Pilz des Monats Juli 2026: Schmieriger Düngerling (Panaeolus antillarum)
Ein großer Pferdemist-Haufen am Eingang eines ansonsten von der Vegetation her noch relativ naturnahen Forstes (natürlich ist es bei uns kein Urwald mehr) ist für mich normalerweise kein Grund zur Freude, sondern zur Kritik an diesem dahinter steckenden nicht gerade umweltfreundlichen Verhalten. Allerdings ist dieser Forst ansonsten tatsächlich ökologisch noch ziemlich wertvoll, was im Vorkommen zahlreicher seltener, an nährstoffarme Bedingungen angepasster Pilze und auch Pflanzen zum Ausdruck kommt. Insofern habe ich wegen des Pferdemistes bisher noch keine laute Kritik an den uns wohl gesonnenen Waldbesitzern geäußert. Schließlich machen diese ansonsten offenbar sehr vieles richtig und bewirtschaften den Wald schonend. Und dann hat der Pferdemist, im Schatten abgelagert, auch noch etwas Gutes für uns – man findet dort fast immer irgend welche Pilze (darunter z.B. regelmäßig den Kultur-Champignon Agaricus bisporus und den Schuppenstieligen Weichritterling Melanoleuca verrucipes), was in Zeiten von Rekord-Temperaturen gerade im Sommer-Halbjahr für Pilzkurs-Exkursionen überaus wertvoll ist. Und manchmal sind darunter recht bemerkenswerte Funde. So wie der heutige Pilz des Monats.
Beim Fund im August 2024 (seither gelangen übrigens keine weiteren Nachweise!) habe ich aufgrund des Habitus natürlich gleich an einen Düngerling gedacht. Die sehr reinweiße Färbung und vor allem der für die Gattung ganz untypisch schmierige Hut ließen mich ein wenig an der Gattung zweifeln (obwohl alle anderen Merkmale einschließlich der marmorierten Lamellen-Flächen passten), aber das Nachschauen in der Literatur und die mikroskopische Prüfung brachten bald Gewissheit, dass meine schon im Gelände geäußerte Vermutung, es könnte sich um den mir bisher nicht persönlich bekannten Panaeolus antillarum handeln müsste, richtig war.
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| Schmieriger Düngerling (Panaeolus antillarum) am 19.08.2024 auf Gemarkung Gschwend (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, MTB 7024/4, 468 m NN), mehrere Fruchtkörper einzeln auf großem Pferdemist-Haufen am Eingang von paenemontanem Nadelmischwald (potenziell Buchen-Tannenwald), leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie die zunächst hellen (l.u.), dann schwarzen Lamellen mit bleibend weißer Schneide (durch dichtes Band von Cheilozystiden steril, vgl. Folie 3). |
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| Schmieriger Düngerling (Panaeolus antillarum) am 19.08.2024 auf Gemarkung Gschwend (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, MTB 7024/4, 468 m NN),mehrere Fruchtkörper einzeln auf großem Pferdemist-Haufen am Eingang von paenemontanem Nadelmischwald (potenziell Buchen-Tannenwald), leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie die viersporrigen Ständer (o.l. Tetrade in Aufsicht), den kräftigen Keimporus (o.r. in Sulfovanillin) sowie die angedeutet hexagonalen, großen, dunkel rotbraunen und fast undurchsichtig schwarz wirkenden Sporen. |
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| Schmieriger Düngerling (Panaeolus antillarum) am 19.08.2024 auf Gemarkung Gschwend (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, MTB 7024/4, 468 m NN),mehrere Fruchtkörper einzeln auf großem Pferdemist-Haufen am Eingang von paenemontanem Nadelmischwald (potenziell Buchen-Tannenwald), leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt die Cheilozystiden an der sterilen Lamellenschneide. Weil dort keine Ständer stehen und keine Sporen reifen, bleibt diese weiß, während der Rest der Lamelle (die Fläche) mit der Zunahme reifer Sporen immer dunkler und schwärzer wird. |
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| Schmieriger Düngerling (Panaeolus antillarum) am 19.08.2024 auf Gemarkung Gschwend (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, MTB 7024/4, 468 m NN),mehrere Fruchtkörper einzeln auf großem Pferdemist-Haufen am Eingang von paenemontanem Nadelmischwald (potenziell Buchen-Tannenwald), leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - Purpurrot verfärbt sind die Pleurozystiden in Aufsicht. Wegen ihrer Verfärbung nach purpurrot in Sulfovanillin werden diese auch Sulphidien genannt. |
Die Art ist in der Gattung in der Tat durch den schmierigen Hut ein wenig abgehoben. Dazu kommt ein weiteres relativ seltenes Merkmal, das sonst nur relativ wenige Arten haben: der Besitz sogenannter Sulphidien, einer Sonderform von Chrysozystiden mit durch Sulfovanillin purpurrot anfärbbaren Inhalten (Tafel 4) – dazu kommen ferner sehr große Sporen mit kräftigem Keimporus. Auch die sehr rein weißen Hüte sind für die Gattung eher untypisch, so dass es sich, einmal gelernt, um eine leicht (wieder) zu erkennende Pilzart handelt.
Mir war die Art wie schon geschrieben bis zum Fund nur durch Literaturkenntnis bekannt, es handelt sich um meinen persönlichen Erstfund. Die Karte in pilze-deutschland zeigt auch für Deutschland nur relativ wenige Fundpunkte, von denen nur zwei in Baden-Württemberg und keiner (am nächsten liegt noch ein bayerischer Fundpunkt) in der Nähe des Schwäbischen Waldes gelegen ist. Natürlich ist das hier gezeigte Vorkommen synanthrop, also nur durch Zutun des Menschen (durch den Pferdemist-Haufen) entstanden – Ähnliches wird auch für die Mehrzahl der anderen Fundpunkte gelten. Die in Deutschland wohl nur adventiv (eingeschleppt und unbeständig) vorkommende Art wurde erstmals, wie es ja auch der wissenschaftliche Name sagt, aus der Karibik (Inselgruppe der Antillen) erstmals beschrieben.



