Saftporling Nadelholz haeufig Schwaebisch Fraenkischer Wald Pilzschule Porlingskurs Krieglsteiner
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata, vormals auch Tyromyces guttulatus und Sporngiporus guttulatus) am 15.09.2014 im Waldgebiet "Hafental" bei Alfdorf-Hintersteinenberg (Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart), an Fichtenstumpf in Mittelgebirgs-Nadelmischwald (Foto Lothar Krieglsteiner)
Postia guttulata 1a Schwarzwald Hornberg Pilzlehrschau Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Nadelholz Poren klein gezont rosa Getropfter Saftporling
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 05.10.2014 im "Offrenbachtal" bei Hornberg im Schwarzwald (Baden-Württemberg), an Fichtenstumpf der Finalphase (Foto Lothar Krieglsteiner)
Postia guttulata 2 Getropfter Saftporling Niedersachsen Solling Nadelholz Guttationstropfen junger Fruchtkoerper Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner
Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 29.09.2011 im Solling bei Dassel (Niedersachsen) an Fichtenstumpf in saurem Fichtenforst (Foto Lothar Krieglsteiner). Beobachten Sie die deutlichen Guttationstropfen am ganz jungen Pilz.
Postia guttulata 3 Murrhardt Schwaebischer Wald Guttationstropfen haeufiger Porling Nadelholz Fichte Kiefer blassrosa wenig bekannt
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 28.07.2012 beim "Wacholderhof" b. Murrhardt (Baden-Württemberg, Schwäbisch-Fränkischer Wald nö. Stuttgart), an Fichtenstumpf in Nadelmischforst (Foto Lothar Krieglsteiner). Sie sehen einen jungen Fruchtkörper mit noch gut erhaltenen Guttationstropfen.
Postia guttulata 4 Getropfter Saftporling Flecken Guttationstropfen Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg Stuttgart Krieglsteiner
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 23.08.2015 im Waldgebiet "Hafental" bei Alfdorf-Hintersteinenberg (Baden-Württemberg, Schwäbisch-Fränkischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) an Fichtenstumpf in Nadelmischwald (Foto Lothar Krieglsteiner). Die Guttationstropfen sind eingetrocknet, aber noch gut als "Wasserflecken" erkennbar.
Postia guttulata 5 Getropfter Saftporling zungenfoermig Nadelholz Fichte Kiefer Braunfaeule Porlingskurs Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 15.10.2012 im "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig (Baden-Württemberg, Schwäbisch-Fränkischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) an Fichtenstumpf in Nadelmischwald (Foto Lothar Krieglsteiner). Beachten Sie den stielartig ins Holz hinein verlängerten Fruchtkörper. Von außen so nicht erkennbar.
Postia guttulata 6 Poren klein Detail Schwaebischer Wald Gmuend Stuttgart Baden Wuerttemberg Porlingskurs Feldmykologe Krieglsteiner Pilzschule
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 23.08.2015 im Waldgebiet "Hafental" bei Alfdorf-Hintersteinenberg (Baden-Württemberg, Schwäbisch-Fränkischer Wald n. Schwäbisch Gmünd), an Fichtenstumpf (Foto Lothar Krieglsteiner). Das Foto zeigt im Detail die eng stehenden Poren (laut Literatur 4-6 pro mm). 
Postia guttulata 7 Bayern Oberpfalz Regensburg Nadelwald Schnitt Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Porlingskurs Feldmykologe Context gezont
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 25.07.2007 am "Neubäuer Weiher" (Bayern, Oberpfalz nö. Regensburg) an Kiefernstumpf der Finalphase in anmoorigem, saurem Kiefern-Mischforst (Foto Lothar Krieglsteiner). Beachten Sie das gezonte "Fleisch" (Context). 
Postia guttulata 8 Getropfter Saftporling rosa gezont uneben Nadelholz scharfrandig Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Kartierung
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 06.07.2007 im Waldgebiet "Spitzhallde" bei Durlangen-Tanau (Baden-Württemberg, Schwäbisch-Fränkischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) an Fichtenstumpf in Mittelgebirgs-Nadelmischwald (Foto Lothar Krieglsteiner). Beobachten Sie die hier deutliche rosa (Ver-)färbung der unsauber gezonten Hutoberseite.
Postia guttulata 9 Bayern Bayerischer Wald Nadelholz Braunfaeule Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Porlingskurs Feldmykologe haeufiger Porling
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 09.08.2018 bei Thurmannsbang (Bayern, südlicher Bayerischer Wald), an Fichtenstumpf in Mittelgebirgs-Nadelmischwald (Foto Lothar Krieglsteiner). Die schon etwas angetrockneten Fruchtkörper sind rosa-bräunlich verfärbt, die Zonierung schwach ausgebildet, aber erkennbar.
Postia guttulata 10 aelterer gezonter rosabrauner Fruchtkoerper weich bitter zaeh faecherfoermig Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
 Getropfter Saftporling (Postia guttulata) am 25.06.2016 im Waldgebiet "Spitzhalde" bei Durlangen-Tanau (Baden-Wüttemberg, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart), an Fichtenstumpf der Finalphase in Mittelgebirgs-Nadelmischwald (Foto Lothar Krieglsteiner). Die älteren, stärker angetrockneten Fruchtkörper sind rosa-braun verfärbt und zeigen hier eine recht deutliche Zonierung.

 Nun – wie kann man die m.E. bereits makroskopisch leicht kenntliche Art charakterisieren. Wie der Name sagt, bilden junge Fruchtkörper häufig Guttationstropfen aus, die im Glücksfall auch an älteren Pilzen noch zu sehen sind, oft aber auch nicht. Weiterhin ist der meist stielartig ausgezogene Wuchs (oft erst zu bemerken, wenn man den Pilz ganz aus dem Substrat heraus-präpariert) und der oft (nicht immer) zungen- bis fächerförmige Habitus oft charakteristisch. Dazu die für einen Saftporling recht harte Konsistenz – jung sehr wasserhaltig, aber bald austrocknend und dann eher ein zäher Porling, den man dann nicht mehr unbedingt als Saftporling einordnen würde. Die jung eher bräunlichen Pilze blassen bald typisch schmutzig rosa-weißlich aus – eine Tönung, die sich im Alter noch verstärkt, bis schließlich am Alten Pilz bräunliche Töne überwiegen können. Die Hut-Oberfläche ist uneben rau und erscheint mehr oder weniger deutlich unsauber gezont. Die sehr eng stehenden, weißen Poren sind auf Übersichtsfotos meist nicht zu erkennen. Das mäßig bitter schmeckende Fleisch ist ebenfalls meist einigermaßen gezont. Insgesamt genug, um die Art wie schon gesagt sicher zu erkennen. Wir finden sie fast bei jeder Exkursion, wenn wir in Nadelwaldgebieten unterwegs sind.


Pilz des Monats August 2021 – Preiselbeer-Rost, Preiselbeer-Hexenbesen (Pucciniastrum goeppertianum alias Calyptospora goeppertiana, auch Thekopsora goeppertiana)

Dies ist einer von nur 3 Pilzarten, die ich in diesem Jahr auf unserer Exkursionsfahrt nach Rumänien (mit Zwischenstopps in Österreich und Ungarn auf Hin- und Rückfahrt) erstmals finden konnte (falls bei den wenigen weiteren mitgenommen Proben nicht noch große Überraschungen kommen - die anderen beiden sind Epichloe baconii auf Agrostis tenuis in Österreich sowie Conocybe magnispora in den rumänischen Bergen) – und von den dreien der für mich spektakulärste Neufund. Obwohl ich den Pilz noch nie vorher sah (im Gegensatz zu Katharina, die den Pilz 2017 im Nationalpark Schwarzwald auf einer Exkursion gezeigt bekam), wusste ich gleich, was ich vor mir hatte. Das Befallsbild ist sehr eindeutig – eine Art Hexenbesen an Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea). Im Gegensatz zu den gesunden Preiselbeer-Pflanzen sind die befallenen etioliert, d.h. wachsen höher und mit deutlich vergrößerten Internodien (Blattabständen) und kleineren Blättern, dafür ist der Spross verdickt und (frisch, wie wir ihn fanden) deutlich blass rosarot eingefärbt, richtig hübsch anzusehen.

Pucciniastrum goeppertianum 1 Calyptospora goeppertiana Hexenbesen Preiselbeere Rumaenien Apuseni Moor Polytrichum commune Gemeines Frauenhaar
Preiselbeer-Rost, Preiselbeer-Hexenbesen (Pucciniastrum goeppertianum) am 21.07.2021 im Naturpark Apuseni (Rumänien, Region Alba Julia, bei Horea, unweit Trifeşti, 1323 m NN, GPS N46°32'15.40" E22°53'22.34"), an lebenden Pflanzen von Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) in kleinem saurem Niedermoor mit hochmoor-artiger Vegetation (Torfmoose, Polytrichum commune u.a.), Gruppe von befallenen Pflanzen, gesunde Pflanzen in der Umgebung häufig, leg., det. Lothar & Katharina Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie (auch auf den Folgefotos) die schön rosa gefärbten Sprosse. Die Preiselbeeren wachsen inmitten von "Gemeinem" Frauenhaarmoos (Polytrichum commune)  - grüne Moospflänzchen und Sporogone.
 Pucciniastrum goeppertianum 2 Calyptospora Hexenbesen Preiselbeere Vaccinium vitis idaea Hochmoor Polytrichum commune Sphagnum Rumnien Apuseni
 Pucciniastrum goeppertianum 3 Rumaenien Apuseni Naturpark Hochmoor Sphagnum Polytrichum commune Krieglsteiner Nationalpark Schwarzwald
 Pucciniastrum goeppertianum 4 Preiselbeer Rost Tanne Wirtswechsel Katharina Krieglsteiner Nationalpark Schwarzwald Exkursionsfahrt
 Pucciniastrum goeppertianum 5 Studio Preiselbeer Rost Hexenbesen Parasitische Pilze Wirtswechsel Teleutosporenlager Telien Krieglsteiner
 Preiselbeer-Rost, Preiselbeer-Hexenbesen (Pucciniastrum goeppertianum) am 21.07.2021 im Naturpark Apuseni (Rumänien, Region Alba Julia, bei Horea, unweit Trifeşti, 1323 m NN, GPS N46°32'15.40" E22°53'22.34"), an lebenden Pflanzen von Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) in kleinem saurem Niedermoor mit hochmoor-artiger Vegetation (Torfmoose, Polytrichum commune u.a.), Gruppe von befallenen Pflanzen, gesunde Pflanzen in der Umgebung häufig, leg., det. Lothar & Katharina Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie die nach mehreren Stunden Aufenthalt in einer Minigrip-Plastiktüte nach rostbraun verfärbten Sprosse (bzw. Teleutosporenlagen).

 

Im Alter verfärben sie sich dann nach rostbraun – dazu genügt allerdings, dass man die Probe einige Stunden in einer Plastiktüte verstaut 😊 (vgl. Studiofoto oben).

Die Teleutosporen werden im Inneren der Epidermiszellen gebildet und sind im durchfallenden Licht farblos.

Pucciniastrum goeppertianum 6 Teleutosporen Wirtszellen Preiselbeere Vaccinium vitis idaea Wirtswechsel Abies alba Weisstanne Rumaenien Apuseni
Preiselbeer-Rost, Preiselbeer-Hexenbesen (Pucciniastrum goeppertianum) am 21.07.2021 im Naturpark Apuseni (Rumänien, Region Alba Julia, bei Horea, unweit Trifeşti, 1323 m NN, GPS N46°32'15.40" E22°53'22.34"), an lebenden Pflanzen von Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) in kleinem saurem Niedermoor mit hochmoor-artiger Vegetation - die farblosen, septierten Teleutosporen werden im Inneren der Epidermiszellen des Wirts gebildet.

 

Die Art führt einen Wirtswechsel durch – die Haplonten-Generation mit den Aecidien wird auf Weißtanne (Abies alba) gebildet. P. goeppertianum ist deshalb wohl nur in Gebieten mit Weißtannen-Vorkommen zu erwarten. Zudem scheint die Art hochmoorartige Standorte zu bevorzugen. Sie ist wohl ziemlich selten, auch wenn nicht allzu viele Menschen nach ihr suchen.

 

 


 

Pilz des Monats Juli 2021 – Flammenkronen-Erbsentrüffel (Endogone flammicorona – und Milchende E. Endogone lactiflua)

Im April 2020 wählte ich zu Beginn der Pandemie bzw. eher zu Beginn der dann uns betreffenden einschneidenderen Corona-Maßnahmen (Kurs-Verbot) den Rostpilz Puccinia coronata, den Kronenrost, um etwas humorvoll auf die unbefriedigende Situation hinzuweisen. Nach nun mehr einem Jahr besserte sich diese nun endlich und die Kurs-Saison konnte wieder eröffnet werden – hoffen wir, dass dies auch über den Spätsommer und Herbst so bleiben kann. Um dies symbolisch zu untermauern, wähle ich nun als Pilz des Monats eine Flammenkrone – diese soll das Corona-Virus niederbrennen und in Schach halten – am Besten so, dass auch über den nächsten Winter (sofern die Impfungen auch wirklich dann weit genug vorangekommen sind) Kurse gegeben werden dürfen. Die Flammenkrone als Symbol der Hoffnung …

Es ist immer eine große Freude, bei Exkursionen gute Gespanne mit Trüffelhund(en) dabei zu haben. In besonderem Maße gilt dies für Sabine Hörnicke (Bei uns finden Sie alles zu Trüffel, zur Trüffelsuche und zum Trüffelbaum (natrueff.com) und ihre Hunde Milly und Pepper (letztere hat die legendäre Jule nach deren Tod 2020 abgelöst), die aus unserer Sicht eines der besten, wenn nicht das beste Gespann in Deutschland sind. Sabine, Milly und Pepper waren letzte Woche beim Mooskurs dabei, uns so gab es wieder etliche spannende Funde nebenher, so z.B. zweimal Michaels Rasentrüffel (Hydnotrya michaelis – auch einmal einen Pilz des Monats wert …) sowie ein älteres Exemplar der Blaunuss (Chamonixia caespitosa – diese war auch schon einmal Pilz des Monats: Blaunuss (Chamonixia caespitosa) - Seite 5 (pilzkunde.de)

Endogone flammicorona Flammenkronen Erbsentrueffel Mooskurs Pilzschule Schwaebischer Wald Sabine Hoernicke natrueff Sporen Hypogaen Krieglsteiner
Flammenkronen-Erbsentrüffel (Endogone flammicorona) am 15.06.2021, "Hafental" bei Alfdorf-Hintersteinenberg (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg) in saurem Nadelmischwald bei Fichte und Tanne, leg. Pepper & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner - im gleichen Wald auch mehrfach E. lactiflua (s.u.). Die Aufsammlung wurde nicht im Wald, sondern erst zuhause in unserem Garten in Spraitbach photographiert.
Endogone lactiflua Miclhfluss Erbsentrueffel Pilzschule Schwaebischer Wald Mooskurs Sabine Hoernicke Corona Massnahmen Krieglsteiner
 Milchfluss-Erbsentrüffel (Endogone lactiflua) am 15.06.2021 (n)ö. von Mittelbronn, Wald zum Käshöfle, unter Fichten und Tannen in saurem Nadelmischwald, leg. Pepper & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

 

Und eben verschiedene Aufsammlungen von sogenannten „Erbsentrüffeln“ der Gattung Endogone, die man am Besten durch den Milchsaft in Kombination mit der rötlichen, unter der Lupe im Schnitt rundlich granulierten (das sind die extrem großen Sporen!) Fruchtkörper erkennen kann. Früher standen auch Glomus-Arten bei den „Erbsentrüffeln“ bzw. mit diesen in der Abteilung Zygomycota (Jochpilze), bevor klar wurde, dass diese eine ganz eigene Gruppierung sind (VA-Mykorrhizapilze bzw. Glomeromycota). Endogone steht heute nach dem „Zerbrechen“ der Jochpilze in der Abteilung Mycoromycotina, also bleiben beim „Kern“ der Gruppe, zusammen mit den Köpfchenschimmeln und verwandten Arten.

Endogone flammicorona Sporen Ummantelung Hyphen spiralig Sporen klein Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner
Flammenkronen-Erbsentrüffel (Endogone flammicorona) am 15.06.2021, "Hafental" bei Alfdorf-Hintersteinenberg (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg) in saurem Nadelmischwald bei Fichte und Tanne, leg. Pepper & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie die spiralig gewundenen Hyphen um die unter 100 µm "kleinen" Sporen - die "Flammenkrone" ist nur symbolisch heiß ...
Endogone lactiflua Sporen glatt umwoben intricat Sporen gross natrueff Hoernicke Krieglsteiner PIlzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
 Milchfluss-Erbsentrüffel (Endogone lactiflua) am 15.06.2021 (n)ö. von Mittelbronn, Wald zum Käshöfle, unter Fichten und Tannen in saurem Nadelmischwald, leg. Pepper & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie die über 100 µm großen Sporen ohne spiralige Ummantelung.

 

Beide milchenden Engogone-Arten sind einander durchaus recht ähnlich und können mit letzter Sicherheit nur mikroskopisch unterschieden werden, was aber leicht geht. Die „Flammenkrone“ von E. flammicorona kommt durch die Sporen spiralig ummantelnde Hyphen vor, während bei E. lactiflua diese Hyphen „intricat“ sind und den Blick auf das Sporeninnere besser freigeben. Außerdem sind die Sporen von E. lactiflua deutlich größer. Beide Arten kommen öfter auch gemeinsam im gleichen Waldstück vor – so diesmal im „Hafental“ und schon einmal zusammen mit Sabine im Nationalpark Eifel so beobachtet. Beide scheinen typisch vor allem für saure Nadelwälder (besonders Fichte) zu sein.

Möge die Flammenkrone wirken! Einen erneuten Pilz des Monats mit Bezug zur Corona-Pandemie würde ich mir nämlich gerne sparen. Aller guten Dinge sollen hier bitte 2 bleiben ….

P.S.: Treffen sich zwei PilzkundlerInnen: „Hattest Du eigentlich schon Corona?“ … „Nein, aber Flammicorona 😊“ (der Witz ist nicht von mir, sondern von Katharina - ganz neu erfunden :-)

 


Pilz des Monats Juni 2021 – Fumanellis Tellerling (Rhodocybe fumanellii)

Als ich beim Schirmlingskurs in Veitshöchheim bei Würzburg (der im Übrigen mit ca. 15 verschiedenen Schirmlingsarten durchaus ziemlich ergiebig war) am 21.10.2019 einen rotbräunlichen, kleineren Pilz in der Laubstreu unter einer Vogelkirsche (Prunus avium) inmitten eines für die dortige Gegend typischen Eichen-Hainbuchen-Mischwaldes in recht üppiger Menge (ca. 20 Fruchtkörper waren es bestimmt insgesamt) fand, war ich – was schon öfter einmal, aber doch nicht soo oft vorkommt, einigermaßen ratlos. Der rotbräunliche Pilz erinnerte entfernt an mehrere Arten, die aber doch alle nicht wirklich in Frage kamen, spätestens nicht unter dem Mikroskop – so dachte ich an sehr untypische Rötelritterlinge (Paralepista oder Paralepistopsis), an den Kuhroten Schönkopf (Calocybe civilis alias Gerhardtia civilis, auch als Lyophyllum incarnatobrunneum bekannt – die Art kenne ich aus der Eifel und sie wäre auch einmal einen Pilz des Monats wert …) sowie an Tellerlinge aus der Verwandtschaft des Fuchsigen T. (Rhodophana nitellina bzw. ihre „Abart“ R. melleopallens – ein schwieriger, noch nicht ganz „durchdrungener“ Artenkomplex), aber auch an eine ganz kleine und farbintensive Form des Würzigen T. (Rhodocybe gemina) – wie sich heraus stellen sollte, der beste Gedanke (denn mit ihm teilt R. fumanellii die Sektions-Zugehörigkeit Rubrobrunnea), obwohl ich ihn auch schnell wieder verwarf, obwohl die Mikromerkmale (Sporen mit feinen, andeutungsweise längs angeordneten unregelmäßigen Warzen) hierzu schon ziemlich gut zu passen schienen. Aber so klein und schmächtig, und so rasig wachsend, das wollte mir nicht einleuchten. Zu Recht.

Rhodocybe fumanellii Vogelkirsche Prunus avium Unterfranken Deutschland Pilzschule Schwaebischer Wald DNA Sequenzierung Alvarado Schirmlingskurs Veitshoechheim Custom
Rhodocybe fumanellii Fumanellis Tellerling Italien Wuerzburg Unterfranken Veitshoecheim Edelmannswald Schirmlingskurs Lothar Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Custom
Fumanellis Tellerling (Rhodocybe fumanellii) am 21.10.2019 im "Edelmannswald" bei Veitshöchheim (bei Würzburg, Unterfranken, Bayern, Deutschland), reichlich fruchtend in der Streu unter Vogelkirsche (Prunus avium) in Eichen-Hainbuchen-Mischwald über Muschelkalk, leg. Schirmlings-Kurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Pablo Alvarado durch DNA-Sequenz, Fotos Lothar Krieglsteiner

 

Im Lockdown und ohne die Möglichkeit, Kurse zu geben fällt einem so einiges ein – und man kommt auch zu so manchen Dingen, zu denen man sonst nicht so häufig kommt. So nahm ich mir in diesem Frühjahr die Zeit und – obwohl die Verdienst-Ausfälle leider nicht gering sind, auch das Geld in die Hand, um einmal eine Sendung an Pablo Alvarado in Spanien fertig zu machen, und zwar genau 15 Proben von mir bisher unklaren oder sonst interessanten Pilzfunden. Pablo bietet für inzwischen relativ wenig Geld (derzeit knapp unter 20 Euro pro Probe, sofern es in einem Durchlauf „funzt“) die Sequenzierung von Pilzproben an – und heutzutage ist dies nicht immer, aber doch recht oft die „halbe Miete“ bei der Bestimmung. Nun – das Ergebnis ist nicht von der Hand zu weisen, die Übereinstimmung mit Rhodocybe fumanellii (bisher nur vom Typus aus Italien bekannt – vgl. MC_article_27094_en_1.pdf) beträgt stolze 100 Prozent, Zweifel sind also nicht angebracht. Die Fotos in der Erstbeschreibung passen auch sehr gut zu meinem Pilz. Mikroskopisch waren mir bei meiner Untersuchung die laut Beschreibung „verstreut“ (scattered) vorhandenen Cheilozystiden nicht aufgefallen, auch sind meine Sporen-Messungen etwas unter denen von Vizzini & al. (dort 5.3–)5.68–6.26–6.83(–7.3) × (3.5–)3.93–4.26–4.58(–5.1), ich maß 4,7-6,3/3,5-4,3 µm). Eine Nachuntersuchung und akkuratere Messung mag die Differenzen noch (z.T.) auflösen.

R. fumanellii ist neu für Deutschland, der Fund bei Würzburg („Edelmannswald“ bei Veitshöchheim) wohl der erste nach der Typus-Kollektion. Wer meint, dass die Pilzvorkommen in Deutschland schon nah an vollständig erforscht sind, irrt ziemlich. Dazu kommt, dass der Klimawandel wohl auch dafür sorgt, dass Arten des Mittelmeergebietes bei uns „aufschlagen“. Die Aussage, dass dies auch bei R. fumanellii so ist, ist allerdings sicherlich voreilig bzw. im Nachhinein nicht zu beweisen. Ältere Funde der Art gibt es schließlich (nach derzeitigem Wissen) weder in Süd- noch in Mitteleuropa …


Pilz des Monats Mai 2021 – die Krustenflechte Mycobilimbia sphaeroides, ein Kollateral-Verlust bei der Wegsicherung im Zuge des Eschensterbens

Große Stammlager vor allem von Eschen an Waldwegen und anderswo sind derzeit ein alltäglicher Anblick wohl überall in Deutschland. Schon seit Jahren wütet ein parasitischer Pilz, genau gesagt die parasitisch wachsende Nebenfruchtform eines Becherlings (Hymenoscyphus fraxineus, Anamorphe Chalara fraxinea) und tötet viele (wenn auch keineswegs alle!) Eschen, löst das sogenannte Eschen-Triebsterben aus. Die Eschen werden nun aus zwei Gründen gefällt: zum Einen will man natürlich ihr Holz noch zu Geld machen, solange es nicht am stehenden Stamm verfault. Zum Anderen gilt das Argument des Wegeschutzes – man will verhindern, dass irgendwann umfallende Baumstämme Sparziergänger oder Forstarbeiter verletzen oder töten.

Das wie für Deutschland typisch meist recht gründliche Vorgehen (sicherheitshalber gleich alle Eschen auf einmal) hat viele Kollateralschäden – Organismen, die in vielfältiger Weise von der Esche abhängig sind, verlieren ihre Lebensgrundlage. Es ist bekannt, dass auch einzelne Eschen das Triebsterben überleben (würden!) und – ähnlich, wie dies von den verschiedenen Wellen des Ulmensterbens bekannt ist – resistente Bäume einen neuen, wenn auch natürlich zunächst kleineren Bestand aufbauen. Es wäre also aus meiner Sicht nicht nötig oder gar angezeigt, alle Eschen zu entfernen, auch nicht alle toten Eschen, denn auch diese sind Lebensgrundlage für holzbewohnende Insekten und Pilze.

Die Krustenflechte Mycobilimbia sphaeroides (auch fälschlich M. sphaeroidea, Synonym Biatora pilularis) wird in der Roten Liste der Flechten Baden-Württembergs als „vom Aussterben bedroht“  (1) geführt. Einer der sehr wenigen Wuchsorte lag bis vor wenigen Wochen im „Osterbachtal“ bei Gaildorf-Schönberg, an der Basis einer älteren Esche – ein Wuchsort, der schon lange bekannt ist (kartiert in Wirth: Die Flechten Baden-Württembergs). Eher durch Zufall fand auch ich die Flechte dort und untersuchte sie auch mikroskopisch. Meine Bestimmung wurde dann im Forum ascofrance auch bestätigt (lichen on tree bark - Mycobilimbia sphaeroides? - Forum ASCOFrance). Seither zeige ich die Flechte jährlich bei meinen Flechtenkursen. Zeigte …

Mycobilimbia sphaeroidea Biatora pilularis Krustenflechte Rote Liste Baden Wuerttemberg vom Aussterben bedroht Gaildorf Schnberg Osterbachtal Eschensterben
Mycobilimbia sphaeroides pilularis Biatora Rote Liste vom Aussterben bedroht Wegsicherung Naturschutz Eschensterben Genozid Morchelsuche Pilzschule Krieglsteiner
Mycobilimbia sphaeroides pilularis Flechte Eschen Stammbasis Fllungen Genozid Becherling Hymenoscyphus fraxineus Chalara fraxinea Triebsterben Wegsicherung
Mycobilimbia sphaeroides pilularis Flechtenkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Naturschutz Prioritaet Wegsicherung Lungenflechte Reinluft Windkraf
Mycobilimbia sphaeroides pilularis sphaeroidea Krustenflechte Raritaet Rote Liste Baden Wuerttemberg Eschensterben Eschenfaellung Wegsicherung Naturschutz
Mycobilimbia sphaeroides (= Biatora pilularis) - Krustenflechte mit grünem "Lager" und rosabräunlichen Apothezien an der Basis von stehender, alter Esche (Fraxinus excelsior) im "Osterbachtal" bei Gaildorf-Schönberg (Schwäbischer Wald) am 24.02.2017 (obere 3 Fotos) und am 21.03.2018 (untere 2 Detail-Fotos), anlässlich von Flechtenkursen der Pilzschule Schwäbischer Wald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Mycobilimbia sphaeroides z Sporen Fruchtschicht zweizellig KOH Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Genozid Esche Kollateralschaden
Mycobilimbia sphaeroides (= Biatora pilularis) - an der Basis von stehender, alter Esche (Fraxinus excelsior) im "Osterbachtal" bei Gaildorf-Schönberg (Schwäbischer Wald) am 24.02.2017 anlässlich von Flechtenkurs der Pilzschule Schwäbischer Wald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Das Foto zeigt Sporen in KOH. Das Abtöten der Sporen führt zur Sichtbarkeit der Septen bei den zweizelligen Sporen. Mehr Fotos auch von lebenden Sporen vgl. lichen on tree bark - Mycobilimbia sphaeroides? - Forum ASCOFrance
 Mycobilimbia sphaeroides z Fruchtschicht Paraphysen Guttulen Mikroskopierkurs Flechtenkurs unreife Asci Rote Liste Baden Wuerttemberg vom Aussterben bedroht
 Mycobilimbia sphaeroides (= Biatora pilularis) - an der Basis von stehender, alter Esche (Fraxinus excelsior) im "Osterbachtal" bei Gaildorf-Schönberg (Schwäbischer Wald) am 24.02.2017 anlässlich von Flechtenkurs der Pilzschule Schwäbischer Wald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt die Fruchtschicht im Anschnitt, vor allem die mit Vakuolen-Guttulen (feinen Tröpfchen) angefüllten Paraphysen (unreife Asci nur unscharf.).
Mycobilimbia sphaeroides z Fruchtschicht unreife Asci Jod Baralsche Loesung blau Mikroskopierkurs Flechtenkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
 Mycobilimbia sphaeroides (= Biatora pilularis) - an der Basis von stehender, alter Esche (Fraxinus excelsior) im "Osterbachtal" bei Gaildorf-Schönberg (Schwäbischer Wald) am 24.02.2017 anlässlich von Flechtenkurs der Pilzschule Schwäbischer Wald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. - Das Foto zeigt unreife Schläuche nach Anfärbung mit Baralscher Lösung (Jod-Jod-Kalium-Lösung). Flechten zeigen oft starke Reaktionen der Asci (oder des ganzen Hymeniums) mit Jod-Reagentien.

 

Im Osterbachtal wurden alle wegnahen Eschen gefällt, darunter auch die (einzige) mit M. sphaeroides. Der Wuchsort ist somit erloschen. Die Krustenflechte wuchs dort von knapp über Boden-Niveau bis in knapp 2 m Höhe. Eine Fällung in 2 m Höhe hätte der Wegsicherung auch genügt. Dies gilt für alle Eschen in diesem Gebiet, die natürlich alle nah am Boden abgeschnitten wurden. Dies gilt auch für mehrere Eschen, an denen die ebenfalls sehr selten gewordene Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) wuchs. Diese ist laut Bundesartenschutzverordnung „besonders und streng geschützt“. Ein Etikett, das nur im Falle des Absammelns der Flechte zählt – Wegsicherung ist natürlich (! - ?) der höhere Wert.

 

Esche Lungenflechte Eschensterben Becherling Hymenoscyphus fraxineus Nebenfruchtform Chalara fraxinea Resistenz Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
gefällte Eschen an Waldweg-Rand im "Osterbachtal" bei Gaildorf-Schönberg am 13.04.2021. Die Eschen werden aus marktwirtschaftlichen Gründen sowie zur Wegsicherung gefällt. Dies hat in der derzeitigen, gründlichen Weise schwere naturschutz-fachliche Kollateralschäden (Foto Lothar Krieglsteiner). Die Austilgung des Wuchsortes der seltenen Krustenflechte Mycobilimbia sphaeroides (Rote Liste Baden-Württemberg: vom Aussterben bedroht) ist ein Beispiel.
Eschen Fraxinus excelsior gefllt Wegsicherung Eschensterben Lungenflechte Naturschutz Konflikt Genozid Forstwirtschaft Osterbachtal Gaildorf Pilzschule
Esche Lungenflechte Lobaria pulmonaria Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschtzt Witz Todesurteil Wegsicherung Naturschutz Konflikt Forstwirtschaft
Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) an frisch gefällten Eschenstämmen im "Osterbachtal" bei Gaildorf-Schönberg. Die laut Bundesartenschutzverordnung "besonders und streng" geschützte Art kann nur im Luftraum an stehenden Baumstämmen überleben. Was besonders strenger Schutz wert ist, zeigt sich wie so oft im Vergleich mit anderen Werten wie Sicherheit (Wegsicherung) und Ökonomie. Paradox: selbst die Entnahme der todgeweihten Flechten von den gefällten Stämmen steht unter Strafe! Ein ganz schlechter Witz (Fotos: Lothar Krieglsteiner, oberes Foto: Übersicht, unteres Foto: Detail der Lungenflechte).

Ich möchte hier niemanden anklagen. Immerhin wurden die Eschen schon sehr lange stehen gelassen (sie hätten schon früher Geld eingebracht) und immerhin wurde eine etwas weiter vom Weg entfernte Esche, an der die Lungenflechte wächst, vorerst stehen gelassen. Das Gleiche gilt für wenige noch nicht so alte Bergahorn-Bäume mit Lungenflechte, die ebenfalls stehen gelassen wurden. Insofern muss man also dankbar sein. Der Wuchsort der Lungenflechte wurde nicht ausgelöscht, nur sehr stark dezimiert. Es darf aber gefragt werden, ob der derzeitige Genozid an unseren Eschen-Vorkommen (und damit auch z.B. an den Vorkommen der Speisemorchel Morchella esculenta) wirklich in diesem Maße nötig ist. Der Pilz hat schon Schlimmes bewirkt – jetzt leisten wir Menschen wieder einmal ganze Arbeit. Und das Ahornsterben durch die Rußrindenkrankheit (Pilz Cryptostroma corticale) hat unsere Region noch nicht erreicht. Wenn dann auch noch die Ahorne absterben und gefällt werden, dann ist es auch mit der Lungenflechte im Osterbachtal vorbei.


Pilz des Monats April 2021 – Norwegischer Stäubling (Lycoperdon norvegicum)

Stäublinge oder Weichboviste – das lernen schon die Anfänger – sind essbar, solange sie innen weiß sind. Mit der Zeit lernt man einige Arten kennen, von denen manche sehr häufig sind (z.B. Flaschen- und Birnenstäubling), andere deutlich seltener (z.B. Beschleierter Stäubling, Igelstäubling), andere wachsen nicht wie die schon genannten Arten in Wäldern, sondern auf Grasflächen wie der immer noch vielerorts häufige Wiesenstäubing , der relativ wenig gegenüber Nährstoffeinträgen empfindlich scheint, aber auch z.B. der Hasenbovist, der heute nur noch selten in Reliktflächen in der „Kulturlandschaft“ anzutreffen ist. Wer sich intensiver mit der Gruppe befasst, wird noch eine ganze Reihe weiterer Arten kennen lernen und irgendwann beginnen, Proben auch mikroskopisch zu untersuchen.

In der Kurs-Saison und bei den Seminaren ist man als Kursleiter in der Regel sehr damit beschäftigt, alles Nötige zu tun, dass sich die TeilnehmerInnen wohl fühlen und vor allem, dass sie auch fachlich vom Kurs profitieren. Die Mehrzahl der Pilzfunde werden deshalb draußen ausführlich erklärt, und wo es nicht bis zur Art geht, bleibt es eben bei einer groben Annäherung, die den meisten Pilzfreunden auf Kursen auch völlig genügt. Immerhin schaffe ich es manchmal, unklare Funde zumindest mit einem Standortfoto zu dokumentieren und eine Probe mitzunehmen, diese zu trocknen, zu beschriften und so zu verstauen, dass sie später einmal wieder gefunden und nach-untersucht werden kann. Man kann sich vorstellen, dass man das nicht bei einem Dutzend Funde täglich tut …

Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Tanne Fichte
 Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Seltenheit
 Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Tanne Ficht Agaricaceae
 Norwegischer Stäubling (Lycoperdon norvegicum) am 12.08.2019 bei einer Seminar-Exkursion der Pilzschule Schwäbischer Wald bei Gschwend-Rotenhar, am "Weiterweg" (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) in der Bodenstreu eines Weißtannen-Fichten-Mischbestandes auf mäßig basenreichem Boden, det., Foto Lothar Krieglsteiner - oben Übersicht, dann 2 Detail-Aufnahmen der Exoperidien-Bestachelung

 

Stäublinge gehörten früher ohnehin nicht zu meinen Lieblingsgruppen. Dies hat sich aber seit ein paar Jahren ein wenig geändert und so machte ich am 12.08.2019 bei einer Kurs-Exkursion die hier gezeigten Fotos und ein Exsikkat, das ich mir vor wenigen Wochen im Lockdown anschauen konnte. Der lange Winter macht es möglich. Nun – obwohl meine Expertise bei der Mikroskopie der Stäublinge gerne noch wachsen darf, fiel mir gleich auf, dass dieser Stäubling irgendwie seltsam ist. Lycoperdon-Sporen sind in der Regel recht deutlich, aber doch immerhin stets erkennbar warzig ornamentiert, was man trotz deren Kleinheit eigentlich unter genügend hoher Vergrößerung schnell sehen kann. Eine Ausnahme ist eigentlich nur der inzwischen in eine eigene Gattung ausgegliederte Birnen-Stäubling (jetzt Apioperdon pyriforme), der aber, da werden Sie mir zustimmen, für den hier gezeigten Pilz nicht das richtige Bestimmungsergebnis ist.

Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Sporen fast glatt
Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Sporen fast glatt Baumwollblau
 Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Capillitium
 Norwegischer Stäubling (Lycoperdon norvegicum) am 12.08.2019 bei einer Seminar-Exkursion der Pilzschule Schwäbischer Wald bei Gschwend-Rotenhar, am "Weiterweg" (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) in der Bodenstreu eines Weißtannen-Fichten-Mischbestandes auf mäßig basenreichem Boden, det., Foto Lothar Krieglsteiner - erstes Foto Sporen ohne Anfärbung (in KOH), zweites Foto Sporen nach Anfärbung mit Lactophenol-Baumwollblau, drittes Foto Capillitium-Faser

 

Die Sporen des hier vorgestellten Fundes sind auch unter 1000facher Vergrößerung (Immersion) nahezu vollständig glatt, was auch noch nach der Anfärbung mit Lactophenol-Baumwollblau zutrifft. Ferner sind die Sporen selbst für einen Stäubling sehr klein (ich maß 3,2-4,2 µm, Jeppson 2018 gibt 3-3,5(4) µm, Jülich 1984 3-3,9 µm) – und damit war eigentlich schon alles klar, denn andere Lösungen als der mir bis dahin unbekannte Norwegische Stäubling (Lycoperdon norvegicum) gibt es für die genannte mikroskopische Merkmalskombination nicht. Vergleicht man die Makrofotos bei Jeppson 2018 oder auch bei G.J. Krieglsteiner 2000 mit meinen, so kann man ebenfalls mit der Bestimmung leben, auch wenn ich ein Merkmal nicht beobachten konnte: Nach Abfallen der Stacheln ergibt sich nämlich bei L. norvegicum ähnlich wie bei den häufigen Arten L. perlatum (Flaschenstäubling), L. nigrescens (Stinkstäubling) und L. echinatum (Igelstäubling) ein netziges „Alveolen“-Muster. Um dies nachzuvollziehen, müsste ich einmal ältere Fruchtkörper finden.

Die wenig bekannte Art scheint sehr selten zu sein. Schaut man im Internet auf pilze-deutschland nach, dann findet man nur zwei Fundpunkte in Nordbaden. Diese stammen vom vor wenigen Jahren verstorbenen Wulfard Winterhoff, wie ich in Band 2 der Pilze Baden-Württembergs (G.J. Krieglsteiner 2000) nachschlug. Googelt man nach Lycoperdon norvegicum, findet man relativ wenig, aber immerhin einen Aufsatz von Demoulin (1972.) aus den Westfälischen Pilzbriefen, in dem der Autor auch zwei deutsche Funde (in Bayern und in Brandenburg) erwähnt. Der Autor diskutiert eine nordisch-kontinentale Verbreitung, die zu den ihm bekannten Funden passt, aber wohl kaum zu den schon oben genannten nordbadischen Nachweisen (die im Übrigen von Demoulin persönlich, natürlich später als sein Aufsatz erschien, bestimmt wurden). Was wirklich die Wuchsbedingungen sind, damit sich die selten nachgewiesene Art wohlfühlt, ist wohl noch weitgehend unbekannt, ebenso, ob sie wirklich so selten ist, wie man vermuten könnte. Ich kann hier immerhin einen weiteren Mosaikstein beitragen.

Bleibt noch zu erwähnen, was die meisten Leser schon wissen. Die Gruppe der Bauchpilze (Gastromyceten) und auch die der Weichboviste als einer deren Teilgruppen (Ordnung Lycoperdales) gibt es nicht mehr. Moderne, u.a. (aber nicht nur) molekulare Befunde haben gezeigt, dass Bauchpilze mit sehr verschiedenen Hutpilzen verwandt sind und deshalb heute an vielen Stellen des Systems zu finden sind. Der norwegische Stäubling und seine Doppelgänger stehen heute in der Familie Agaricaceae, also der Familie von Champignons und Schirmlingen, mit denen sie die oft schuppig-stachelige Huthaut (nun ja: sagen wir beim Stäubling lieber Oberfläche oder Exoperidie), die Lebensweise als Sapromyzeten (also Abbauer toter organischer Substanz) und in vielen Fällen auch etwas säuerlich-stechende Gerüche („cristata-Geruch“ einiger Schirmlinge auch bei Weichbovisten) teilen.

Und ganz zum Schluss noch eine Information, die auch viele schon kennen: „Lycoperdon“ heißt, wenn man es aus dem griechischen übersetzt, „Wolfs-Furz“. Nicht schlecht passend für reife Fruchtkörper, auf die man versehentlich tritt. Keine Angst, wenn es stäubt. Ein Wolf ist in den meisten Fällen nicht dafür verantwortlich 😊


Pilz des Monats März 2021 – Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax)

Um die offenbar in Deutschland noch nicht nachgewiesene Art als Pilz des Monats vorzustellen, musste ich mir erst einmal einen deutschen Namen überlegen – zumindest erbrachte das Googeln mit „Hydropus pseudotenax Wasserfuß“ keine Ergebnisse. Pseudotenax – nun, was heißt das?  Dazu ist vielleicht zunächst von Interesse, dass der amerikanische Mykologe A.H. Smith zunächst 1936 einen Helmling als Mycena tenax beschrieb. Über diese Art kann ich nichts sagen, außer, dass sie wohl immer noch in der Gattung Mycena geführt wird.  1939 beschrieb er dann wohl als Doppelgänger Mycena pseudotenax – und diese Art ist inzwischen in die Gattung der Wasserfüße überführt worden. Tenax ist ein lateinisches Adjektiv, das man unterschiedlich übersetzen kann, so mit festhaltend, klebrig (abzuleiten vom Verb tenere: (fest)-halten – und in der Tat hat H. pseudotenax leicht, aber nicht sehr prägnant klebrige Stiele), oder auch etwas abgeleitet zäh, fest, aber auch fädig. Was genau A.H. Smith im Kopf hatte, als er die beiden Arten benannte, habe ich nicht versucht zu recherchieren, aber Namen wie „Klebriger Wasserfuß“, „Zäher Wasserfuß“ oder „Fädiger Wasserfuß“ empfand ich als relativ nichts-sagend, zumal man noch das „pseudo“ berücksichtigen müsste (griechisch: falsch), also Falscher Zäher Wasserfuß … - nun, ja, da habe ich mich dagegen entschieden. In der Tat ist die für die Gattung sehr kleine Sporengröße (ich maß gut zur Literatur passend Sporen von (5,5)-6-8-(9)/3-4 (4,5) µm) – Maße, die in der Gattung vor allem in der Breite, aber auch in der Länge nicht unterboten werden; Schmalsporiger Wasserfuß also meine Wahl für den deutschen Namen.

Ich fand die Art bisher 2mal – und beide Male dachte ich erst an einen Helmling, wenn auch nicht unbedingt an die gleiche Art, denn beide Kollektionen weichen makroskopisch leicht voneinander ab, passen aber insgesamt so beide gut zum Bild, das sich beim Googeln des Namens und mit dem Vergleich zu anderen so bestimmten Aufsammlungen aus dem Internet ergibt. Bei der ersten, sehr reichlichen Kollektion im Herbst 2019 hätte ich die Art fast nicht beachtet – der Fund gelang während einer Seminar-Exkursion in einem der Pilzschule nahe gelegenen Bachtal im Schwäbischen Wald in der gemischten Nadelstreu von Tanne und Fichte in einem Nadelmischwald – und eigentlich hielt ich die Art für einen 0-8-15-grauen Helmling, von denen es ja einige gibt.

Hydropus pseudotenax 1 Kleinsporiger Wasserfuss Schwaebischer Wald Hoenig Auerbachtal Nadelstreu
Hydropus pseudotenax 2 Klebriger Wasserfuss Helmling scabripes conicus Schwaebischer Wald Pilzkurs Seminar Pilzschule Schwaebischer Wald
Hydropus pseudotenax 3 Zaeher Wasserfuss Krieglsteiner Feldmykologe Ruppertshofen Schwaebisch Gmuend Baden Wuerttemberg
Hydropus pseudotenax 4 Kleinsporiger Wasserfuss Helmling Auerbachtal Deutschland Tanne Fichte Pilzschule
Hydropus pseudotenax 7 Studio Lothar Krieglsteiner Pilzkurse Pilzseminare Ausbildung PSV Feldmykologe Baden Wuerttemberg

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner

(4 x Standort, 1 x Studio)

 Hydropus pseudotenax 5 Lamellen Ansatz breit angewachsen Schwaebischer Wald Ruppertshofen Hoenig Auerbachtal Krieglsteiner
 Hydropus pseudotenax 6 Kleinsporiger Wasserfuss Helmling Lamellen Ansatz Nadelstreu Tanne Fichte Mittelgebirge Pilzschule Schwaebischer Wald
 Hydropus pseudotenax 8 Kleinsporiger Wasserfuss Anastomosen Pilzschule Schwaebischer Wald Ruppertshofen Gmuend Baden Wuerttemberg Pilzseminare
 Hydropus pseudotenax 9 Klebriger Wasserfuss Auerbachtal Tanne Fichte Helmling Mikroskopie PIlzkurse Tagesfuehrung Seminar PSV Ausbildung
Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner

(4 x Standort, 1 x Studio)

Die Aufnahmen von unten zeigen den (schmal bis) breit angewachsenen, auch leicht mit Zahn herablaufenden

Lamellen-Ansatz sowie die Tendenz zu stark aderig-getropften Lamellen und Anastomosen-Bildung - wie Sie

sehen kein Alleinstellungs-Merkmal des Rosablättrigen Helmlings (Mycena galericulata) ...

Da der Pilz aber nicht nach Chlor roch und auch sonst nicht ins Bild einer mir bekannten Art passte, zudem noch recht reichlich fruktifizierte, war ich neugierig, machte Standortfotos und nahm Material zur Untersuchung mit nach Hause. Dabei wurde schnell klar, dass es sich um einen Wasserfuß handelte, denn zahlreiche, ziemlich große (wenn auch für die Gattung eher kleinere, ca. (30)-40-80-(90)/8-11-(13) µm) Zystiden nicht nur an der heterogenen (kein steriles Band aus Zystiden, sondern auch Basidien bildenden) Lamellenschneide, sondern auch ganz reichlich ± gleichartig aussehend an der Lamellenfläche wiesen auf einen Wasserfuß hin – und nach schneller Recherche mit den gängigen Schlüsseln wollte keine bekannte Art passen. Da in der Kurs-Saison keine weitere Zeit vorhanden war, legte ich den Beleg zunächst ab und verschob die Klärung (wie so oft …) auf später.

Hydropus pseudotenax 17 Sporen Kongo NH3 Ammoniak tot Apikulus Mycena Wasserfuss PSV DGfM Feldmykologe
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Sporen-Aufnahme in Kongo-NH3 zeigt kleine Sporen (Maße s.o.) mit deutlichem Apikulus. Die "schnelle"

Aufnahme zeigt teils noch lebende Sporen mit kleinen bis winzigen, aber auch schon abgestorbende Sporen, bei

denen der Sporen-Inhalt zu einem großen Tropfen zusammengeflossen ist (NH3 = Ammoniak ist giftig und letal

für die Sporen).

Hydropus pseudotenax 16 Sporen Kongorot Oeltropfen lebend Auerbachtal Kleinsporiger Wasserfuss Mykologie Krieglsteiner
 Kleinsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Sporen-Aufnahme zeigt überwiegend schon abgestorbene Sporen, bei denen die kleinen Tropfen zu größeren

Einheiten zusammen geflossen sind. In "länger toten" Sporen werden diese optisch meist leer und sind optisch kaum

mehr zu erkennen.

Hydropus pseudotenax 18 Auerbachtal Cheilozystiden Kongo NH3 Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Aufnahme in Kongo-NH3 zeigt die heterogene Lamellenschneide mit vereinzelten Cheilozystiden.

Hydropus pseudotenax 19 Pleurozystiden Lamellenflaeche Kongo NH3 Sporen Mikroskopie Pilzschule Seminare Fuehrungen PSV DGfM Feldmykologie
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Lamellen-Fläche in Aufsicht, in Kongo-NH3. Die zahlreichen Pleurozystiden sind umgeknickt und nur ab der (von

oben bis zu der) Stelle zu sehen, an der sie in situ die Lamellen-Oberseite überschreiten.

Hydropus pseudotenax 22 Kleinsporiger Wasserfuss Pleurozystiden Kongo NH3 Quetschpraeparat Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Pleurozystiden (und Sporen) in Kongo-NH3, in stark gequetschtem Quetschpräparat. Die Pleurozystiden sind 

vollständig freigelegt, aber von der Bildungs-Hyphe abgebrochen.

Hydropus pseudotenax 21 Zystiden Lamellenbasis amorphe Exsudate Kristalle Phloxin Schwaebischer Wald Mikroskopierkurs Feldmykologe Krieglsteiner
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Zystiden der Lamellen-Basis (Übergang zum Lamellen-Zwischenraum) in Phloxin-KOH-Präparat. Nur hier fand ich

solche Zystiden mit Exsudat-Auflagerungen.

Hydropus pseudotenax 23 Kleinsporiger Wasserfuss Pileipellis Cutis kurze Auswuechse liegende Hyphen Radialschnitt Mikroskopierkurs Krieglsteiner
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Radialschnitt der Huthaut zeigt nur liegende Hyphen (Cutis), die gelegentlich kurze, knorrige Auswüchse haben. 

Pileozystiden fehlen.

Bevor es dazu kam, wurde ich aber etwa ein Jahr später – diesmal auf einer kleinen „Privat“-Exkursion mit Katharina, erneut fündig, wieder im Schwäbischen Wald, an einem Wegrand zwischen Nadelreisig- und Borkenresten von Tanne. Die Kollektion wirkte im Vergleich insgesamt kräftiger und dunkler, erinnerte mich entfernt an den typischer Weise im Frühjahr zu findenden Schneeblüten-Helmling (Mycena flos-nivium), und erst als ich beide Kollektionen mikroskopierte, brachte ich sie schließlich miteinander in Verbindung.

Hydropus pseudotenax 10 Kleinsporiger Wasserfuss Schneeblumen Helmling Mycena flos nivium Lothar Krieglsteiner Deutschland
Hydropus pseudotenax 10a Kleinsporiger Wasserfuss Gschwend Rotenhar Schwaebischer Wald Tanne Wegrand Nadelstreu Borkenreste Krieglsteiner Schwaebisch Gmuend

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19.10.2020, Deutschland-Baden-Württemberg s. Schwäbisch

Hall, Gaildorf-Schönberg, "Brenntenwald", an Wegrand durch Mittelgebirgs-Nadelmischwald, an Resten von Borke und

Nadelstreu von Abies alba, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos 

Lothar Krieglsteiner -

Verglichen mit der Kollektion im Auerbachtal bei Hönig waren die Fruchtkörper im Schnitt dunkler gefärbt und etwas 

kräftiger. Die Mikroskopie zeigte sich aber als quasi identisch.

 

 Hydropus pseudotenax 11 Unterseite Anastomosen Schwaebisch Hall Pilze lernen Ausbildung Pilzkurse Krieglsteiner

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19.10.2020, Deutschland-Baden-Württemberg s. Schwäbisch

Hall, Gaildorf-Schönberg, "Brenntenwald", an Wegrand durch Mittelgebirgs-Nadelmischwald, an Resten von Borke und

Nadelstreu von Abies alba, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos 

Lothar Krieglsteiner - 

Auch bei dieser Aufsammlung fanden sich deutliche Adern und Anastomosen im Bereich der Hut-Unterseite.

Wie schon anklang: mit den gängigen Schlüsseln und Bestimmungswerken ist die Art nicht zu bestimmen – und man versandet bei den scheiternden Zuordnungs-Versuchen bei zumindest bezüglich der Sporenmaße nicht passenden Arten wie H. scabripes oder H. conicus. Erst die Konsultation des Schlüssels von Esteve-Raventos & al. (2001, Persoonia) brachte dann problemlos das (m.E.) richtige Ergebnis, und einen (m.E.) sehr gut passenden Treffer. H. pseudotenax ist wie schon erwähnt eine aus Nordamerika beschriebene Art, die erst durch Esteve-Raventos & Ortega (1995, Sydowia) erstmals für Europa berichtet wurde, und zwar durch einen Fund aus Spanien (Andalusien, bei Granada, unter Pinus halepensis). Die Autoren bezeichnen die Art allerdings als in Europa weit verbreitet, führen aber im Text nur noch Nachweise aus Italien auf (Lonati 1986, als Hydropus scabripes var. safranopes – nicht eingesehen). Für H. pseudotenax (mit dem H. scabripes var. safranopes identisch ist, wie die Autoren durch die Untersuchung des Typus klärten) wird in der Originbeschreibung und auch bei Esteve-Raventos & Ortega (nur in der Diskussion, nicht in der Beschreibung!) ein safrangelbes Basismyzel angegeben, das mir bei meinen Funden im Gelände nicht auffiel. Meine Fotos zeigen allerdings bei einem Teil der Fruchtkörper schwach solche Farbtöne. Allerdings ist am Exsikkat nahezu der ganze Pilz orangebräunlich verfärbt.

Hydropus pseudotenax 12 Stielbasis Myzelfilz gelblich Ruppertshofen Auerbachtal Pilzseminar Schulung Pilzkenner Krieglsteiner
Hydropus pseudotenax 13 Stielbasis gelblich Myzelfilz Hoenig Zaeher Wasserfuss Helmling Saprobiont Nadelstreu Tanne Fichte Schwaebischer Wald
Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Aussschnitts-Vergrößerungen der Stielbasis von Studio-Fotos - mit etwas gutem Willen erkennt man durchaus eine 

(orange)-gelbliche (Ver)-Färbung der Stielbasis. Mir war diese aber beim Frischmaterial nicht besonders aufgefallen.

 Hydropus pseudotenax 14 Exsikkat scabripes safranopes Hoenig Auerbachtal Stielbasis Myzelfilz orangegelb trocken Krieglsteiner Helmling
 Hydropus pseudotenax 15 Stielbasis Exsikkat Hoenig Myzelfilz orange KLeinsporiger Wasserfuss Nordamerika Spanien Italien Deutschland safranopes scabripes
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Fotos vom Exsikkat zeigen beim ganzen Pilz (oben) und an der Stielbasis einen deutlichen Zug ins Orange. Ein 

Synonym zu H. pseudotenax ist der aus Marokko beschriebene H. scabripes var. safranopes.

 Hydropus pseudotenax 16 Exsikkat Stielbasis Myzelfilz Gschwend Gaildorf Schwaebisch Hall Gmuend Schwaebischer Wald
 

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19.10.2020, Deutschland-Baden-Württemberg s. Schwäbisch

Hall, Gaildorf-Schönberg, "Brenntenwald", an Wegrand durch Mittelgebirgs-Nadelmischwald, an Resten von Borke und

Nadelstreu von Abies alba, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos 

Lothar Krieglsteiner - 

Bei der zweiten Aufsammlung ist der Orange-Ton am Exsikkat schwächer, aber ebenfalls vorhanden.

H. pseudotenax ist eine wenig bekannte Art mit bisher ungenügend bekannter Verbreitung. Ob sie sehr selten ist oder nur übersehen wurde, muss sich in der Zukunft erweisen. Fazit jedoch: es lohnt sich immer wieder einmal, banal aussehende Helmlinge zu untersuchen 😊


Pilz des Monats Februar 2020 - Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis)

Der Tannen-Fingerhut ist ein relativ unauffälliger Pilz. Zwar sind seine Fruchtkörper nicht allzu klein (bis 10 mm Durchmesser nach Agerer 1976; 0,5-1,2 (2) cm nach www.123pilze.de). Fruchtkörper über 1 cm sind zwar nicht oft, aber doch gelegentlich zu finden - 2 cm sind aber schon sehr viel und nur extrem alt und ausgebreitet denkbar), aber unauffällig gefärbt und sie wachsen an wenig besammelten Standorten zu meist winterlicher Exkursionszeit. Die Art ist allerdings keineswegs selten. Dies erschließt sich aber erst, wenn man bei der Suche von den Literaturangaben abweicht. So schreibt Agerer (1976 - und dies war auch die Erfahrung der "alten" Sammler in der Pilzgruppe um den verstorbenen G.J. Krieglsteiner) über Vorkommen von C. digitalis, sie wachse "nach LIteratur-und Sammlerangaben ... auf jüngeren wie auf älteren, meist frisch gefällten Tannen, häufig in luftfeuchten Schluchten; manchmal auch auf stehenden Bäumen bis zu einer Höhe von ca. 10 m, fast immer auf Borke, nur ganz selten auf bloßgelegtem Holz". In der Tat sind bisher nur Funde an Abies alba bekannt - auch ich habe die Art zwar schon oft, aber immer nur an Weißtanne finden können. Haupt-Wuchsort sind allerdings nicht wie bei Agerer angegeben (G.J. Krieglsteiner 2001 erwähnt ebenfalls v.a. Stämme, aber immerhin auch Äste im Luftraum, s.u.) Baumstämme (an solchen dickeren Stämmen kann die Art selten auch gefunden werden, vor allem, so lange die meist dünneren Stämmchen noch stehen), sondern dünne Zweige, Reisig, abgestorbene dünne Teile im Luftraum stehender Tannen. Will man C. digitalis suchen, dann geht der Blick also am Besten nach oben - man sucht sich kleinere Tännchen, deren untere Äste und Zweige noch im Blick- und Griffbereich liegen. Zu günstigen Wuchsbedingungen (am Besten nach längerem Regen oder Abtauen von Schnee in der Wintersaison, ausnahmsweise aber auch im Herbst oder gar Sommer fruktifizierend) dauert es zumindest im Schwäbisch-Fränkischen Wald nicht lange, bis man die Art zum ersten Mal gefunden hat, und so gelang es mir schon mehr als einmal, zugereisten pilz-interessierten Gästen die scheinbare Rarität innerhalb von Minuten in "meinen" Wäldern zu zeigen. Insofern ist auch durchaus diskutabel, ob die Art wirklich "stark gefährdet" ist, wie sie derzeit in der Roten Liste für Deutschland klassifiziert ist. Nachdem das "Tannensterben" aufgrund v.a. Schwefeldioxid-Immissionen derzeit gestoppt erscheint, hat sich die Gefährdung vieler Tannenpilze erübrigt, besonders, das diese gegenüber Stickstoff-Einträgen weniger stark gefährdet erscheinen. Neben dem Schwäbisch-Fränkischen Wald kenne ich die Art auch aus dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald sowie dem Schweizer Alpenvorland. Bei gezielter Suche dürfte die kaum zu verwechselnde Art (Mikromerkmale siehe bei Agerer 1976) fast überall im Tannen-Areal gefunden werden können.

Cyphella digitalis Schwaebisch Gmuend Lothar Krieglsteiner PSV Ausbildung DGfM Referent Fachberater Feldmykologe
Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 30.11.2007, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbisch Gmünd, "Taubental" (Ausläufer des Schwäbisch-Fränkischen Waldes), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut iuvenil Abies alba Schwaebisch Fraenkischer Wald Ruppertshofen Gaestehaus Gruener Pfad
Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 24.09.2008, Deutschland, Baden-Württemberg, Kaisersbach,  Bannwald "Steinhäusle"(Schwäbisch-Fränkischer Wald), ganz junge Fruchtkörper an Seitenast an stehender, junger Abies alba in Mannshöhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Abies alba Murrhardt Hoerschbach Katharina Krieglsteiner Schlucht Winter
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 20.12.2015, Deutschland, Baden-Württemberg, Murrhardt, "Hörschbach"-Schlucht (Schwäbisch-Fränkischer Wald), ältere Fruchtkörper an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Katharina Löw (jetzt Katharina Krieglsteiner)
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Abies alba Winter luftfeucht Cyphellaceae Agaricales Pilzkurse PIlzseminare
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 25.01.2016, Deutschland, Baden-Württemberg, n. Schwäbisch Gmünd, "Götzenbachtal" bei Leinzell (Schwäbisch-Fränkischer Wald), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in Mannshöhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Deutschland Baden Wuerttemberg Schwaebisch Fraenkischer Wald Krieglsteiner
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 01.01.2018, Deutschland, Baden-Württemberg, Spraitbach, unweit Spraitbacher Stausee (Schwäbisch-Fränkischer Wald), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Weitanne Abies alba Winter Baden Wuerttemberg Schwaebischer Wald Pilzschule Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Cyphellaceae Agaricales Tanne Zweige Luftraum Schwaebischer Wald Schwaebisch Gmuend
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 31.12.2018, Deutschland, Baden-Württemberg, Spraitbach, b. Fuchsreute (Schwäbisch-Fränkischer Wald), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner (2 Fotos) . Das zweite Foto zeigt die Fruchtkörper nur von außen.
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Markones Krieglsteiner Ostalbkreis Schwaebisch Gmuend Ruppertshofen PIlzkurs
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 25.01.2021, Deutschland, Baden-Württemberg, Spraitbach, b. Heiligenbruck (Schwäbisch-Fränkischen Waldes), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in Mannshöhe, leg., det. Katharina und Lothar Krieglsteiner und Rudi Markones, Foto Rudi Markones

 Der Tannen-Fingerhut ist ein cyphelloider Pilz, genau genommen der klassische cyphelloide PIz, denn cyphelloide Pilze sind solche, die aussehen wie Cyphella, und diese Gattung ist heute (zumindest in Mitteleuropa) monotypisch. Cyphelloide PIlze sind in etwa becherförmig, aber dennoch Ständerpilze. Heute hat sich heraus gestellt, dass alle zur O. Agaricales gehören, sie also reduzierte, ungestielte Lamellenpilze sind, die ihre Lamellen "verloren haben". Ein interessantes Thema, über das ich gerne bei dem einen oder anderen Seminar referiere.


Pilz des Monats Januar 2021 - Faltiger Glockenschüppling (Pholiotina sulcata)

Die heute vorgestellte Art ist – zumindest wenn man von Freilandlagen Mittel-Europas redet – derzeit unverwechselbar. Der schmächtige Habitus mit trockenem Hut sowie die Sporen- und Lamellenfarbe passen zu einem Samthäubchen (Conocybe) oder Glockenschüppling, erinnern vielleicht noch an einen Häubling (Galerina), aber dann geht die Liste der in Frage kommenden Gattungen schon zu Ende. Und in keiner dieser Gattungen gibt es sonst Arten mit plissierten, radial gefaltet werdenden Hüten, wie sie sonst noch bei Mistpilzen (Bolbitius – mit ähnlicher Sporenpulverfarbe, aber jung schleimig-schmierigem Hut) und Tintlingen (Coprinopsis, Coprinellus und Parasola – nicht bei Coprinus!) vorkommen, die aber schon durch ihr viel dunkleres, ± schwarzes Sporenpulver deutlich geschieden sind.

Keine Verwechslungsmöglichkeit also? Doch – weltweit, in Südeuropa, in Warmhäusern, und vielleicht bald ja (durch den Klimawandel) auch im Freiland bei uns? Der Gefurchte Faltenhäubling (Galerella plicatella) hat ebenfalls zimtbraunes Sporenpulver und einen plissierten Hut, aber (neben abweichenden Mikromerkmalen) einen anderen Habitus (kürzer gestielt) und vor allem besitzt er im Gegensatz zu P. sulcata Velum auf dem Hut. Gut dargestellt ist die von mir noch nie gefundene Art hier: ADPF3.tmp (univie.ac.at). Früher hielt man die hier dargestellte Art für Galerella plicatella, und so ist sie auch in älterer mitteleuropäischer Art genannt worden – bis 2003, als sie von Arnolds & Hausknecht als eigenständige Art beschrieben wurde. Noch heute findet man Darstellungen von P. sulcata unter Galerella plicatella, so z.B. hier: Beschreibung: Agaricales Blätterpilze Dunkelsporer - Fredis Pilzseite (jimdofree.com)

P. sulcata ist mir bisher erst 4mal begegnet – von allen Funden kann ich Fotos zeigen, vom ersten Fund in der Rhön gibt es einen Dia-Scan. Allen Funden gemeinsam ist das Habitat: mäßig bis deutlich saure, halbwegs nährstoffarme Grasland-Standorte. Insofern kann es durchaus sein, dass es sich um eine gefährdete Art handelt. In Roten Listen ist sie bisher aber noch nicht klassifiziert worden.

Pholiotina sulcata Gefurchter Glockenschueppling Deutschland Rhoen Bayern Rinderweide Moos Rhytidiadelphus squarrosus Biosphaerenreservat Gro
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 14.9.2001 im Biosphärenreservat Rhön (Deutschland, Bayern), Debachtal bei Wegfurt, MTB 5626/1, am Rand von extensiver Rinderweide über Buntsandstein, in magereren Partien (hier im Sparrigen Kranzmoos Rhytidiadelphus squarrosus), im Jahresverlauf dort Tausende von Fruchtkörpern, leg., det., Foto (Dia-Scan) Lothar Krieglsteiner
Pholiotina sulcata Galerella plicatella Gefurchter Glockenschueppling Deutschland Baden Wuerttemberg Schwaebisch Gmuiend Magerwiese Gro
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 26.08.2008 im NSG "Lindenfeld" bei Schwäbisch Gmünd-Unterbettringen (Deutschland, Baden-Württemberg), wenige Fruchtkörper in mäßig nährstoffarmer Magerweide über Dogger, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 15.10.2013 unweit Deggendorf-Mietzing (Deutschland, Bayern, Fuß des Bayerischen Waldes), in saurer Magerwiese, wenige Fruchtkörper, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - der Fundort liegt im Bereich einer Soden-Auspflanzungsfläche für Walters Haarzunge (Trichoglossum walteri) aus einem innerstädtischen Baugebiet in Deggendorf.
Pholiotina sulcata Gefurchter Glockenschueppling Schwaebischer Wald Gmuend Baden Wuerttemberg Pilzkurse Pilzschule Krieglsteiner Gro
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 10.10.2020 bei Gschwend-Mittelbronn, Waldlichtung ö. Bruckenhaus, in mäßig nährstoffreicher (nur gelegentlich gedüngter) Wiese an Waldrand, leg. PIlzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Foto Lothar Krieglsteiner