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Pilz des Monats Mai 2024 – Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis, = Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999)

Mit diesem Pilz des Monats publiziere ich erstmals seit meiner Dissertation wieder Funde aus einer Gruppe von kleinen Basidiomyceten, die nur äußerst gelegentlich von Pilzfreunden aufgesammelt werden. Wir betreten hier ein taxonomisches Minenfeld, das auch derzeit noch als weitgehend ungelöst betrachtet werden darf,  wenn auch seit meiner Publikation von 1999 einiges an Neuem zu verarbeiten ist. Zunächst: die klassische Gattung Ceratellopsis enthält eine ganze Reihe nur ganz unvollständig bekannter und unzureichend in ihrer Variabilität ausgeleuchteter Taxa, die zunächst einmal charakterisiert werden können durch sehr kleine keulenförmige Holothezien (Basidiomata mit außen liegender Fruchtschicht und ± ohne sterile Oberfläche) mit ± weißlicher Färbung und monomitischem Aufbau (die durchaus sehr ähnliche Winzige Borstenkoralle Pterulicium gracile, besser bekannt als Pterula gracilis, fällt durch Skeletthyphen aus der Definition, Clavulinopsis- oder Clavaria-Arten mit ähnlicher Farbe u.a. durch ihre doch deutlich größeren Fruchtkörper).

In meiner Dissertation (L. Krieglsteiner 1999: Pilze im Naturraum Mainfränkische Platten und ihre Einbindung in die Vegatation habe ich verschiedene Ceratellopsis-Funde bekannt gemacht, und damals waren es die wohl ersten Nachweise von Pilzen aus dieser Gattung für Deutschland.

Neben der ebenfalls wenig bekannten C. aculeata, über die ich hier nicht viel weiter schreibe, habe ich 2 Funde von winzigen weißen Keulchen auf moosiger Baumborke unter dem Namen Ceratellopsis mucedinea (Boud.) Corner vorgestellt – damals mit Hilfe des Spezialisten Klaus Siepe, mit dem ich mich auch später noch immer wieder über solche Pilze ausgetauscht habe. Wie gesagt: moosige Baumborke, und schon damals fiel mir auf, dass diese Keulchen offenbar eine Beziehung zu Laubmoosen haben. In der Zwischenzeit gelangen mir  weitere vergleichbare Funde solcher Pilze an Laubmoosen (z.B. auf der Schwäbischen Alb und in der Eifel) – ausführliche Dokumentationen (und Fotos über das Gezeigte hinaus) habe ich allerdings nicht vorliegen. Bis vor wenigen Wochen … (s.u.).

Wesentlich Neues erfährt man in der Arbeit von Olariaga & al. (2020: Phylogenetic origins and family classification of typhuloid fungi, with emphasis on Ceratellopsis, Macrotyphula and Typhula (Basidiomycota) – nämlich die Polyphylie der Gattung Ceratellopsis. Die Mehrheit der Proben gehört mit dem Gattungs-Typus C. aculeata (s.o. – auch von mir in Mainfranken gefunden) in Familie Clavariaceae der Agaricales (wie in mycobank korrekt geführt – im Index of Fungi landet man bei den Gomphaceae!), und auch Pterulicium gracile gehört in O. Agaricales (F. Pterulaceae).

Eine Ceratellopsis fällt jedoch heraus – und zwar wird diese auf Moosen gefunden und war als C. sagittiformis beschrieben worden. Für diese Art (zumindest wie dieses Patouillard`sche Taxon, von der nur ein Iconotypus vorliegt, von den Autoren interpretiert wird – sie wählen einen Lectotypus aus Estland an lebendem Pleurozium schreberi, Rotstängelmoos) wird eine neue Gattung Bryopistillaria beschrieben, und in Familie Rickenellaceae der Hymenochaetales transferiert – in dieser Gruppe stehen auch sonst Moos-Parasiten!).

Ein Vergleich zeigt: zumindest meine neue Kollektion (s.u.) gehört hierher – das zeigen u.a. die breiten Hyphen im Mark sowie die kurzen Zellen im Subhymenium – Merkmale, auf die früher nicht wirklich geachtet wurde), wie mit dem Schlüssel von Olariaga & al. leicht verifiziert werden kann. Zu C. sagittiformis schreiben die Autoren u.a.: „: The original plate of B. sagittiformis shows a fungus with a fertile apex, 2-spored basidia …“ sowie „ … we interpret B. sagittiformis as a species with obtuse fertile basidiomata at least when not extremely young, medulla hyphae 3–4 μm broad, lacking clamp connections and occurring usually, though apparently not strictly, on living mosses. .. It is possible that mosses are always present but not necessarily act directly as substrate for the basidiomata“. Das passt alles sehr gut zu all meinen bisher als C. mucedinea bestimmten Kollektionen (dieses Taxon wird von Olariaga & al. als vermutliches Synonym zu C. aculeata geführt). Ich fand neben 4-sporigen auch 2-sporige Ständer. Die Spitzen der Basidiomata sind im Großen und Ganzen fertil (wie dies auch Olariaga & al. für alle nicht absolut iuvenile Fruchtkörper konstatieren), wobei das oft schwer auszumachen ist, da reife Basidien ohnehin jung noch kaum gefunden werden können, die Form der unreifen Basidien (Basidiolen) durchaus variiert und die Zahl der gefundenen Sporen auch bei etwas älteren Keulen ziemlich gering ist. Basidien und Hyphen sind zumindest weitgehend schnallenfrei (ich fand bei den Funden in meiner Dissertation keine und auch bei meinem aktuellen Fund nicht). Und dass mein Pilzchen ein Moosbewohner ist, war mir immer aufgefallen. Auch nun – und damit zum aktuellen Fund, der Anlass für diese Darstellung und diesen Pilz des Monats war.

Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 14.04.2024  im "Heidenbühl" bei Kaisersbach-Gmeinweiler (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg; 488 m NN, GPS: N48°54'27.63" E9°40'34.98"), an Rand von unbefestigtem Waldweg über mäßig basenreichem Grund (unweit z.B. Calocybe gambosa), an kleiner Erdblöße inmitten von jungem Rasen von Kegelkopf-Lebermoos (Conocephalum conicum), auch an teils etwas angegriffenen Pflanzenteilen des Mooses, leg, det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Bryopistillaria sagittiformis 2 Ceratellopsis mucedinea Brunnen Lebermoos Marchantia polymorpha Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Mainfranken Rhoen Rhon
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 14.04.2024  im "Heidenbühl" bei Kaisersbach-Gmeinweiler (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald, Baden-Württemberg; 488 m NN, GPS: N48°54'27.63" E9°40'34.98"), an Rand von unbefestigtem Waldweg über mäßig basenreichem Grund (unweit z.B. Calocybe gambosa), an kleiner Erdblöße inmitten von jungem Rasen von Kegelkopf-Lebermoos (Conocephalum conicum), auch an teils etwas angegriffenen Pflanzenteilen des Mooses, leg, det., Fotos Lothar Krieglsteiner - beachten Sie die Kristalle im Mark (u.M.), die breiten Hyphen des Marks (in Kongorot, u.r.), die Basidien ohnen Schnallen (o.M., o.r.) sowie die Sporenform. 
 Bryopistillaria sagittiformis 3 Ceratellopsis mucedinea aculeata Rickenellaceae Hymenochaetales Pterulicium Salix Laubmoose Bryophyta Krieglsteiner Pilzschule Moos
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 09.01.1994, Main-Auenrest n. Himmelstadt (ggü. Abzw. Stetten, MTB 6024/4), an totem Ast von stehender Mandelweide (Salix triandra) in Ufergehölz (Salicetum triandrae), an und zwischen Laubmoosen (Amblystegium serpens), leg., det., Foto (Dia-Scan) Lothar Krieglsteiner
 Bryopistiiaria sagittiformis 4 Ceratellopsis mucedinea Mainfranken Karlstadt Laubmoos Himmelstadt Wurzburg Dissertation Universitaet Regensburg Klaus Siepe Sporen
 Bryopistillaria sagittiformis 5 Krieglsteiner 1999 Naturraum Mainfrankische Platten Einbindung Vegetation Sporen Krieglsteiner Pilzschule Schwabischer Wald DGfM
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 09.01.1994, Main-Auenrest n. Himmelstadt (ggü. Abzw. Stetten, MTB 6024/4), an totem Ast von stehender Mandelweide (Salix triandra) in Ufergehölz (Salicetum triandrae), an und zwischen Laubmoosen (Amblystegium serpens), leg., det.,, Zeichnungen Lothar Krieglsteiner - obere Skizze Original, untere reingezeichnet für Publikation (aus L. Krieglsteiner 1999)
 Bryopistillaria sagittiformis 6 Ceratellopsis mucedinea Nationalpark Eifel Nordrhein Westfalen Deutschland Laubmoos Ruine Vogelsang Biodiversitaetsforschung PSV
 Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 11.12.2016 w. des "Neffgesbach" w. der Ruine Vogelsang ö. Schleiden-Gemünd öim Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen, MTB 5404/2, 410 m NN, GPS: N50°34'58.37" E6°26'23.93"), an indet. Laubmoos an Zweig von Prunus spinosa in Zweighaufen in Laubmischwald in Schluchtlage, leg, det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Bryopistillaria sagittiformis 7 Ceratellopsis mucedinea Heinz Sielmann Stiftung Baden Wuerttemberg Schwaebische Alb Laubmoos Krieglsteiner Olariaga Moosparasit
  Weißes Moos-Zwergkeulchen (Bryopistillaria sagittiformis alias Ceratellopsis mucedinea ss. L. Krieglsteiner 1999) am 25.10.2022 am "Schloßberg" bei Lauterstein-Weißenstein (Gelände der Heinz-Sielmann-Stiftung, gefunden bei Auftrags-Kartierung - Schwäbische Alb, Baden-Württemberg, MTB 7225/3, 657 m NN; GPS: N48°42'15.24" E9°52'55.95"), an lebendem Laubmoos (Brachytheciaceae cf.) an morschem Laubholzstumpf in Laubmischwald über Malm-Kalk an Steilhang, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner

 

Als ich am 14. April (also vor genau 10 Tagen) an einem mir gut bekannten Waldweg im Schwäbischen Wald unterwegs war, sah ich an einer neu gestalteten Weg-Partie frisch gewachsenes Kegelkopf-Lebermoos (Conocephalum conicum). Da an diesem Moos auch andere spannende Pilze gefunden werden könnten, kniete ich mich hin und fand an einer kleinen Erdblöße innerhalb des Rasens tatsächlich Pilze, nämlich einige kleine weiße Keulchen, deren Identität mir eigentlich gleich klar war und sich mit dem Mikroskop bestätigte (von diesem Fund stammt die Tafel im Foto-Block). Erst zu Hause unter dem Bino stellte ich fest, dass auch einige der Keulchen an Unterseiten und Rändern von teils etwas angewelkten Lagern des Lebermooses zu finden waren. Interessant ist, dass meines Wissens bisher nur Funde an Laubmoosen bekannt sind (jedenfalls sind auch bei Olariaga & al. keine Funde an Lebermoosen erwähnt).

Eine gewisse Variationsbreite besteht in den Sporenmaßen. Im Zuge meiner Dissertation maß ich für C. mucedinea bei zwei Funden an moosiger Borke in Mainfranken einmal 6,8-7,2/3-3,2 µm (die geringe Spanne spricht für damals wenige gefundene Sporen) und einmal (5)5,5-6.5/(3)3,3-3,8 µm. Die Sporenform (Skizze aus meiner Diss im Foto-Block) passt gut zur aktuellen Kollektion, bei der Sporen von 5-6,5/3-3,5 (wenige Sporen bei den frisch gesammelten Keulchen) bzw. eine Woche später (einige Sporen mehr nach Lagerung in der Wohnung) von 6-8/3-3,8 µm gemessen wurden – im Vergleich dazu geben Olariaga & al. für B. sagittiformis Sporen von 4,5-6,5(8)/3-3,5(4) µm gemessen wurden – die etwas geringeren Maße (bei gut passender Sporenform) könnten auf die Messung toter Sporen im Exsikkat zurückzuführen sein (?).

Ein weiterer Punkt, der mich an der Bestimmung kaum mehr zweifeln lässt, ist die Tatsache, dass ich sowohl bei meinen alten wie bei meinen neuen Funden immer reichlich Kristalle im Fleisch der Keulchen fand (dies erwähne ich in meiner Diss und kann hier ein Foto beisteuern) – und auch in der Darstellung von Olariaga & al. sind diese Kristalle erwähnt.

So führt manchmal dann doch das Verstreichen von Zeit und das Abwarten neuer Publikationen dazu, dass sich das eine oder andere Problemfeld etwas aufklärt. Unschärfen bleiben. So zunächst zum Namen B. sagittiformis. „Sagitta“ bezeichnet auf lateinisch einen Pfeil, und ein Teil der Fruchtkörper ist auch relativ zugespitzt – andere und eher die Mehrzahl der Fruchtkörper sind aber meist stumpf.  Auch Olariaga & al. bilden nur leicht zuspitzende und auch abgerundet-stumpfe Fruchtkörper ab und sie schreiben (s.o.) ja auch, die Keulen wären „obtuse“. Dieses Merkmal scheint also auch variabel zu sein – und einer meiner Funde (bei Weißenstein, vgl. Foto-Block) hat sogar ausgesprochen rundliche und nur teils etwas zuspitzende Keulchen, dürfte aber zur gleichen Art gehören. Fragezeichen bleiben auch und besonders in der übrig bleibenden Gattung Ceratellopsis und die Frage, wie viele Arten hier vorliegen, ist ziemlich offen. Aber dazu schweige ich heute lieber ….

Addendum: weitere nicht mit Fotos bestückte, aber belegte Funde:

Schwäbische Alb:

18.10.05 – D, BadenWürttemberg, Schwäbische Alb, MTB 7127/3, 590 m NN, ö. Aalen, Beuren, NSG „Dellenhäule“, an Resten von Hylocomium splendens (und Rhytidiadelphus squarrosus) unter Wacholder in ziemlich nährstoff-angereicherter Wacholderheide (Beleg 023/2006 – liegt im Herbar in Stuttgart mit der Bestimmung Ceratellopsis mucedinea).

Rhön  (vgl. L. Krieglsteiner 2004) :

04.10.2001 – 5525/4 – Niedermoor nw. Oberweißenbrunn (Bayern), an lebenden Moosen (Climacium dendroides, Aulacomnium palustre, Sphagnum spec.,  Homalothecium nitens) in Molinietum über Muschelkalk (Beleg 1126/2001 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

03.11.2001 – 5526/3 – Weinberg w. Weisbach (Bayern), Saum mit Brachythecium pinnatum an Südhang über Muschelkalk, an lebenden Laubmoosen in der Bodenstreu (Beleg 1061/2001 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

Nach der Rhön-Publikation weitere Funde in der Rhön:

01.11.2004 – 5525/1 – bei “Heckenhöfchen” ö. Poppenhausen (Hessen), Wacholderheide, an Laubmoosen an Juniperus-Zweigen (Beleg 316/2004 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

03.11.2004 – 5327/1 – 500 – Wiesenthaler Schweiz (Thüringen), an Moosen an Unterseite von Juniperus-Ast (Beleg 317/2004 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

Rothaar-Gebirge:

28.8.1999 - 5016/3 "Kalkberg" b. Bad Laasphe (Nordrhein-Westfalen), moosiger anheftender Salix-Zweig (Beleg 010/2001 Fungarium Krieglsteiner – Museum Stuttgart)

Viel Erinnerung an alle diese Fundehabe ich nicht mehr, und auch keine Fotos oder Notizen. Ich gehe jedoch davon aus, dass alle zu Bryopistillaria sagittiformis gehören (alle zunächst bestimmt als Ceratellopsis mucedinea). Wenn es wahr ist, können sie im Museum Stuttgart gefunden werden 😊. Die aktuelleren Funde liegen alle noch im Privatherbar Lothar Krieglsteiner (das gilt im Wesentlichen für Funde ab 2014) – wie lange, das wird sich zeigen ….

 

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