Pilz des Monats Februar 2026 – Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae)
Als ich heute kurz entschlossen diesen Rötling (den wir schon vor Jahren in Norwegen fanden, s.u.) als Pilz des Monats auswählte, googelte ich natürlich erst einmal den deutschen Namen und fand als zentralen Netz-Vorschlag „Nacktstieliger Rötling“. Nun – warum der Stiel von E. fernandae nackter sein soll als der der großen Mehrzahl aller anderen Rötlingsarten, erschleßt sich mir nicht (oder anders ausgedrückt: nichtssagender kann ein deutscher Pilz-Name kaum sein). Bei Erhard Ludwig (Pilzkompendium Band 2) lese ich nun den obigen durchaus gut passenden deutschen Namen. Auf die Schnelle habe ich leider nicht herausgefunden, wer Fernanda war, zu deren Ehren der Pilz im Original durch Romagnesi (1936, als Rhodophyllus fernandae) beschrieben wurde; vielleicht kann mich jemand aufklären?
Der hier vorgestellte Fund ist mein erster und bisher einziger dieser Art – sie scheint zumindest überall dort, wo ich so normalerweise Pilze sammle, nicht häufig zu sein. Rötlinge sind nämlich durchaus eine Gattung, aus der ich schon seit Jahrzehnten immer wieder Proben mitnehme und (nicht immer erfolgreich) zu bestimmen versuche (oder anders ausgedrückt: ich habe bezüglich dieser Gattung eigentlich wenig Berührungsängste). So gibt es z.B. aus Baden-Württemberg (zumindest bis 2003 – Pilze Baden-Württembergs Band 4) für E. fernandae nur einen Nachweis, und der stammt aus einem ausgesprochenen, vom Aussterben bedrohten Sonder-Habitat, nämlich einem flechtenreichen Silbergrasrasen aus nährstoffarmem Sandboden der nördlichen Oberrheinebene (Finder W. Winterhoff 1987). Beim Nachschlagen auf der Website pilze-deutschland finde ich diese Situation wenig verändert (jetzt sind es 2 benachbarte Fundpunkte).
Ganz anders die Bewertung bei Ludwig (s.o.), der die Art „ziemlich häufig“ nennt – aber Ludwig lebte und wirkte auch in Berlin (und reiste öfter nach Schweden), wo sich die Situation anders darstellt (auch auf pilze-deutschland gibt es nach Norden und vor allem Nordosten hin mehr Fundpunkte) – immerhin schreibt Ludwig aber auch, der Pilz wachse „auf armen, sandigen oder torfigen Böden“ (und zwar „an lichten Stellen in Nadelwäldern, auf Heiden, Viehweiden, an Waldwegrändern, oft zwischen oder an Moosen“). Eine banale Art also für E. Ludwig (und vielleicht auch für andere Pilzkenner, die in diesen Regionen leben) – auch wenn ich mir sicher bin, dass auch in Brandenburg und selbst in Skandinavien die geeigneten Standorte immer weniger werden, denn „arme Böden“ gibt es nur noch dort nennenswert, wo die heute fast allgegenwärtige Überdüngung noch nicht in hohem Maße angekommen ist. Dass ich an meiner eigenen Bestimmung als E. fernandae lange zweifelte, lag vor allem an der Tatsache, dass E. fernandae nach Noordeloos (Fungi Europaei) nicht wie bei unserem Fund in Torfmoos-Rasen wachsen würde (wohl weil die Art trockenere Standorte bevorzugt) – eben lese ich aber auch bei Ludwig, dass Gröger dies schon widerlegt hatte.
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| Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.) am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026. Beachten Sie den glockigen Habitus ("helmlingsartig"), der in Untergattung Nolanea weist, den nicht ganz glatten, graubraunen Hut und die faserige Stieloberfläche sowie de Standort im Torfmoos-Rasen. |
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| Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.) am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026 - Beachten Sie die heterodiametrischen, relativ kleinen und meist ausgeprägt eckigen Sporen. |
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| Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.) am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026 - Beachten Sie bei den Fotos in Kongorot die Basidien-Basis ohne Schnallen sowie die meist 4-sporigen (Mitte rechts von oben, unten links nur 3 Sterigmen sichtbar), gelegentlich auch 2-sporigen Ständer, |
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| Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.) am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026 - Beachten Sie das stark inkrustierende Pigment in weiten Teilen der schnallen-freien Huthaut (vom Typ Cutis mit Übergang zum Trichoderm) sowie das zusätzlich intrazelluläre Pigment (unten rechts). |
Eigentlich ist E. fernandae eine ziemlich prägnante Art. Für einen Vertreter der Untergattung Nolanea („Glöcklinge – Rötlinge mit kegeligen Hüten und „Helmlings-Habitus“) hat die Art in der Tat einen relativ aufgerauten Hut, insofern ist der von Ludwig und hier gewählte deutsche Name durchaus zumindest passender als der mit dem nackten Stiel. Unter dem Mikroskop ist dann nahezu ein Alleinstellungsmerkmal (es gibt allerdings einige wenig bekannte Satelliten-Arten), dass die Art weder an den Basidien noch an anderen Hyphen Schnallen trägt, ein nicht immer ganz leicht festzustellendes Merkmal. Interessanterweise kann man sagen, dass graubraune, unauffällig gefärbte Rötlinge meist Schnallen haben, während blaue Rötlinge von einer eher kleineren Gruppe abgesehen meist schnallenlos sind. Dazu kommt bei E. fernandae der faserige (nicht polierte) Stiel, ein stark inkrustierendes Huthaut-Pigment neben weniger ausgeprägtem intrazellulärem (vgl. Tafel 4) sowie die relativ kleinen, mittel heterodiametrischen Sporen mit meist relativ ausgeprägten Ecken.
Der Fundort in Skandinavien lag im Übergangsfeld eines sauren Hochmoor-Standortes zu trockenem Kiefernwald, nahe eines Wegrandes, aber inmitten eines Torfmoos-Rasens (Sphagnum spec.). Ich bin gespannt, ob es bis zu einer weiteren Skandinavien-Fahrt dauert, bis ich die Art wieder einmal finden werde, oder ob sie doch auch einmal hier „zu Hause aufschlägt“.



