Pilz des Monats September 2026 – Blassgelber Schafwoll-Kugelpilz (Lasiosphaeria lanuginosa)
Der heutige Pilz des Monats ist ein wenig bekannter Doppelgänger des bei uns häufigen Weißwolligen Kugelpilzes (auch Eiförmiger Kohlenkugelpilz und Schaf-Haarkugelpilz (letzteres eine mögliche wörtliche Übersetzung des wissenschaftlichen Namens) – alle Namen aus 123pilze) Lasiosphaeris ovina, dessen allein unbehaarte und deshalb schwarze Perithezien-Mündungen (Ostioli) im ansonsten dicht weißwollig (schaf-artig) behaarten Fruchtkörper heraus stechen. L. ovina ist in Deutschland an morschem Laubholz vielerorts häufig und wird ab und zu und bei feuchtem Wetter mit seinem typischen Parasiten, dem winzigen Krieglsteinera lasiosphaeriae, angetroffen. Das Erscheinungsbild von L. ovina ist in der Tat in der Regel rein weiß oder allenfalls bei Trockenheit creme, bei Feuchte und Alter (vermutlich oft durch Detritus im Haarfilz) eher grau gefärbt – gelbe Töne fehlen in der Regel. Diese sind zwar offenbar nicht zwingend vorhanden, aber auf alle Fälle ein Indiz auf „unseren“ Pilz, L. lanuginosa,. Dazu kommt eine tendenziell luftigere und flüchtigere Behaarung sowie eher birnförmig-verlängerte und nicht ganz so runde Perithezien. Ferner hat L. lanuginosa gelbe Pigmente im Inneren der Fruchtkörper, die durch Zugabe von KOH verstärkt werden (Letzteres alleine eigene Beobachtung) – und last not least größere, erst bei guter Reife ganz anders aussehnde Sporen.
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| Blassgelber Schafwoll-Kugelpilz (Lasiosphaeria lanuginosa) am 03.04.2026 n. von Caldas de Monchique (Serra Monchique, Algarve, Portugal, 271 m NN, GPS: N37°17'10.42" W8°34'11.01"), an liegendem Stämmchen von Eucalyptus globulus, an der sich ablösenden Borke, leg., det., Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie den blassgelben Ton der fein wollfilzigen Perithezien. Die schwarzen Punkte sind die nackten Ostioli (Perithezien-Mündungen). Die "Innereien" sind gelblich und färben mit KOH intensiv gelb. |
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| Blassgelber Schafwoll-Kugelpilz (Lasiosphaeria lanuginosa) am 03.04.2026 n. von Caldas de Monchique (Serra Monchique, Algarve, Portugal, 271 m NN, GPS: N37°17'10.42" W8°34'11.01"), an liegendem Stämmchen von Eucalyptus globulus, an der sich ablösenden Borke, leg., det., Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Die erste Folie zeigt noch unreife Sporen im Schlauch, die großenteils noch keinen klaren Art-Hinweis geben. Nur unten rechts ist bereits die diagnostische Sporen-Anschwellung (die der ähnlichen L. ovina fehlt) zu sehen. Die zweite Folie zeigt dann die an Cercospora erinnernden schwarzen Anschwellungen der Sporen bei Reife. Erst der dritte präparierte Fruchtkörper zeigte diesen Reife-Grad. |
Ich fand L. lanuginosa bisher zweimal, wobei mein erster Fund wegen Unreife ein wenig unsicher bleibt – er stammt aus den italienischen Seealpen und ist hier verlinkt: https://ascofrance.com/forum/79817. Schon dieser Fund hatte mich im Gelände stark an L. ovina erinnert und war mir vor allem wegen seiner zitrongelben Färbung aufgefallen; damals konnte ich allerdings keine reifen Sporen finden.
Das war diesmal anders – allerdings auch erst beim dritten präparierten Fruchtkörper. Die Enden der typisch nach Lasiosphaeria-Art gekrümmt-gewundenen Sporen schwellen bei Reife deutlich an und verfärben schwarz – ein schönes Merkmal, das bei L. ovina fehlt und aufgrund dessen unser Pilz auch schon in die Gattung Cercophora gestellt wurde, für die dieses Merkmal eher typisch ist. Der vorgestellte Fund stammt aus der Algarve, an abblätternder Rinde eines liegenden, toten Eucalyptus-Stämmchens, an der noch weitere bisher nicht zu Ende bearbeitete Pyrenomyceten wuchsen.
L. lanuginosa ist in Europa bisher wenig und wenn, dann vor allem aus atlantischen und mediterranen Regionen West- und Südeuropas bekannt; der Typus stammt aus der französischen Bretagne. Im deutschsprachigen Raum gibt es bisher offenbar keine Funde, aber offenbar einen Nachweis in Dänemark: https://svampe.databasen.org/taxon/65115.


